Er hat mit seinen Schlagerkonzerten beste Laune verbreitet. Im kommenden Jahr ist damit Schluss. Dieter Thomas Kuhn im großen EXPRESS.de-Interview.
Dieter Thomas Kuhn hört aufDie Schlagerbranche mag uns – bis auf Reinhard Mey

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So kennen die Fans die „singende Föhnwelle“ Dieter Thomas Kuhn. Nach 35 Jahren endet das Schlager-Projekt im kommenden Jahr.

Sonnenblumen, Schlaghosen, Föhnwellen, Brusthaartoupets. Wenn sich der Tübinger Musiker Thomas Kuhn (61) in Dieter Thomas Kuhn verwandelt, dann gibt es die volle Ladung Lebensfreude und Schlagerspaß pur.
Seit 35 Jahren feiert der Sänger mit seiner Band, von ihm immer nur „Kapelle“ genannt, ein wildes Schlagerrevival bei ausgelassenen Konzerten. Wie aus einem anfänglichen Spaß unter Freunden ein deutschlandweites Kultphänomen geworden ist, das zeichnet der Film „Und es war Sommer“ nach, der am 17. September 2026 in die Kinos kommt.
Dieter Thomas Kuhn: Film „Und es war Sommer“ beschreibt Phänomen
Mit Archivmaterial sowie mitreißenden Live-Aufnahmen wird ein Blick hinter die Kulissen der großen Sommerpartys möglich. Bei den Dreharbeiten kam jedoch noch eine dramatische Note hinzu. Gitarrist Philipp Feldtkeller alias Howie F., der engste Freund von Thomas Kuhn und Miterfinder des Projekts DTK, erfuhr, dass er eine Krebserkrankung hat.
Zwischen Soundchecks, Backstage-Momenten, Schlagermedleys und Ramazzotti-Orgien widmet sich die Dokumentation daher auch sehr der Freundschaft der beiden Musiker und dem schwierigen Spagat zwischen Realität und Konzert-Frohsinn. EXPRESS.de sprach mit Dieter Thomas Kuhn.
Was hat Sie bewogen, einen Film über Ihre Karriere zu machen?
Dieter Thomas Kuhn: Das war nicht unsere Entscheidung. Wir haben das nicht forciert. Ich sage mal, diese Eitelkeit habe ich nicht, dass ich eine Doku über mich hätte machen wollen. Ich habe mich einfach nur als Musiker gesehen. Wir haben eine gewisse Popularität, die uns vollkommen ausreicht. Aber die Filmproduktionsfirma „Bewegte Bilder“, die unbedingt mal über das Phänomen DTK einen Film machen wollte, hat da nicht locker gelassen.

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Dieter Thomas Kuhn zelebriert bei seinen Konzerten bekannte Schlagerhits. Für das Publikum sind die Shows eine willkommene Flucht aus dem Alltag.
Wie lief die Zusammenarbeit mit Regisseurin Juliane Sauter?
Dieter Thomas Kuhn: Juliane ist 30 Jahre jünger als ich. Das muss man so sagen. Und sie kannte uns natürlich nicht. Aber dann haben wir mal ein wenig gequatscht und sie hat uns sympathisch gefunden. Dann wurde es konkret. Sie hat uns mit ihrem Team auf fast allen 15 Konzerten der Tour begleitet und war immer an unserer Seite. Eines Tages haben wir das schon gar nicht mehr registriert.
Waren die Dreharbeiten auch für Sie eine Zeitreise?
Dieter Thomas Kuhn: Wir haben jede Menge altes Material gesichtet, das wir seit 20, 30 Jahren nicht mehr gesehen hatten. Da waren Situationen und Interviews dabei, die ich gar nicht mehr auf dem Zettel hatte. Durch die Gespräche mit Juliane war plötzlich alles wieder präsent, was da in 35 Jahren abgelaufen war.

