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True-Crime-Serie über die Krypto-Queen„Take the Money and Run“

Ruja Ignatova (Nilam Farooq) steht im Mittelpunkt des Milliardenbetrugs um die Krypto-Schmiede OneCoin. Das ZDF verfilmte den True Crime-Fall als sechsteilige Serie, die ab 6. Januar in der Mediathek zu sehen ist - ehe sie ab Sonntag, 11. Januar, auch bei ZDFneo in Doppelfolgen läuft. (Bild: ZDF und Mathias Bothor/Nicolas Lekai (CGI)/Serviceplan)

Ruja Ignatova (Nilam Farooq) steht im Mittelpunkt des Milliardenbetrugs um die Krypto-Schmiede OneCoin. Das ZDF verfilmte den True Crime-Fall als sechsteilige Serie, die ab 6. Januar in der Mediathek zu sehen ist - ehe sie ab Sonntag, 11. Januar, auch bei ZDFneo in Doppelfolgen läuft. (Bild: ZDF und Mathias Bothor/Nicolas Lekai (CGI)/Serviceplan)

Ruja Ignatova, die sich wohl nach wie vor irgendwo versteckt hält, gilt als größte Betrügerin aller Zeiten. Die Deutsch-Bulgarin gründete die Fake-Kryptowährung OneCoin und floh nach deren Auffliegen mit einem Milliardenbetrag. Nilam Farooq spielt diese schillernde Frau in der Serie „Take the Money and Run“.

Ruja Ignatova (Nilam Farooq) und Jonas Kurth (László Branko Breiding) heiraten. Im Lauf ihrer Karriere wird sich die Krypto-Queen mit verschiedenen Männern einlassen. (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Ruja Ignatova (Nilam Farooq) und Jonas Kurth (László Branko Breiding) heiraten. Im Lauf ihrer Karriere wird sich die Krypto-Queen mit verschiedenen Männern einlassen. (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Viele berühmte Betrugsfälle des 21. Jahrhunderts, von Wirecard bis - wenn man so will - zur Bankenkrise rund um die Lehman Brothers-Pleite wurden bereits für den Film adaptiert. Da ist zum Beispiel der Oscar-prämierte Finanzmarkt-Swindle „The Big Short“ oder die beiden Betrügerinnen-Serien The Dropout (2022) über Elizabeth Holmes und ihr gefälschtes Bluttest-Startup Theranos mit Amanda Seyfried oder „Inventing Anna“ (2022) über Anna Sorokin, die sich als reiche Erbin ausgab und in New York Betrügereien beging. Normalerweise müsste sich mittlerweile auch „Fake!“ mit Kate Winslet über die deutsch-bulgarische Krypto-Betrügerin Ruja Ignatova einreihen. Aus dem 2020 verkündeten Filmprojekt ist jedoch bis heute nichts geworden - warum auch immer. So überließ man nach mehreren Dokus und Doku-Serien über jene Frau, die das FBI als eine der „most wanted women“ der Welt ausweist, das Fiction-Feld vorerst dem ZDF. Die sechsteilige Serie „Take the Money and Run“ mit Nilam Farooq in der Hauptrolle ist ab Montag, 5. Januar, in der Mediathek abrufbar.

Ruja Ignatova (Nilam Farooq), oft als Krypto-Queen bezeichnet, verschwand 2017 spurlos und steht heute auf der Fahndungsliste des FBI. Sie gilt als eine der meistgesuchten Frauen des Planeten. Weltweit investierten Millionen Menschen in OneCoin. Der Gesamtschaden wird auf mehrere Milliarden Euro beziehungsweise Dollar geschätzt.  (Bild: ZDF und Mathias Bothor/Serviceplan)

Ruja Ignatova (Nilam Farooq), oft als Krypto-Queen bezeichnet, verschwand 2017 spurlos und steht heute auf der Fahndungsliste des FBI. Sie gilt als eine der meistgesuchten Frauen des Planeten. Weltweit investierten Millionen Menschen in OneCoin. Der Gesamtschaden wird auf mehrere Milliarden Euro beziehungsweise Dollar geschätzt. (Bild: ZDF und Mathias Bothor/Serviceplan)

Das Drehbuch von Judith Angerbauer und Boris von Sychowski führt die hochbegabte Ruja als Zehnjährige ein. Mit Vater, Mutter und dem kleinen Bruder emigriert sie 1990 von Bulgarien in den Schwarzwald. Der Vater will hier das Versprechen des Kapitalismus einlösen und als Unternehmer reich werden - was jedoch scheitert. Ein Trauma für die hochbegabte Ruja, die ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung erhält und Rechtswissenschaft an der Universität Konstanz studiert. 2005 macht sie dort auch ihren Doktor.

