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Von wegen egozentrisch!Einzelkinder sind viel besser als ihr Ruf

Eine schick angezogene Familie im Herbstwald

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In ihrem gerade erschienenen Buch „Ein Kind ist (k)ein Kind hinterfragt Autorin  klassische Familienmodelle und räumt mit Vorurteilen auf.Diese junge Familie hier jedenfalls hat Spaß mit- und aneinander.

Alter Vorteile über Einzelkinder sind längst überholt. Expertin erklärt, warum.

„Ihr wollt doch sicher noch ein Zweites?“ Oder: „Na, wann kommt denn das Geschwisterchen?“ Diese Sprüche sind an der Tagesordnung, wenn man mit einem Kleinkind auf dem Kinderspielplatz auftaucht. Sätze, die Bellinda Baum (37), Mutter einer Sechsjährigen, immer wieder zu hören bekommt. Sie und ihr Mann haben sich aber bewusst für ein Kind entschieden – was längst nicht mehr die Ausnahme ist. In Deutschland leben mittlerweile 4,2 Millionen Einzelkinder. Doch noch immer haben sie mit Vorurteilen zu kämpfen. Warum eigentlich?

„Die Nachteile einer Familie mit mehreren Kindern sind gesellschaftlich akzeptiert – die einer Einzelkind-Familie sind negativ aufgeladen“, moniert die Autorin in ihrem Buch „Ein Kind ist (k)ein Kind“. Ihre Kernthese: „Geschwister können wertvoll für ein Kind sein, dennoch sind sie kein Ersatz für einen mental gesunden Elternteil.“ Ihrer Meinung nach bekommen viele noch – historisch bedingt und durch den sozialen Druck, den sie erfahren – ein zweites Kind, obwohl sie sich mental, körperlich und finanziell damit eigentlich überfordert fühlen.

Argumente für ein Einzelkind – und auch welche, die dageben sprechen

Vor allem Frauen werde schnell vorgeworfen, wenn sie sich für ein Kind entscheiden, nicht richtig in ihrer „Mutterrolle“ aufzugehen, egoistisch zu sein, weil sie sich – oder den Job – an die erste Stelle setzen würden und dem Nachwuchs ein Geschwisterchen verwehren. Was natürlich auch die Entwicklung beeinflusse. Bellinda Baum möchte mit ihrem Ratgeber nicht spalten, sondern Einzelkind-Eltern Mut machen, ihre innere Haltung zu stärken. Vorurteile, dass Einzelkinder egoistischer seien, würden sich nämlich hartnäckig halten. Dabei seien Einzelkinder viel besser als ihr Ruf, stellt sie in ihrem Buch dar.

Diverse Studien hätten ergeben, dass „Einzelkinder sich mindestens so gut wie Kinder mit Geschwistern entwickeln. Sie seien sozial angepasst, integriert und emotional stabil, so die Autorin. Gleichzeitig pflegen sie oft eine intensivere und positivere Beziehung zu ihren Eltern, was erklärt, warum sie bei Leistung und Intelligenz häufig besser abschneiden.“ Weitere Argumente und Studien, die ihrer Meinung nach für ein Einzelkind sprächen:

  1. Ein Einzelkind lernt schon früh, Kontakte zu knüpfen und weiß, wie wichtig ein soziales Netz ist.
  2. Es kann sich zu Hause frei entfalten und muss beim Spielen weniger Kompromisse machen.
  3. Es wird nicht mit Geschwistern verglichen und erfährt keinen Konkurrenzkampf um Liebe und Aufmerksamkeit durch die Eltern.
  4. Im besten Fall hat es zuhause einen Rückzugsort, an dem es ruhig ist.
  5. Verabredungen mit anderen Kindern können fast immer stattfinden, weil es kein weiteres Kind mit eigenen Terminen gibt, die abgestimmt werden müssen.
  6. Es ist für die Zukunft oft besser abgesichert, weil die Eltern nur für ein Kind sparen und die Beträge dementsprechend höher ausfallen können.
  7. Es ist gewohnt, mit Erwachsenen zu kommunizieren und kann deshalb oft leichter Kontakt mit Erziehenden und Lehrpersonen aufnehmen.
  8. Es würde in der Schule oft besser abschneiden, weil das Einzelkind zuhause besser gefördert wird und sich auf seine Talente konzentrieren kann.
  9. Familienrituale wie Abend- und Schlafrituale können individueller abgestimmt werden, selbst wenn es nur um die Gute-Nacht-Geschichte geht. 

Den Vorteil, den Geschwisterkinder laut Studien hingegen tatsächlich haben, verschweigt die Einzelkind-Mutter allerdings nicht. Diese hätten mehr „Übungsfläche“ für ihr soziales Verhalten, reduzierten Leistungsdruck (weil sich die Erwartungen auf mehr Kinder verteilen) und im Idealfall durch die Geschwister Verbündete fürs Leben. Doch jeder hat die Wahl. Deshalb antwortet sie auf den Satz „Eine richtige Familie hat zwei Kinder!“ ziemlich gelassen: „Jede Familiengröße hat Vor- und Nachteile – und wie meine richtige Familie aussieht, entscheide immer noch ich.“