Ihre 80er-Kulthits „Eye of the Tiger“ und „Burning Heart“ kennt jeder – doch die Band dahinter ist vergessen. Was wurde aus Survivor?
Zoff, Tragödien, MegahitsSie lieferten „Eye of the Tiger“ – doch hinter den Kulissen krachte es gewaltig

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Die AOR-Band Survivor wurde in Deutschland vor allen Dingen durch ihre Mega-Hits aus den „Rocky“-Filmen bekannt. (Archivbild)

„Eye of the Tiger“ läuft bis heute in Fitnessstudios, Sportarenen und Filmen. Sobald die markanten Gitarrenriffs einsetzen, denken Millionen Menschen an Sylvester Stallone und seine legendäre Rolle als Boxer Rocky Balboa. Auch „Burning Heart“ gehört zu den unvergessenen Rockhymnen der 80er. Doch hinter den beiden Mega-Hits verbirgt sich eine Bandgeschichte voller Streit, gescheiterter Comebacks und tragischer Todesfälle.
Die US-Rockband Survivor wurde 1978 in Chicago gegründet. Gitarrist Frankie Sullivan und Keyboarder Jim Peterik gehörten zu den kreativen Köpfen der Gruppe. Mit ihren ersten beiden Alben erspielte sich die Band einen Geheimtippstatus im Arena oder Adult Oriented Rock (AOR), einem melodischen Rockformat, das damals zunehmend das US-Radio prägte und heute Kultstatus besitzt.
Den ganz großen Durchbruch schafften sie 1982 mit „Eye of the Tiger“. Sylvester Stallone hatte Survivor persönlich ausgewählt, den Titelsong für seinen Film „Rocky III – Das Auge des Tigers“ zu schreiben. Der Song wurde zum Welthit, stand sieben Wochen an der Spitze der US-Charts, gewann einen Grammy und wurde für einen Oscar nominiert. In Deutschland kletterte das Lied auf Platz 13 und erhielt Doppel-Platin.
Ein Sängerwechsel – und der nächste Mega-Hit
Doch der Erfolg hatte eine Schattenseite: Survivor sollte fortan vor allem an diesem einen Song gemessen werden. Eine wichtige Rolle in der Geschichte von Survivor spielte Sänger Dave Bickler. Er sang „Eye of the Tiger“, musste die Band jedoch Anfang der 80er-Jahre wegen Problemen mit seinen Stimmbändern verlassen. Normalerweise bedeutet so etwas das Aus für eine Rockband.
Doch dann kam 1984 Jimi Jamison – ein Sänger mit einer derart kraftvollen, klaren und mühelos hohen Stimme, dass er nicht einfach nur eine Lücke füllte, sondern Survivor auf ein neues Erfolgsniveau hob. 1984 stieg er ein und bewies mit dem AOR-Album-Meilenstein „Vital Signs“, dass die Band auch ohne ihre ursprüngliche Stimme nicht am Ende war. Die Single „The Search Is Over“ wurde in den USA zum Top-Five-Hit, auch „High on You“ schaffte es in die Top Ten.
1985 legte Survivor mit „Burning Heart“ nach. Der Song gehörte zum Soundtrack von „Rocky IV“ und erneut zum internationalen Hit, erreichte in Deutschland die Top 10. Jamison prägte damit endgültig den Sound der Band in ihrer erfolgreichsten Phase.
Doch trotz weiterer Erfolge wie das ebenfalls als AOR-Klassiker gewertete Album „When Seconds Count“ konnte Survivor den gewaltigen Schatten von „Eye of the Tiger“ und „Burning Heart“ nie abschütteln. Und auch innerhalb der Band wurde die Zusammenarbeit zunehmend schwieriger.
Plötzlich gab es zwei Survivor
Ende der 80er-Jahre geriet die Band endgültig in eine Krise. Das Album „Too Hot to Sleep“ blieb hinter den Erwartungen zurück, Survivor legte eine längere Pause ein. Jimi Jamison konzentrierte sich auf seine Solokarriere, während sich die Wege der Musiker trennten. Er sang und schrieb Anfang der 1990er-Jahre am „Baywatch“-Titelsong „I'm Always Here“ mit.
Als Survivor danach wieder aktiv wurde, eskalierte der Streit um den Namen. Jim Peterik und Frankie Sullivan machten mit Dave Bickler weiter, der seine Stimmbandprobleme inzwischen überwunden hatte. Jamison tourte derweil mit einer eigenen Formation unter der Bezeichnung „Jimi Jamison's Survivor“.
Damit war der Konflikt um die Marke Survivor eröffnet. Peterik und Sullivan gingen juristisch gegen ihren früheren Bandkollegen vor. Die Auseinandersetzung zog sich über Jahre hin und erschwerte der Gruppe auch die Suche nach einem neuen Plattenvertrag. 1999 endete der jahrelange Streit um die Namensrechte mit einer Entscheidung zugunsten von Sullivan.
Die Ironie der Geschichte: Eine Band, deren größter Hit vom Kampfgeist handelt, drohte an den Konflikten ihrer eigenen Mitglieder zu zerbrechen.
Der nächste Bruch: Der Mitgründer steigt aus
Auch zwischen den beiden kreativen Köpfen der Band stimmte es irgendwann nicht mehr. Jim Peterik, der Survivor mitgegründet hatte und gemeinsam mit Sullivan maßgeblich für den Erfolg verantwortlich war, verließ die Gruppe 1996.
Peterik sprach später in Interviews offen über die Spannungen. In einem Gespräch mit dem Musikportal „No Echo“ schilderte er, wie sehr die Konflikte mit Sullivan sein Leben und sogar seine Ehe belastet hätten. Er habe sich innerhalb der Band nicht ausreichend behaupten können. 1996 zog er schließlich einen Schlussstrich.
Damit verlor Survivor einen seiner wichtigsten Songwriter. Die Band machte zwar weiter, doch die ursprüngliche kreative Partnerschaft war Geschichte.
Todesdrama um Jimi Jamison
Der wohl tragischste Einschnitt folgte 2014. Jimi Jamison starb am 31. August im Alter von nur 63 Jahren in seinem Haus in Memphis. Als Todesursache wurde ein Herzinfarkt gemeldet.

