In Deutschland ist es ruhig um 80er-Ikone Pat Benatar geworden. In den USA steht sie immer noch auf den großen Bühnen. Das macht sie heute.
„Love Is a Battlefield“Sie war DIE Rock-Röhre der 80er – heute kennt sie fast keiner mehr

Copyright: IMAGO/Avalon.red
Pat Benatar stieg in den frühen 1980er-Jahren mit Hits wie „Heartbreaker“, „Hit Me with Your Best Shot“ und „Love Is a Battlefield“ zum Superstar auf. (Archivbild)

Aktualisiert:
In den 1980er-Jahren gehörte sie zu den prägenden Stimmen der Rockmusik. Mit markanter Röhre, Lederjacke und Hymnen wie „Love Is a Battlefield“ prägte Pat Benatar die frühe Ära des Musiksenders MTV. Während es hierzulande im regulären Pop-Geschehen ruhiger um die New Yorkerin geworden ist, führt die vierfache Grammy-Gewinnerin in ihrer US-Heimat weiterhin eine beachtliche musikalische und öffentliche Karriere – Seite an Seite mit ihrem Ehemann und musikalischen Partner Neil Giraldo.
Zur Ruhe gesetzt hat sich Pat Benatar keineswegs. Zusammen mit Neil Giraldo steht sie weiterhin regelmäßig auf großen Bühnen. Nach einer eigenen US-Tournee trat das Duo unter anderem als Co-Headliner und Special Guest auf der Nordamerika-Tour „Roll with the Punches“ von Bryan Adams auf, wobei den Fans vor allem auffällt, dass die 73-Jährige mittlerweile eine lange weiße Haarpracht trägt.
Pat Benatar steht immer noch auf der Bühne
Ihre veränderte Optik passt zu ihrer entspannten Haltung zum Älterwerden, die sie bereits in ihrer Autobiografie „Between a Heart and a Rock Place: A Memoir“ festhielt: Sie strebe kein perfektes Gesicht an, sondern wolle selbstbewusst zeigen, welches Leben hinter ihr liegt.

Copyright: IMAGO/Avalon.red
Pat Benatar steht immer noch auf der Bühne, so wie hier im September 2026 bei einem Benefiz-Konzert. (Archivbild)
Und was für ein bewegtes Leben hinter ihr liegt, wurde spätestens im November 2022 klar: Pat Benatar und Neil Giraldo wurden offiziell in die legendäre „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen – eine Ehrung, auf die Fans jahrzehntelang gewartet hatten und die ihren Status als Pionierin für Frauen im Hardrock endgültig untermauerte.
Kulthit gestrichen – Missbrauchs-Hymne bleibt
Auf der Bühne setzt das Duo vor allem auf ein Best-of-Programm mit Titeln wie „Love Is A Battlefield“, „We Belong“, „Heartbreaker“ oder „Invincible“. Ein einstiger Paradetitel fehlt jedoch seit einigen Jahren im Set: Den Kulthit „Hit Me With Your Best Shot“ strich Benatar 2022 bewusst aus dem Programm. Aus Respekt vor den Opfern von Amokläufen und Schusswaffengewalt in den USA entschied sie sich, den Titel mit seiner schusswaffenbezogenen Metaphorik live nicht mehr darzubieten.
Ein anderes, emotional extrem forderndes Stück ist dagegen weiterhin ein unumstößlicher Fixpunkt ihrer Konzerte: „Hell Is for Children“. Benatar singt diese düstere Rock-Hymne gegen Kindesmissbrauch auch heute noch mit voller Überzeugung. Für die Sängerin ist der Song kein Relikt der Achtziger, sondern ein zeitloses Mahnmal, das sie ihrem Publikum Abend für Abend mit kompromissloser Intensität entgegenschleudert.
Literarischer Ausflug: Rockstars als Großeltern
Abseits der Konzertbühnen widmete sich das Paar zuletzt einem gänzlich unerwarteten Genre: der Kinderliteratur. Mit dem Bilderbuch „My Grandma and Grandpa Rock!“ verarbeiteten Benatar und Giraldo ihre familiäre Rolle als Großeltern.

Copyright: IMAGO/ZUMA Press
Pat Benatar und Neil Giraldo wurden offiziell in die legendäre „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen. (Archivbild)
Das Buch entstand inspiriert durch Fragen ihrer ältesten Enkeltochter Stevie, die wissen wollte, wie das Leben der beiden auf Tour aussah. Das Werk erzählt kindgerecht davon, wie Großeltern ihr Berufs- und Musikerleben mit familiärer Fürsorge verbinden.
Warum sie in Europa scheinbar vergessen wurde
Während Pat Benatar in den USA nach wie vor Hallen füllt und in TV-Formaten präsent ist, gilt sie in Deutschland und weiten Teilen Europas fast ausschließlich als 80er-Jahre-Kultfigur. Die Gründe für diese Entfremdung liegen vor allem in ihrer Tour-Historie.
Die letzte umfassende Europatournee des Duos fand bereits 1983 im Rahmen der „Get Nervous World Tour“ statt. 1980 und 1981 besuchten sie Köln, traten in den Sartory-Sälen bzw. der Sporthalle auf. In den folgenden vier Jahrzehnten blieben Konzerte auf dem europäischen Kontinent absolute Ausnahmen.

Copyright: IMAGO/ZUMA Wire
Pat Benatar hat insgesamt vier Grammy Awards gewonnen. (Archivbild)
Hinzu kommt die Diskrepanz beim Musikkonsum: Während Benatar in Nordamerika mehrere Multi-Platin-Alben in Serie verbuchen konnte, blieb sie in Europa primär ein Radio-Phänomen für einzelne Hitsingles. Da die Bindung durch Live-Konzerte über Generationen hinweg abriss, laufen Klassiker wie „Love Is a Battlefield“ zwar im deutschen Classic-Rock- und Oldie-Radio noch fast täglich, das aktuelle Schaffen der Künstlerin wird hierzulande jedoch fast nur noch von einer treuen Kern-Fangemeinde verfolgt.
Pat Benatar privat: Seit Jahrzehnten mit Neil Giraldo glücklich
Privat sind Pat Benatar und Neil Giraldo seit 1982 verheiratet – eine Seltenheit im oft kurzlebigen Rock-Business. Das Paar hat zwei erwachsene Töchter, die ebenfalls in der US-Öffentlichkeit stehen.
Die 1985 geborene Haley Giraldo Williams arbeitete als Model und Influencerin, war in den frühen 2000er-Jahren Teil der Pop-Formation Glo und machte Benatar und Giraldo zur dreifachen Großmutter.
Ihre jüngere Schwester Hana Juliana Giraldo kam 1994 zur Welt. Sie ist als Comedienne, Musikerin und Webvideoproduzentin mit mehreren Millionen Social-Media-Followern aktiv und entwirft zudem Merchandising-Artikel für die Touren ihrer Mutter.
Pat Benatar zeigt sich heute als Künstlerin, die ihren Rockstar-Status nicht leugnet, ihn jedoch mit Gelassenheit, Familienleben und klarer Haltung in die Gegenwart überführt hat.

