Gerhard Wendland war in den 50ern & 60ern ein Superstar („Tanz mit mir in den Morgen“). Wer erinnert sich noch an den Schlagerstar?
Schlagerstar mit SamtstimmeVor 30 Jahren starb diese Legende – und geriet in Vergessenheit

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Ein Prost auf einen großen Schlagerstar der 50er- und 60er-Jahre: Gerhard Wendland wurde unter anderem mit dem Evergreen „Tanz mit mir in den Morgen” berühmt (Archivbild).

Es gibt Melodien, die das kollektive Gedächtnis eines ganzen Landes prägen. Jene Zeilen, die sofort einen bittersüßen Nostalgie-Effekt auslösen. „Tanze mit mir in den Morgen, tanze mit mir in das Glück...“ – fast jeder in einem gewissen Alter hat bei diesen Worten sofort den unverkennbaren, wiegenden Tango-Rhythmus im Ohr.
Es war der Soundtrack des deutschen Wirtschaftswunders. Doch während das Lied unsterblich wurde, ist sein Sänger heute fast vollständig aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden.
Gerhard Wendland: Der Gentleman im Smoking
Vor genau drei Jahrzehnten, am 21. Juni 1996, verstarb Gerhard Wendland im Alter von 80 Jahren in einer Münchner Klinik. Seine Beerdigung fand ohne großen Medienrummel auf einem kleinen Friedhof in München-Riem statt.
Ein stiller, fast anonymer Abschied von einem Mann, der einst ein absoluter Gigant der Unterhaltungsmusik war. „Er wollte mit seinen Liedern Freude machen“, schrieb die „Welt“ damals in einem Nachruf.
In den 1950er und 60er Jahren war Wendland das, was Andy Williams oder Johnny Mathis für die USA war: Der unangefochtene „Gentleman“ der Bühne. Stets adrett im maßgeschneiderten Smoking, ausgestattet mit einem tiefen, warmen Bariton, zählte er zu den großen „Croonern“ seiner Zeit.
Wendland war ein klassisch ausgebildeter Opernsänger, dessen kraftvoller Bariton über ein enormes Volumen verfügte. Seine Stimme war geprägt von tragfähiger Stimmgewalt, verbunden mit einem samtig-weichen Timbre, das ihn zu einem echten Superstar der deutschen Unterhaltungsmusik machte.

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Schlagerstars unter sich: Gerhard Wendland (r) neben Heidi Brühl. (Archivbild)
Sein Meisterwerk gelang ihm im Sommer 1961. Mit „Tanze mit mir in den Morgen“ landete Wendland nicht nur einen Hit, sondern einen historischen Rekordbrecher.
Anfang 1962 thronte der Song wochenlang auf Platz eins der deutschen Charts und wurde zum „Hit des Jahres“. Mehr als eine Million Mal verkaufte sich die Single – eine damals astronomische Zahl.
Während die Beatles und die Rolling Stones in den 1960er-Jahren die internationale Popmusik revolutionierten, gehörte Wendlands mit weiteren großen Romantik-Hits wie „Schau mir noch mal in die Augen“, „Schläfst du schon?“ oder „Mach die Augen zu“ zu den großen Schlagerstars des Landes. Kein Wunder also, dass er auch in der ersten „ZDF-Hitparade“ (1969) zu sehen und zu hören war.
Daneben nahm er eine Reihe von hörenswerten Alben wie „Ich sende dir Rosen“ oder „Love, so heißt mein Song“ auf, auf denen er neben Schlagern von Kurt Feltz und Kurt Hertha auch internationale Balladen von Burt Bacharach, Bert Kaempfert, Maurice Jarre, Jerome Kern und Oscar Hammerstein II. interpretierte, die ihn stimmlich forderten.
Er sang auch deutsche Versionen von Frank Sinatra („Drei Münzen im Brunnen“, „Fremde in der Nacht“) oder Nat King Cole („L-i-e-b-e“). Dabei zeigte sich, dass er vor allem dann seine Stärke entfalten konnte, wenn ihm entsprechend hochwertiges Material zur Verfügung stand.
Das stille Ende einer Legende
Doch die Zeit heilt bekanntlich nicht nur Wunden, sie verändert auch den Geschmack. Mit dem Aufkommen von Beat und modernem Pop in den 1960er-Jahren wurde es zunehmend ruhiger um den Sänger. Die Plattenverkäufe brachen ein, das große Rampenlicht zog weiter.
Wendland wich für Tourneen oft in die DDR aus, wo das begeisterte Publikum seine klassische Eleganz noch länger schätzte. 1978 lobte er gegenüber dem „Spiegel“ die dortigen Begleitmusiker und hob insbesondere deren Präzision und Einsatzwillen hervor.

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Gerhard Wendland trat noch in den 1980er-Jahren im Fernsehen auf. (Archivbild)
Später zog er sich privat in sein Haus im Münchner Umland zurück, trat aber beispielsweise noch gelegentlich in der Sendung „Melodien für Millionen“ von Dieter Thomas Heck auf. Nach privaten Schicksalsschlägen – darunter der frühe Krebstod seiner ersten Frau Josefine im Jahr 1976 – lebte er mit seiner zweiten Ehefrau Katharina bis zu seinem Tod im Jahr 1996 sehr zurückgezogen.
30 Jahre nach seinem Tod ist es an der Zeit, den Staub von den alten Schallplatten zu wischen. Gerhard Wendland war nämlich weit mehr als nur eine Fußnote der Musikgeschichte. Er war der Prototyp des romantischen Schlager-Kavaliers. Wer heute seine alten Aufnahmen hört, merkt schnell: Diese samtige Stimme hat auch nach all den Jahrzehnten nichts von ihrem Zauber verloren.
