Nach dem Tod von König Harald kämpfen Norwegens Royals mit einer emotionalen Social-Media-Offensive um die Zukunft.
Tränen-Strategie?Royals kämpfen nach Tod von König Harald um ihre Zukunft

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Geste des Dankes und Auftakt einer neuen Ära: König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit blicken gemeinsam mit Prinzessin Märtha Louise (links) und Königin Sonja auf das Blumenmeer vor dem Osloer Schloss. Der unangekündigte Auftritt markiert den Beginn einer spürbar nahbareren Kommunikation des norwegischen Hofes nach dem Tod von König Harald V.
Private Einblicke, gefühlvolle Augenblicke und eine Flut von Likes: Seit dem Ableben von König Harald V. explodieren die Zahlen auf den Social-Media-Profilen der norwegischen Königsfamilie, wie die Zeitung „VG“ meldet.
Fachleute sehen darin eine bewusste Strategie zur Modernisierung unter dem neuen Regenten, König Haakon VIII. Es ist auch eine unumgängliche Reaktion auf die massiven Probleme der letzten Zeit.
Zu seinen Lebzeiten war König Harald V. unglaublich populär, fast unantastbar von den Affären, die seine Familie erschütterten. Das Ausmaß der Zuneigung, die die Menschen in Norwegen für ihn empfanden, wurde direkt nach seinem Ableben deutlich.
Volle Kontrolle: Eigene Posts statt TV-Kameras
Die Mitteilung über seinen Tod wurde vom Hof fast sofort auf Instagram geteilt. Dort erhielt der Post innerhalb kürzester Zeit über 674.000 Likes und zog mehr als 70.000 Kommentare nach sich.

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Die norwegischen Royals zeigen ihre Trauer.
Die Expertin für das Königshaus, Tove Taalesen, eine frühere Mitarbeiterin am Schloss in Oslo, lobte diesen neuen Kurs im Gespräch mit „VG“: „Es geht darum, den Kanal zu besitzen, über den man eine Botschaft sendet. So sind sie nicht mehr nur von Sendern wie NRK abhängig, sondern können ihre Kommunikation selbst steuern.“ Der Hof veröffentlicht immer häufiger eigenes Material und handelt im Internet sehr überlegt.

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Der Sarg von König Harald V. wird von Mitgliedern der norwegischen Königsfamilie, König Haakon VIII. (hinten, l-r), Prinz Sverre Magnus, Maud Angelica Behn, (verdeckt), Marius Borg Høiby, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (vorne, l-r) und Haakons Schwester Märtha Louise vom Roten Salon in die Schlosskapelle überführt.
Das fünf Personen starke Kommunikationsteam des Palastes versorgt mehr als 725.000 Follower mit ungewöhnlich privaten Einblicken in die Trauerzeit der Familie. Ein Beispiel dafür war ein spontaner Besuch auf dem Platz vor dem Schloss. Dort legte die königliche Familie Blumen ab und schaute sichtlich bewegt in die versammelte Menschenmenge.
Auch Carl-Erik Grimstad, ein Publizist, der ehemals für die Kommunikation des Hofes zuständig war, erkennt darin deutliche Botschaften. Er sagt: „Was wir jetzt sehen, ist eine vorsichtige Modernisierung und ein Zeichen dafür, dass der neue König seiner Amtsführung eine klare Richtung geben will.“
Nach Skandal-Jahr: Junge Leute und Image-Rettung im Fokus
Hinter der massiven Investition des Hofes in Online-Plattformen stecken klare Motive. Ein wichtiger Punkt ist, die nachfolgende Generation anzusprechen. Während die Älteren noch Fernsehansprachen verfolgen, verlangt die Jugend nach modernen Inhalten im Netz. Diese digitale Wende ist ein kalkulierter Schritt, um junge Menschen für die Monarchie zu begeistern.
Ein weiterer Grund für die Offensive ist die Schadensbegrenzung nach einem extrem schwierigen Jahr. Die Monarchie geriet durch das Strafverfahren gegen Marius Borg Høiby, den Sohn von Mette-Marit, die gesundheitlichen Sorgen um die Kronprinzessin und die öffentliche Aufmerksamkeit für die Epstein-Akten erheblich ins Wanken.
Auf den Social-Media-Kanälen steht jetzt zwangsläufig der Familienzusammenhalt im Mittelpunkt, der vorher so heftig kritisiert wurde. Egal ob es um Sohn Marius oder Mette-Marit geht: Die königliche Familie präsentiert sich betont als ein Team, das diese schwere Zeit zusammen meistert.
Vor allem die Kronprinzessin zeigt dabei authentische, unverstellte Gefühle und lässt die Bevölkerung an ihrem Schmerz teilhaben. Die einstigen Skandal-Protagonisten verwandeln sich online in die Stützen einer Familie in Trauer – menschlich, angreifbar und loyal zur norwegischen Krone.
Und dieser neue Kurs scheint Früchte zu tragen. Eine frische Erhebung des Senders NRK belegt: Mittlerweile befürworten wieder 72 Prozent der Umfrageteilnehmer den Erhalt der Monarchie. Das ist ein Anstieg um acht Prozentpunkte im Vergleich zum Mai. (jag)