Ruja Ignatova (Nilam Farooq) denkt im Privatjet über ihr Leben nach - oder plant sie bereits ihr Verschwinden? (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Ruja Ignatova (Nilam Farooq) denkt im Privatjet über ihr Leben nach - oder plant sie bereits ihr Verschwinden? (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Ab 2014 will die selbstbewusste Ruja als Unternehmerin durchstarten: OneCoin heißt ihre Kryptowährung, für die es jedoch nicht so läuft, weswegen sie das Unternehmen als getarnten Betrug groß werden lässt. Statt einer echten Blockchain wurden wertlose „Token“ über ein Schneeball- oder Pyramidensystem verkauft, meist verpackt als angebliche Schulungspakete. Als das Fake-Geschäftsmodell aufflog, verschwand Ruja Ignatova 2017 bis heute spurlos - und nahm ein Vermögen in Millardenhöhe mit in den Untergrund.

Fieslingen beim Feiern zusehen

Ruja Ignatova (Nilam Farooq, rechts) und Elva Gunnarsdottir (Tina Balthazar) lernen sich auf einer Veranstaltung in Sofia kennen. (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Ruja Ignatova (Nilam Farooq, rechts) und Elva Gunnarsdottir (Tina Balthazar) lernen sich auf einer Veranstaltung in Sofia kennen. (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Europol-Kommissarin Lieke De Lange (Elisa Beuger) will einen internationalen Haftbefehl gegen Ruja Ignatova ausstellen.
 (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Europol-Kommissarin Lieke De Lange (Elisa Beuger) will einen internationalen Haftbefehl gegen Ruja Ignatova ausstellen. (Bild: ZDF und Oliver Oppitz)

Vielleicht wäre eine zugegebenermaßen hochspekulative Serie über das Verschwinden der Ruja Ignatova und ihr Leben in der Nichtexistenz die spannendere Serie gewesen. Nach dem Motto: Wie schafft man es heutzutage, über viele Jahre als meistgesuchte Frau der Welt im Verborgenen mit Milliarden zu leben - und nicht entdeckt zu werden. Stattdessen hat sich das ZDF, das die Serie auch ab Sonntag, 11. Januar, 20.15 Uhr, wöchentlich in Doppelfolge bei ZDFneo zeigt, für eine konventionelle Erzählung über Aufstieg und Fall einer Frauenfigur entschieden. Hier knallen die Champagner-Korken, werden die armen Leute betrogen und schmierige Allianzen geschmiedet. Alles befeuert vom Ehrgeiz der Hauptfigur, die keine Gefangenen macht, wenn es um Erfolg geht. Warum sie das tut, bleibt unklar.

Auch Nilam Farooq, die dieses irre Leben in Szene zu setzen versucht, wird die Psychologie der maskenhaften Krypto-Queen kaum verstanden haben. Wie auch? Schließlich beruhen die Milliarden-Betrügereien der OneCoin-Gründerin auf Ausbeutung der Ärmsten. OneCoin sollte eine Währung sein, die vorwiegend Menschen ohne Bankzugang und eigenes Konto helfen sollte: Kleinbauern aus Afrika und Asien gehörten zu Ruja Ignatova hoffnungsvollen Kunden. Nun verfolgt man über sechsmal 45 Minuten das Leben jener Frau, die sich den niederträchtigen Betrug ausdachte. Allzu viel Mitgefühl darf sie dabei nicht erwarten, was durchaus ein Problem dieser True Crime-Serie ist. Haupt-Charaktere, mit denen man emotional mitgeht, sucht man weitgehend vergeblich. Wer jedoch schmutzige Tricks und fies feiernde Fieslinge sehen will, kommt beim aufwendig gefilmten ZDF-Projekt auf seine Kosten. (tsch)