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Himmlischer SiegeszugHalleluja! Wie diese Nonnen auf die Barrikaden gingen

Rombesuch der drei Nonnen aus Goldenstein

Copyright: Quirin Leppert

Die heimliche Pilgerreise der Nonnen aus Goldenstein nach Rom, von Spenden finanziert, sorgte im Mai für viel Aufsehen.

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Was wurde aus den Ordensfrauen, die ihr Kloster besetzten, um dem Altenheim zu „entkommen“? Wir waren auf Spurensuche.

Die brüchigen, alten Stimmen der drei Ordensschwestern Bernadette (88), Regina (86) und Rita (82) im Podcast „Die Dunkelkammer“ gehen unter die Haut. Die Augustiner-Nonnen, die – teils nur im Nachthemd – bei Nacht- und Nebelaktionen in ein Altenheim verfrachtet wurden, kämpften in den vergangenen zehn Monaten mit allen Mitteln für den Verbleib im Kloster Goldenstein, in das sie eigenmächtig zurückkehrten. Sie werden weltweit zu Medienstars, selbst die „New York Times“ berichtet. Jetzt erscheint das Buch „Nicht mit uns“ (Kösel, 18 Euro) über die Klosterfrauen. Aber haben sie ihr Ziel eigentlich erreicht?

Vor wenigen Wochen haben sich die Ordensfrauen, die 2025 als erste Hausbesetzerinnen des 1597 gegründeten Ordens in die Geschichte der Augustinerinnen eingingen, sogar auf den Weg nach Rom gemacht, um Papst Leo XIV. zu sehen. Zwei Meter von ihnen entfernt rollt das Kirchenoberhaupt im Papamobil vorbei. Schwester Bernadette zückt das rote Handy, Rita legt vor Freude eine Tanzeinlage auf dem Petersplatz hin. Es ist für die drei der persönliche, krönende Abschluss eines Siegeszuges am Ende eines arbeitsreichen Lebens im Dienste der Kirche. Noch einmal zeigen sie allen, dass die Würde kein Alter kennt und dass auch Frauen sich in der männerdominierten Kirchenwelt nicht unterkriegen lassen.

True Crime in der Kirche!

Immer an ihrer Seite: Investigativ-Journalistin Edith Meinhart aus Österreich. Sie war die Erste, die über die unglaubliche Geschichte der Nonnen berichtete. „Ein kirchlicher Skandal, aber auch ein modernes Märchen, David gegen Goliath“, sagt die „Nicht mit uns“-Autorin in unserem Gespräch. Ora et labora – bete und arbeite: Die tiefgläubigen Frauen, die noch vor ihrem 20. Lebensjahr gelobt hatten, keusch, arm und gehorsam zu leben, die sich der Mädchenerziehung widmeten, haben der Journalistin detailliert aufgezeigt, wie sie hintergangen wurden. True Crime in der Kirche!

Am 3. Dezember wird Schwester Bernadette, die sich wegen einer offenen Blessur am Bein in einer Klinik behandeln ließ, nicht etwa ins Kloster zurückgefahren, sondern in die Seniorenresidenz Kahlsperg – sie hat nur Nachthemd, Rollator und Ordenshabit bei sich, nicht mal eine Zahnbürste. Schwester Regina ergeht es genauso. Nach einem Kurzaufenthalt im Landeskrankenhaus wird sie ebenfalls im Nachthemd ins Heim gebracht, Schwester Rita wird gar nachts um zwölf aus dem Bett geholt.

Generalaudienz beim Papst

Copyright: Quirin Leppert

Schwester Bernadette hält die öffentliche Papstaudienz nicht nur mit dem Handy (in kardinalrot!) fest, sondern gibt auch Interviews. Die drei Nonnen sind Medienstars.

Die ehemalige Schülerin Christina Wirtenberger besucht die drei verzagten Nonnen, die sich daran klammern: „Wir sind hier nur in Kurzzeitpflege.“ Von wegen! Da leben und leiden sie vor sich hin, bekommen anfangs zusammen gerade mal 150 Euro Taschengeld, Propst Markus Grasl lässt sogar ihre Konten sperren, die Autos verkaufen. Schnell wird ihnen klar, dass sie einen Anwalt brauchen – denn der Verbleib von knapp einer halben Million Euro (Pension und Erbe) bleibt unklar. Die Ordensfrauen geben nicht auf. „Hier sterbe ich sicher nicht“, wiederholt Schwester Bernadette täglich wie ein Mantra.