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Standen 2013 noch zusammen auf der Bühne: Die beiden Leadsänger Dave Bickler und Jimi Jamison von Survivor. (Archivbild)
Besonders bitter: Nach Jahren mit wechselnden Besetzungen war Jamison wieder zu Survivor zurückgekehrt und stand erneut mit der Band auf der Bühne. Am 30. August 2014 gab er mit seinen Bandkollegen noch ein Konzert in Kalifornien. Nur wenige Stunden später war er tot.
Auch Bassist Stephan Ellis, der in der klassischen Besetzung von Survivor gespielt hatte, starb 2019. Die Band verlor damit einen weiteren Musiker aus ihrer erfolgreichsten Phase.
Was wurde aus Survivor?
Die Geschichte der Band war damit noch nicht ganz zu Ende. Survivor trat auch nach Jamisons Tod weiterhin auf. Doch die Besetzung wechselte über die Jahre mehrfach, und die Gruppe war längst nicht mehr jene Formation, die in den 80er-Jahren die Charts erobert hatte.
Wie weit die Entfremdung zwischen den früheren Weggefährten reicht, zeigte sich noch 2025: Frankie Sullivan reichte eine Klage gegen Jim Peterik ein. Der Vorwurf lautete, Peterik habe den Bandnamen unberechtigt verwendet. Der Streit um Survivor war also Jahrzehnte nach dem ersten großen Erfolg noch immer nicht vollständig aus der Welt.
Und heute? Neue Konzerttermine sind derzeit nicht angekündigt. Eine offizielle Auflösung gab es allerdings nie. Das Konzertarchiv „Setlist“ verzeichnet Auftritte aus den Jahren 2019 und 2020 sowie einen bislang letzten Gig im Oktober 2023.
Im März 2024 äußerte sich Frankie Sullivan im YouTube-Interview auf dem Kanal „VRP Rocks“ (im Gespräch mit Paul Stephenson) zu einem möglichen Comeback mit Songwriting-Partner Jim Peterik: Ein geschlossenes Buch sei das Thema für ihn nie, endgültig vorbei sei es wohl erst, wenn man sie begrabe, auch wenn sie derzeit kaum miteinander sprächen. Konkrete Pläne für eine gemeinsame Rückkehr auf die Bühne gibt es somit bislang nicht.
So bleibt von Survivor vor allem ein musikalisches Vermächtnis, das größer ist als die Band selbst. „Eye of the Tiger“ und „Burning Heart“ laufen weiter – während sich die Geschichte ihrer Schöpfer in Streit, Abschieden und tragischen Verlusten verhedderte.
Der vielleicht bitterste Kontrast: Der Song, der von Durchhaltewillen und dem Kampf um den Sieg handelt, wurde zum Welterfolg. Die Band dahinter konnte ihre eigene Erfolgsgeschichte dagegen nie dauerhaft zusammenhalten.
