Digitaler Stress: Deutsche schauen stündlich aufs Handy.
Immer online, immer StressNeue Umfrage zeigt: 81 Prozent schauen stündlich aufs Gerät

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Ständig wandern der Blick und die Hand zum Smartphone: Gerade jüngeren Menschen geht es einer Umfrage der IU Internationalen Hochschule in Erfurt zufolge häufig so. (Symbolbild)
Das Handy glüht, die Timelines werden gescannt und jede Nachricht will sofort eine Reaktion: Ein Großteil der Deutschen ist digital quasi immer auf Sendung. Eine repräsentative Erhebung der IU Internationalen Hochschule aus Erfurt legt das schonungslos offen. Laut der Studie blicken 81 Prozent der Teilnehmenden mindestens einmal pro Stunde auf ihr Smartphone, Tablet oder ein anderes Display – auch dann, wenn es gar nicht gepiept hat.
Besonders krass ist dieser Zwang bei der jüngeren Generation. Wahnsinnige 90,6 Prozent der Leute zwischen 16 und 30 Jahren schauen laut den Resultaten mindestens stündlich auf ihre digitalen Begleiter. Beinahe die Hälfte in dieser Altersklasse (48,6 Prozent) gestand außerdem eine echte Furcht davor, offline etwas Wichtiges zu versäumen. Man nennt dieses Phänomen auch „FOMO“, kurz für den englischen Begriff „Fear Of Missing Out“.
Der Zwang zur sofortigen Antwort
Über die Hälfte sämtlicher Studienteilnehmer (56,2 Prozent) spürt die Erwartungshaltung ihres Umfelds, auf digitale Mitteilungen umgehend zu reagieren. Und dieser Zwang endet nicht nach Feierabend: 32,9 Prozent der berufstätigen Befragten verspüren die Verpflichtung, selbst nach der regulären Arbeitszeit verfügbar zu bleiben.
Die Basis für die Studie „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland“ bildete eine Befragung von 2.000 Personen hierzulande im Alter zwischen 16 und 65. Durchgeführt wurde die Erhebung im Zeitraum vom 13. bis zum 19. Januar 2026, wobei sie repräsentativ für Alter und Geschlecht ist.
Die Sehnsucht nach der digitalen Auszeit
„Wir alle kennen die Lesebestätigungen bei Nachrichten – und die Erwartung dahinter: Wann kommt die Antwort?“, erläutert Stefanie André, die an der IU als Professorin für Gesundheitsmanagement tätig ist. Sie sagt, dass dieser Zwang, nicht nur verfügbar sein zu müssen, sondern auch zügig zu antworten, gerade im Familienkreis enorm sei. André zufolge betrifft dies insbesondere Frauen, da sie in zahlreichen Haushalten weiterhin den Löwenanteil der täglichen Organisation stemmen.
Dabei sehnt sich tatsächlich über die Hälfte der Teilnehmenden (56 Prozent) danach, öfter mal nicht online zu sein. Diese krasse Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit kommentiert Timo Kortsch, Professor für Wirtschaftspsychologie an der IU, wie folgt: „Das spricht nicht für fehlendes Wissen, sondern für einen starken äußeren Erwartungsdruck: soziale Normen, berufliche Erreichbarkeit und die Angst, etwas zu verpassen.“
Wenn die digitale Flut die Konzentration killt
Die Resultate der Erhebung deuten darauf hin, dass der permanente digitale Zwang die Konzentrationsfähigkeit massiv beeinträchtigt: 37,2 Prozent gaben zu, rasch den Anschluss zu verlieren, sobald sie von digitalen Mitteilungen gestört werden. Ganze 44,3 Prozent fühlen sich von der reinen Masse an digitalen Daten einfach nur noch erschlagen.
Doch die Leute wissen sich zu helfen und haben bereits Taktiken gegen den digitalen Stress parat. Am populärsten sind das Deaktivieren von Push-Meldungen (38,4 Prozent), die Nutzung des „Nicht-stören“-Modus (29,5 Prozent) sowie gezielte Auszeiten ohne Netz, beispielsweise beim Sport ganz ohne technische Geräte (28,7 Prozent). (dpa/red)
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