Der Geheimplan Klosterbesetzung wird am 4. September 2025 mit Helferinnen und Helfern, Möbelwagen, Schlüsseldienst und Elektriker in die Tat umgesetzt. Die Tür wird aufgebrochen. Doch die Begeisterung weicht Entsetzen. Alles sieht verkommen aus, Schränke, Schreibtische und Kommoden sind leer geräumt, selbst das Säckchen mit Schwester Ritas dritten Zähnen liegt nicht mehr am Platz. „Ordensschwestern besetzen Kloster in Elsbethen“, vermeldet die ORF-Sendung „Salzburg heute“ am selben Abend. Eine Lawine der Hilfsbereitschaft rollt an. Kinder kommen mit Pralinen, ein Installateur baut neue Toiletten ein, die örtliche Blumenhändlerin steuert die Gestecke für die Kapelle bei, ein Hesse erneuert den Treppenlift, aus Australien erreicht sie ein Paket mit rutschfesten Socken. „For the nuns of the run“. Und schließlich gelingt es Rechtsanwalt Reinhard Bruzek (82) sogar, dass die Pensionen wieder an die Nonnen überwiesen werden. Ja, so haben sie sich den Ausklang ihres Lebens vorgestellt.

Drei Nonnen sitzen in einem Bus.

Copyright: Quirin Leppert

Das Alter fordert seinen Tribut: die drei Klosterfrauen todmüde nach der Generalaudienz in Rom. Wie gut, dass man im Bus ruhen kann!

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein dreister Influencer drückt der ahnungslosen Schwester Rita eine Wasserflasche in die Hand und missbraucht sie im Video als Werbeträger für ein Start-up, ein anderer wirbt mit „gesegneten Rosenkränzen aus Goldenstein“, Schwester Rita wird – KI-generiert – mit Boxhandschuhen gezeigt. Im Dezember sagen sich die Ordensfrauen vom Instagram-Kanal los. Dann ist von Unregelmäßigkeiten bei Spendengeldern die Rede, ihre Schülerin und engste Helferin wird – zu Unrecht – beschuldigt.

Wie geht es weiter? Am 29. Januar wird den Chorfrauen ein päpstliches Dekret zugestellt, „um die Causa Goldenstein geräuschlos beizulegen, ohne dass jemand das Gesicht verliert“, vermutet Edith Meinhart. Die Nonnen kann jedenfalls niemand mehr vertreiben – zumindest nicht mit rechtlichen Mitteln. Eine 24-Stundenpflege – immer noch günstiger als das Heim – kümmert sich jetzt um sie. Schwester Bernadette fasst die unfassbare Geschichte im Buch so zusammen: „Wir sind in Gottes Hand. (...) Er hat uns ins Kloster geführt, er hat uns dieses dreiviertel Jahr im Altenheim als Buße aufgetragen – doch wir haben gewusst, wir kommen wieder zurück.“

Nächster Nonnenfall in Neuss?!

Auch das Benediktinerinnen-Kloster Kreitz in Neuss-Holzheim (existiert seit 1899) steht vor dem Aus. Der Gemeinschaft gehörten nur noch fünf Ordensfrauen an, zwei davon leben schon im Pflegeheim. Die übrigen sollen jetzt in andere Klöster umgesiedelt werden.

Der vom Vatikan ernannte Apostolische Kommissar Dr. Peter Fabritz zeigt sich optimistisch, dass es keinen zweiten Goldenstein-Fall geben werde. Es sehe so aus, als seien die Schwestern bereit, umzuziehen, sagte er Ende April dem Domradio. Was aus dem Klosterkomplex an der A46 wird, ist derzeit noch offen. „Ich hoffe, dass sensibler mit den Nonnen verfahren wird“, sagt Edith Meinhart. Nicht zuletzt habe sie auch deswegen das Buch geschrieben.

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