Baby-Schock beim ArztWas, wenn das Geschlecht nicht zum Wunsch passt?

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Gefühle zulassen: Werdende Eltern können Enttäuschung empfinden, wenn das Geschlecht des Babys nicht dem Wunsch entspricht und sollten diese Gefühle nicht verdrängen.
Die Vorfreude auf den Nachwuchs ist bei den meisten werdenden Eltern riesig. Doch für einige ist es ein Schock, wenn sie hören, dass es ein Junge anstelle des erhofften Mädchens wird. Und andersherum genauso.
In sozialen Netzwerken wird das Phänomen, das als „Gender Disappointment“ (Geschlechtsenttäuschung) bekannt ist, immer häufiger thematisiert, wie die dpa berichtet. Die Diplom-Psychologin und Familientherapeutin Stefanie Heer erläutert, dass dies meist während der Schwangerschaft nach der Verkündung des Geschlechts auftritt und oft von allein nachlässt.
Stefanie Heer, die auch als Hebamme arbeitet, stellt klar, dass nicht jede Vorliebe sofort ein Problem darstellt: „Nur weil man mal sagt, eigentlich wollte ich lieber einen Jungen haben, muss das nichts Pathologisches sein.“ Sie erklärt, dass es sich meistens um eine vorübergehende Phase handelt.
Gefühle nicht einfach runterschlucken
Viele Mütter und Väter kämpfen anfangs mit diesen Emotionen. Ist es denn verboten, so etwas zu empfinden? Laut Heer ist es ein entscheidender erster Schritt, sich zu gestatten, diese Gedanken zu äußern – ohne Furcht vor Verurteilung oder schiefen Blicken.
Noch bevor man damit an die Öffentlichkeit geht, ist es wichtig, sich selbst die Erlaubnis für solche Gedanken zu geben, ohne direkt in eine Gedankenspirale zu geraten wie etwa „Ich bin eine schlechte Mutter, ein schlechter Vater, ich bin undankbar – anderen geht es schließlich noch viel schlechter.“
Wichtig ist, diese Gefühle nicht zu unterdrücken. „Je mehr ich versuche, so einen Gedanken wegzudrücken, weil ich denke, der ist nicht erlaubt, der ist nicht gut, desto größer wird er“, warnt die Psychologin. Stattdessen muss es Platz geben, die Enttäuschung zu artikulieren – ganz ohne Urteil oder übereilten Zuspruch.
Auch wie das Umfeld reagiert, ist von großer Bedeutung, wenn werdende Eltern ihre Enttäuschung teilen. Sätze wie „Hauptsache gesund“ – egal von wem – können die Betroffenen verletzen. Besser ist es, die Gefühle erst einmal zu bestätigen. „Ja, das kann schon traurig machen. Ich kann das verstehen“, beschreibt Heer – „ohne dass man sofort in irgendwelche Trostversuche geht“.
Ein Brief ans Baby? Dieser Trick hilft beim Abschied vom Wunschtraum
Die Psychologin empfiehlt betroffenen Eltern, zuversichtlich zu sein, dass sich die anfängliche Empfindung wandeln wird. Zur Verarbeitung ist es nützlich, die eigenen Erwartungen zu analysieren. „Noch mal hinschauen, was verbinde ich denn mit der Erwartung, dass ich einen Jungen oder ein Mädchen bekomme?“ Oft sind diese Ideen von Klischees beeinflusst. Es kann nützlich sein, sich zu fragen: „Was verändert sich wirklich? Außer dieser Idee, die ich von einem Mädchen oder Jungen habe? Und: Ist diese Idee überhaupt realistisch?“
Um sich von der Idealvorstellung zu lösen, können Rituale eine Hilfe sein. Zum Beispiel ein Brief „an das Mädchen, das man nicht kriegt oder an den Jungen, den man bekommt, in dem man sich entschuldigt, dass man ihn womöglich etwas zögerlich willkommen geheißen hat“. Heer rät auch, einen Brief an sich selbst zu verfassen – so, „wie man den an eine Freundin schreiben würde“, um die eigene Lage mit mehr Nachsicht zu betrachten.
Wenn die Traurigkeit bleibt: Wann man sich Hilfe holen sollte
Es ist von großer Wichtigkeit, achtsam zu bleiben – vor allem, wenn die Enttäuschung andauert oder die Beziehung zum Kind schwierig erscheint. „Es ist gut, wachsam zu sein, immer wieder gesprächsbereit zu sein und einen Raum zu schaffen. Das ist das Allerwichtigste“, sagt Heer.
Wenn die Empfindung intensiv bleibt oder überfordert, empfiehlt die Psychologin, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Anlaufstellen dafür sind Hebammen, Beratungsstellen oder Therapeuten mit dem Fokus auf Elternschaft. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

