Mit elf war er mit Eltern und Geschwistern von Deutschland nach Peru gezogen, nun ging es für den 16-jährigen „Goodbye Deutschland“-Auswanderer Lucas Zeier allein ins englische Bath. Doch die Jahre in den Anden hatten ihn geprägt, das Ankommen fiel ihm schwer, wie die VOX-Doku zeigte ...
Von der Armut ins Nobel-InternatKulturschock für 16-jährigen „Goodbye Deutschland“-Auswanderer

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Lucas lebt sich nur langsam in England ein. (Bild: VOX)
„Das Privileg meines Lebens ist, anderen Menschen zu helfen“, hatte Benjamin Zeier (42) in einer „Goodbye Deutschland“-Folge von 2020 dem VOX-Team erklärt. Mit Ehefrau Lena (39) und den fünf gemeinsamen Kindern war der tiefgläubige Urologe damals ins Bergdorf Curahuasi gezogen, um dort den Ärmsten der Armen in einem Missionshospital zu helfen - unentgeltlich, finanziert lediglich durch Spendengelder.
Für seinen ältesten Sohn Samuel (16) „ehrlich gesagt eine der besten Entscheidungen unseres Lebens. Weil es dir diese ganze Offenheit für die Welt gibt, dieses ganze Wissen über die Kulturen, über die Leute, dass es auch andere Arten gibt zu leben ...“ Zu sehen, mit wie wenig Menschen andernorts auskommen müssen, habe ihm „sehr, sehr viel Arroganz genommen, die man aus Deutschland mitträgt“.
„Veränderung ist immer schwer“, so eine weitere Erkenntnis - aber sie ist zu bewältigen. Das habe ihm Selbstbewusstsein gegeben. Nun stand die nächste Veränderung an: Von Peru würde Lucas in ein 1868 gegründetes, christliches Internat im englischen Bath ziehen. Ein sehr teures Internat - wie teuer, war den Eltern zunächst nicht bewusst gewesen: umgerechnet 51.000 Euro für ein Jahr! „Ich weiß bis heute nicht, wie wir das alles zahlen“, gab Benjamin zu. „Aber ich vertraue drauf, dass der, der uns bis hierher versorgt hat, uns auch immer rechtzeitig versorgt, wenn die nächste Rechnung kommt.“ Sein Wort in Gottes Ohr ...
Harter Neustart in England

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Abschied von seiner peruanischen Klasse: Lucas geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. (Bild: VOX)
Mama Lena plagten noch ganz andere Sorgen: „Ich fühl' mich einfach viel zu jung dafür, dass mein Kind schon geht“, sinnierte sie. Doch die Bildung ihrer Kinder ist den Zeiers wichtig. Schon in Peru hatte Lucas wie seine Geschwister auch eine Privatschule besucht und war nun dankbar für die große Chance, die das neue Internat ihm bot - später wollte er einmal Neurochirurg werden ...
Als Mama Lena ihren Sohn drei Monate später in Bath besuchte, hatte der eine emotionale Achterbahnfahrt hinter sich. Die ersten zwei Wochen seien „schrecklich“ gewesen. Eigentlich sehr auf Pünktlichkeit bedacht, sei er anfangs ständig überall zu spät gekommen, weil er sich im labyrinthartigen Gebäude so oft verlaufen hatte. Zudem habe er sich verändert: „Dadurch, dass man halt nur die Probleme von hier hat - was reelle Probleme sind, aber jetzt wirklich keine Probleme auf dem Level von Peru.“
Im Zusammenleben mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern merke er, wie sehr er sich von diesen unterschied: „Für mich ist Spaß jetzt nicht unbedingt das, was Spaß für die ist. Ist mir zu laut und zu unordentlich und alles.“ Es gebe durchaus mit ein paar Leute, mit denen es klick gemacht habe - mit manch anderen fühle er sich aber „einfach nicht wohl“.
Niemand an der Schule sei wie er, niemand habe auch nur ein kleines bisschen Ahnung von seinem Leben. „Ich wollt' jeden Abend einfach nur schlafen - und manchmal heulen“, gestand er, versicherte seiner Mama aber: „Es wird besser.“ Immerhin war der Umzug nach England sein Wunsch gewesen. Und schließlich hatte er durch seine erste Auswanderung gelernt, dass Herausforderungen dazu da sind, sie zu meistern. Das wird ihm sicher auch mit dieser gelingen. (tsch)

