Vicky Leandros sang 1967 zum ersten Mal beim Eurovision Song Contest - in Wien! Um dies zu feiern, durfte sie im Halbfinale noch einmal auftreten.
Vicky Leandros strahltSchlagerikone rettet mit Hammer-Auftritt den ESC

Copyright: Helmut Fohringer/APA/dpa
Vicky Leandros am 11. Mai anlässlich einer Generalprobe für das 1. Halbfinale im Rahmen des Eurovision Song Contest (ESC) in der Stadthalle in Wien.

Aktualisiert:
Es war der Moment, auf den ein großer Teil Europas gewartet hatte: In einer Zeit, in der der Eurovision Song Contest oft mehr über Schlagzeilen als über Musik definiert wird, kehrte gestern Abend eine wahre Legende ins Rampenlicht zurück. Mit ihrem rund einminütigen Auftritt bewies Vicky Leandros eindrucksvoll, dass wahre Klasse zeitlos ist.
1967 begann ihre Weltkarriere beim ESC
Schon beim Betreten der Wiener Stadthalle war das Knistern in der Luft förmlich greifbar. Als um Punkt 21.00 Uhr das Licht im Saal erlosch, begann eine Eröffnungszeremonie, die zwar nicht unbedingt als eine der spektakulärsten in die Geschichte des Wettbewerbs eingehen wird, aber den Boden für eine ganz besondere Rettung bereitete.
Mit Vicky Leandros trat eine Ikone ins Rampenlicht, die bereits 1967 und 1972 auf der ESC-Bühne glänzte. Mit der Wahl ihres Klassikers „L’amour est bleu“ schloss sich ein Kreis, der genau hier in Wien vor fast sechs Jahrzehnten seinen Anfang nahm. In einer modernen, orchestralen Fassung präsentierte die 73-Jährige ihren Welthit mit einer stimmlichen Intensität, die unter die Haut ging.
Unterstützt wurde sie dabei von einem gewaltigen Ensemble aus 70 Sängerinnen und Sängern – ein symbolträchtiger Chor, bei dem jede Stimme für ein Jahr der ESC-Historie stand. Am Ende ihrer Darbietung glühte die Sängerin förmlich vor Glück, noch einmal vor einem so großen Publikum zu stehen, das sie mit frenetischem Jubel feierte.
Emotionaler Auftritt in Gold
Eingebettet war die Inszenierung in den bewegenden Kurzfilm „Life of Toni“, der die Lebensgeschichte eines jungen queeren Fans erzählt. Als der Film endete und Leandros live auf der Bühne – begleitet von Toni am Klavier – die ersten Töne anstimmte, löste dies umgehend stehende Ovationen aus. Es markierte das erste große Highlight eines ereignisreichen Abends, der im Vorfeld durch politische Spannungen und Boykottaufrufe wegen der Teilnahme Israels überschattet worden war.

Copyright: Jens Büttner/dpa
Vicky Leandros steht beim ersten Halbfinale des 70. Eurovision Song Contest (ESC) auf der Bühne der Stadthalle in Wien.
Abseits der Bühne präsentierte sich die Ikone gewohnt kämpferisch und versöhnlich zugleich. In einem Statement kurz vor ihrem Auftritt bezog Leandros klar Stellung gegen jede Form der Spaltung innerhalb der ESC-Familie. Gegenüber „BILD“ betonte sie, dass Israel für sie „aus dem Wettbewerb nicht wegzudenken“ sei. „Beim ESC geht es um Musik, um die beste Komposition und die beste Interpretation“, erklärte sie weiter.
Der ESC sei für sie „ein musikalisches Weltereignis“, das Menschen, Länder und Kulturen zusammenbringe. Ihr Appell lautet daher: „Musik sollte eine Brücke sein und kein weiteres Feld zur Austragung politischer Konflikte“.
Große Erfolge beim Eurovision Song Contest
Leandros blickt auf eine ESC-Karriere voller Kontraste zurück: Ihren ersten großen Auftritt hatte sie 1967 in Wien, wo sie mit „L’amour est bleu“ den vierten Platz belegte. Das Chanson entwickelte sich anschließend zum Welthit und wurde unzählige Male gecovert; in der Instrumentalversion von Paul Mauriat erreichte es sogar die Spitze der US-Charts.
Nur fünf Jahre später folgte der absolute Höhepunkt ihrer Karriere, als sie 1972 mit „Après toi“ für Luxemburg den Sieg nach Hause holte. In der Folge war sie von Japan bis Kanada weltweit erfolgreich und veröffentlichte dutzende Alben in mehreren Sprachen.
Doch auch Rückschläge gehören zu ihrer ESC-Geschichte, wie die Teilnahme am deutschen Vorentscheid 2006, bei dem sie mit dem Titel „Don’t Break My Heart“ überraschend scheiterte und sich der Band Texas Lightning geschlagen geben musste.
Doch davon war am gestrigen Abend nichts zu spüren. Ein Weltstar wurde gefeiert – und sie strahlte in einem ganz besonderen Look: In der Wiener Stadthalle präsentierte sich Leandros in einer traumhaften, mit goldenen Pailletten besetzten Robe der britischen Designerin Jenny Packham, die auch Prinzessin Kate zu ihren Kundinnen zählt. Die Sängerin verriet gegenüber „BILD“, dass sie sich sofort in das Kleid verliebt habe, da es wie für sie gemacht sei.

