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Ukraine-KriegEgo-Shooter sorgt für große Angst – Regierung mit dringender Forderung

Die ukrainische Regierung wirft dem Entwickler des neuen Shooters „Atomic Heart“ vor, dass russische Investoren hinter dem Spiel steckten und Stimmung gegen die Ukraine gemacht werde. Die Forderung des Digitalministers: Verkaufsstopp. Was steckt dahinter?

von Martin Gätke (mg)

Der neue Ego-Shooter „Atomic Heart“, der ab 21. Februar 2023 erhältlich ist (PC, PS4, PS5, Xbox Series X/S, Xbox One), sorgt für jede Menge Wirbel in der Gaming-Branche: Wird mit den Verkäufen des Spiels Putins Regime finanziert? Wird dem Gamer innerhalb des Shooters russische Propaganda serviert? 

Das Netz ist voll von derlei Vorwürfen gegen den Entwickler Mundfish und das in Russland entwickelte Spiel. Nun hat sich auch die ukrainische Regierung mit einer Forderung zu Wort gemeldet. 

Ukraine-Krieg: Große Debatte um „Atomic Heart“

Von vielen Gamern wurde „Atomic Heart“ mit einiger Vorfreude erwartet, nun könnten neue Vorwürfe den Spielspaß vermiesen. Schon im Vorfeld gab es einige Diskussionen um das Spiel, das von einem russischen Team entwickelt wurde und sich trotz mehrfacher Nachfrage der deutschen Gaming-Magazine nicht von Putins Angriffskrieg in der Ukraine distanziert hat. Auch in den sozialen Netzwerken gibt es kein Wort von Mundfish. 

Alles zum Thema Youtube

Im Januar schrieb das Team in einer Stellungnahme auf Twitter, dass man die Fragen zur Position des Unternehmens zur Kenntnis genommen habe. Das Studio sei „unbestreitbar eine Pro-Friedensorganisation“ und „gegen Gewalt gegen Menschen“. Man wolle sich nicht zu politischen Ereignissen äußern. Der Krieg in der Ukraine wird weiterhin nicht erwähnt. Nehmen Sie hier an unserer Umfrage teil:

Und nicht nur das: Mundfish verschweigt auch, dass es 2017 in Russland gegründet wurde. Das Team behauptet auf der offiziellen Webseite, seinen Sitz in Zypern zu haben. Und betont, dass das Team aus vielen Ländern stamme: „130 Kreative aus zehn Ländern – darunter Polen, die Ukraine, Österreich, Georgien, Israel, Armenien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Serbien und Zypern.“

„Atomic Heart“: Darum geht es in dem Ego-Shooter

„Atomic Heart“ selbst spielt in einer alternativen Sowjetunion in den 1950er Jahren: Der Spieler bewegt sich zu Beginn in einer vermeintlich utopischen Gesellschaft mit Robotern und Maschinen. Ein fiktives Material, das entdeckt wurde, hat dafür gesorgt, dass die UdSSR früher den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat und eben jene Roboter bauen konnte, die für Zufriedenheit und Wohlstand sorgen.

Doch die Maschinen wenden sich bald gegen die Menschen, richten ein Blutbad an. Der Gamer selbst nimmt die Rolle eines sowjetischen Geheimagenten ein, der herausfinden soll, was passiert ist – und sich dabei durch diese „moderne“ Version der Sowjetunion ballert. 

Wird der sowjetische Unrechtsstaat und die Schrecken der UdSSR verharmlost? Wird russische Propaganda in die Story verwoben? Im Netz sind längst heftige Vorwürfe gegen „Atomic Heart“ laut geworden, verbunden mit Boykottaufrufen. Ein ukrainischer User hat rund zwei Wochen vor Release auf YouTube darum geworben, das Spiel nicht zu kaufen. Fast zwei Millionen Mal wurde es aufgerufen. 

Dem Studio wird zudem vorgeworfen, dass zweifelhafte Investoren hinter ihnen stehen würden. Die Internetseite von Mundfish nennt Gaijin Entertainment, Gem Capital und Tencent. Vor allen Dingen an Gem Capital ist die Kritik groß: Das russische Unternehmen investiert neben Games unter anderem noch in Öl und Gas. Der Gründer, Anatoliy Paliy, hat vorher bei Gazprom gearbeitet.

„Atomic Heart“: Wie viel des Erlöses geht an staatstreue russische Firmen?

„Atomic Heart“ wird in Russland zudem auf der dort verbreiteten Plattform VK Play vertrieben. VK betreibt auch das bekanntere soziale Netzwerk „VKontakte“, das als „russisches Facebook“ gilt und das größte Social-Media-Netzwerk des Landes ist. Hinter VK wiederum steckt Gazprom, das einen Anteil von mehr als 50 Prozent hält. Wie viel des Geldes aus den Erlösen von „Atomic Heart“ am Ende in staatstreue Firmen fließt, ist aber nicht nachzuvollziehen. 

In Europa und den USA vertreibt Focus Entertainment das Spiel. Der französische Publisher habe laut „Zeit Online“ seit der Übernahme des Vertriebs am 22. Februar 2022 geprüft, ob es direkte finanzielle Verbindungen zwischen Moskau und Mundfish gebe – das sei mit Verweis auf Kreise des Publishers nicht der Fall.

Ukraine fordert Boykott von „Atomic Heart“

Nun hat sich die ukrainische Regierung eingeschaltet und Sony, Microsoft und Steam-Betreiber Valve aufgefordert, den Vertrieb des Spiels zu stoppen. Umsätze des Entwicklers Mundfish könnten dafür eingesetzt werden, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren, sagte Alexander Bornyakov, der stellvertretende Minister für Digital Transformation, ukrainischen Medien.

„Wir fordern, die Verbreitung dieses Spiels in anderen Ländern aufgrund seiner Toxizität, der potenziellen Sammlung von Benutzerdaten und der Möglichkeit, sie an Dritte in Russland zu übertragen, sowie der potenziellen Verwendung von Geldern, die aus den Käufen des Spiels stammen, um Krieg gegen die Ukraine zu führen, zu stoppen“, so Bornyakov.

Wie schwer die Vorwürfe „Atomic Heart“ schaden werden, ist noch nicht absehbar. Gekauft wird es jedoch reichlich: Auf Steam steht das Spiel drei Tage nach Release auf Platz vier der Topseller, auch die Rezensionen zum Spiel sind sehr positiv. Offenbar kommt das Sowjet-Setting bei den meisten gut an.