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„Tatort“-Comeback mit Maria FurtwänglerWarum leiden immer mehr Menschen an Demenz?

Im „Tatort: König in Gelb“ bekommt es Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im doppelten Sinne mit Demenz zu tun. (Bild:  NDR/Frizzi Kurkhaus)

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Im „Tatort: König in Gelb“ bekommt es Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im doppelten Sinne mit Demenz zu tun. (Bild: NDR/Frizzi Kurkhaus)

Nach mehr als vier Monaten kehrt der „Tatort“ aus seiner XXL-Sommerpause zurück. Maria Furtwängler bekommt es als Charlotte Lindholm im doppelten Sinne mit Demenz zu tun. Im „Tatort: König in Gelb“ sind sowohl ein möglicher Serienkiller wie auch ihr beurlaubter Ermittlerkollege davon betroffen.

Man glaubt es kaum: Seit dem 10. Mai 2026 gab es keinen neuen „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ mehr. Die lange Fußball-WM und vielleicht auch ein bisschen die Sparbemühungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks könnten schuld sein. Dafür ist das Comeback, „Tatort: König in Gelb“ vom renommierten Autor und Regisseur Alexander Adolph, nun gleich ein Volltreffer.

Charlotte Lindholms (Maria Furtwängler) neuer Fall weist Parallelen zu ungeklärten Serienmord-Fällen auf. (Bild:  NDR/Frizzi Kurkhaus)

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Charlotte Lindholms (Maria Furtwängler) neuer Fall weist Parallelen zu ungeklärten Serienmord-Fällen auf. (Bild: NDR/Frizzi Kurkhaus)

Maria Furtwängler spielt Kommissarin Charlotte Lindholm, die es mit dem großen Vergessen zu tun bekommt. Ihr Verdächtiger könnte ein lange gesuchter Serienmörder sein. Er ist wegen seiner fortgeschrittenen Demenz kaum noch ansprechbar. Doch auch Lindholms Ermittlerkollege, der König seit Jahren auf der Spur ist, leidet unter beginnender Demenz.

Welchen Informationen und Instinkten darf man in diesem Verwirrspiel trauen? Was verbindet Maria Furtwängler privat mit dem Thema Demenz und warum leiden offenbar immer mehr Menschen darunter?

Worum geht es?

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Musikschule König um, die der mittlerweile schwer demente Verdächtige einst gründete. (Bild:  NDR/Frizzi Kurkhaus)

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Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Musikschule König um, die der mittlerweile schwer demente Verdächtige einst gründete. (Bild: NDR/Frizzi Kurkhaus)

Charlotte Lindholm wird ins niedersächsische Kleinhude gerufen: ein sogenanntes Demenzdorf, wo Menschen mit Demenz ein möglichst normales Alltagsleben führen sollen. Eine Bewohnerin ist tödlich gestürzt - ein Unfall. Oder steckt mehr dahinter? Diese Vermutung äußert vor allem ein Kollege Lindholms, Matthias Vogel (Andreas Lust), der seit Jahren einen Serientäter jagt und im dementen Heimbewohner Gustav König (Thomas Thieme) endlich seine Spur gefunden zu haben glaubt.

Hat der prominente Musikpädagoge, der inzwischen nicht mehr spricht, früher ein zweites, dunkles Leben geführt? Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass Vogel selbst an einer beginnenden Demenz erkrankt und deshalb vom Dienst suspendiert ist. Gelingt es ihm, Charlotte Lindholm zu überzeugen, seinen zunehmend brüchigen Erinnerungen zu folgen und dem mutmaßlichen Mörder auf die Spur zu kommen?

Worum geht es wirklich?

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Wohnung - und damit dem Leben - ihres am Demenz erkrankten Kollegen um. Wie verlässlich sind seine „Erkenntnisse“ noch?  (Bild:  NDR/Frizzi Kurkhaus)

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Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Wohnung - und damit dem Leben - ihres am Demenz erkrankten Kollegen um. Wie verlässlich sind seine „Erkenntnisse“ noch? (Bild: NDR/Frizzi Kurkhaus)

„Tatort“-Macher Alexander Adolph, auch Erfinder von „München Mord“, ist einer der klügsten deutschen Filmemacher, wenn es um doppelbödige Krimis geht, in denen es nicht nur um die Frage „Wer war der Täter?“ geht. Hier gelingt ihm beides. Da ist ein spannender Krimi um einen Verdächtigen, der in der Gegenwart wirkt, als könne er keiner Fliege etwas antun. Thomas Thieme spielt diese stumme Rolle eindrucksvoll. Ebenso gut ist der österreichische Charakterdarsteller Andreas Lust als Lindholms Co-Ermittler mit beginnender Demenz.

Dazu macht sich die Kommissarin Sorgen um ihre Mutter, verkörpert von der mittlerweile 88-jährigen Schauspielerin Kathrin Ackermann. Im echten Leben ist sie die tatsächliche Mutter Maria Furtwänglers. Geht es der ruppigen älteren Dame gut? Die Kommissarin hat schon länger nichts mehr von ihr gehört. Im Gesamtpaket denkt „Tatort: König in Gelb“ auf verschiedenste Weise über das große Vergessen nach: Wann ist es eine Gnade, wann ist es Fluch - und wie sollten wir alle mit dem Thema umgehen?

Hat Maria Furtwängler selbst Erfahrungen mit Demenz?

Matthias Vogel (Andreas Lust) versucht, einen Serienmörder-Fall aufzuklären, der ihn schon lange begleitet. Er hat nicht mehr viel Zeit dafür - denn er ist selbst an Demenz erkrankt. (Bild:  NDR/Frizzi Kurkhaus)

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Matthias Vogel (Andreas Lust) versucht, einen Serienmörder-Fall aufzuklären, der ihn schon lange begleitet. Er hat nicht mehr viel Zeit dafür - denn er ist selbst an Demenz erkrankt. (Bild: NDR/Frizzi Kurkhaus)

Im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau zu ihrem neuen „Tatort“ gibt Maria Furtwängler zu, dass auch sie im Familienkreis mit der Krankheit zu tun hatte. Die am Tag der Ausstrahlung 60 Jahre alt werdende Schauspielerin ruft dazu auf, sich mit der chronischen Erkrankung auseinanderzusetzen: „Demenz geht uns alle an: Etwa zwei Millionen Deutsche sind davon betroffen. Tendenz: steigend. Auch mein Vater war an Demenz erkrankt - gegen Ende seines Lebens. Das war eine prägende Erfahrung für mich.“

Gustav König (Thomas Thieme) ist dement - und steht unter Mordverdacht. (Bild:  NDR/Frizzi Kurkhaus)

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Gustav König (Thomas Thieme) ist dement - und steht unter Mordverdacht. (Bild: NDR/Frizzi Kurkhaus)

Maria Furtwängler plädiert für einen verständnisvollen Umgang mit Betroffenen. Dabei weist der Film ihr den Weg: „Charlotte reagiert erst mal genervt bis wütend auf die Aussetzer bei ihrem Kollegen. Sie will ja etwas herausfinden und ist wie viele Hochleistungsmenschen eine ungeduldige Natur. Bis sie lernt, dass man wertschätzend mit dem umgehen sollte, was noch da ist.“ Diese Erfahrung habe sie auch mit ihrem Vater gemacht. „Sich über das zu ärgern, was verloren gegangen ist, finden wir frustrierend, und es macht uns wütend. Mit dem umzugehen, was man noch gemeinsam findet, schafft hingegen eine Verbindung - und es erfüllt uns.“

Warum leiden immer mehr Menschen an Demenz?

Aktuell gibt es vermutlich etwa 1,8 Millionen Deutsche mit Demenz. Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln gehen von einem Anstieg auf bis zu 2,1 Millionen Demenzfälle in Deutschland bis 2060 aus - wobei ländliche, alternde Regionen in Ostdeutschland überproportional betroffen sein sollen. Laut WHO leben weltweit derzeit über 57 Millionen Menschen mit Demenz, jährlich kommen rund zehn Millionen Neuerkrankungen hinzu. Für 2030 werden etwa 78 Millionen, für 2050 rund 139 Millionen Betroffene erwartet.

Der mit Abstand wichtigste, gut belegte Grund für den Demenz-Anstieg ist die demografische Alterung - mehr Menschen erreichen ein höheres Lebensalter, in dem das Demenzrisiko stark steigt. Interessant: Das individuelle Erkrankungsrisiko scheint in westlichen Ländern trotz steigender Fallzahlen nicht zu wachsen. Manche Studien deuten sogar auf sinkende altersspezifische Inzidenzraten hin, bedingt durch bessere Bildung, Herz-Kreislauf-Prävention und Diabetes-Management.

Wie geht es mit dem Furtwängler-“Tatort“ weiter?

Seit etlichen Jahren dreht Maria Furtwängler, die auch als Produzentin und Schauspielerin in anderen Projekten aktiv ist, nur noch einen Charlotte Lindholm-“Tatort“ pro Jahr. Der aktuelle „Tatort: König in Gelb“ entstand erst im Frühjahr 2026. Meldungen über den Dreh des Nachfolge-Falles gibt es bislang noch nicht.

Dafür äußerte sich Maria Furtwängler im aktuellen Interview mit teleschau zur Frage, was sie sich für ihre seit 2002 ermittelnde Figur Charlotte Lindholm noch wünscht. „Ich denke mir manchmal, wenn ich ihr so zuschaue, dass sie doch ein recht einsamer Mensch ist. Daher wünsche ich ihr noch mal eine neue Liebe. Die muss auch nicht gleich wieder problematisch sein, sondern darf sich einfach gut anfühlen.“

Auch dazu, wie lange sie Charlotte Lindholm noch spielen will, äußerte sich die Schauspielerin - mit einer guten Nachricht für ihre Fans: „Charlotte und ich verstehen uns weiterhin sehr gut! Ich verfolge nicht den Plan, auf ihr Ende hinzuarbeiten. Gemeinsam haben wir noch viel zu entdecken und zu erzählen.“ (tsch)

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