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Thomas Kuhn erfuhr Anfang 2024, dass bei seinem Freund Philipp Feldtkeller (l.) eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde.
Die Dokumentation hat während der Dreharbeiten durch Philipps Diagnose einen neuen Fokus bekommen.
Dieter Thomas Kuhn: Es gab keine körperliche Beeinträchtigung, aber natürlich gab es einen psychischen Einbruch bei ihm. Ich habe Philipp gefragt, ob wir nicht alles abbrechen sollen – Tour und Doku. Es war auch allein seine Entscheidung, ob das Thema im Film thematisiert werden sollte oder nicht.
Wie war es möglich, abends auf der Bühne gute Schlagerlaune zu verbreiten, obwohl alle von der Erkrankung wussten?
Dieter Thomas Kuhn: Das geht schon. Auch Philipp konnte das auf der Bühne ausblenden. Wir haben in 35 Jahren so manche Höhen und Tiefen durchlaufen, auch mit Todesfällen im Umfeld. Das hat man immer gemeinsam durchgestanden. Meist haben uns die Auftritte geholfen, Probleme zusammen zu wuppen.
Ist Ihre Freundschaft durch diesen Schicksalsschlag noch intensiver geworden?
Dieter Thomas Kuhn: Das ging gar nicht mehr intensiver. Es gab für mich auch nie die Option, einen anderen Musiker für ihn in die Band zu nehmen. Wir haben natürlich im Laufe der Jahre schon mal Musiker gewechselt. Aber ohne Philipp geht es nicht. Wir haben zusammen DTK erfunden.

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EXPRESS.de-Reporter Marcel Schwamborn (l.) traf Thomas Kuhn in Köln zum Interview.
Im Film ist auch noch mal zu sehen, wie Sie versucht haben, sich nach dem Abschiedskonzert 1999 an Deutsch-Pop zu versuchen. War der fehlende Erfolg der Grund für die Rückkehr zum Schlager?
Dieter Thomas Kuhn: Mit dem Erfolg hatte das nie was zu tun. Wir hatten mit DTK auf dem Zenit aufgehört. Als wir das Neue begonnen haben, war uns klar, dass wir dieses Gefühl so nie wieder zurückbekommen würden. Wir dachten, wir können etwas Neues beginnen, was uns selbst musikalisch weiterbringt. Als wir die Pop-Geschichte ein paar Mal live gespielt haben, war es ganz schlimm, zu sehen, dass wir keine Lust darauf hatten. Wir kamen auf die Bühne und waren nicht mehr die, die wir waren. Es war komplett spaßbefreit. Wir waren nach dem Imagewechsel nicht mehr wir selbst.
Was macht den Spaß daran aus, als singende Föhnwelle auf die Bühne zu gehen?
Dieter Thomas Kuhn: Die Ironie war schon enorm. Wir haben gelacht über die Songs, die wir gespielt haben. Wenn du dann selbst Songs schreibst, kannst du nicht mehr darüber lachen. Sich ernst zu nehmen, ist mir schon in den Schülerbands schwergefallen. Letztlich haben wir das wirkliche Ich mit DTK herausgearbeitet, auf eine Art, die uns Bock gemacht hat. Wir haben Musik gespielt, mit der wir eigentlich nichts zu tun hatten. Das hat uns aber mehr Spaß gemacht als alles davor.

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Beste Freunde seit Jahrzehnten. Thomas Kuhn und Philipp Feldtkeller (l.) verwandeln sich für die Shows in Dieter Thomas Kuhn und Howie F.
Es gab seinerzeit auch mal Vorwürfe, Sie würden den Schlager verunglimpfen.
Dieter Thomas Kuhn: Das war nie die Intention. Das ist auch Blödsinn. Man kann doch nicht Musik mutwillig schlechtmachen und dann erwarten, dass es anderen gefällt. Wir haben die Songs überzeichnet, indem wir die Balladen viel langsamer, und andere Lieder wie „Fiesta Mexicana“ mindestens doppelt so schnell gespielt haben.
Warum singen Sie keine neueren Schlagerlieder im DTK-Stil?
Dieter Thomas Kuhn: Ohne Kollegen zu verunglimpfen, aber wir spielen keine Songs von Andrea Berg oder Helene Fischer. Dieser neue Schlagersound ist nicht unsere Welt. Roland Kaiser spielen wir gern, aber nicht „Warum hast du nicht Nein gesagt?“ Da gibt es schon eine Grenze.

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Thomas Kuhn (l.) und Philipp Feldtkeller zusammen mit Regisseurin Juliane Sauter bei der Premiere des Films „Und es war Sommer“.
Wie waren die Reaktionen aus der Schlagerbranche auf Ihre Versionen?
Dieter Thomas Kuhn: Wir waren in den Anfangsjahren oft in Fernsehshows, wo wir Leuten wie Bata Illic oder Michael Holm begegnet sind. Die meisten haben uns auf die Schulter geklopft und sich bedankt, weil sie durch uns auch wieder gefragt waren. Dass der Schlagerboom bis heute noch anhält, dafür fühle ich mich in gewisser Hinsicht mitverantwortlich. Außer Reinhard Mey fanden es, glaube ich, alle relativ gut, was wir gemacht haben.
Dabei ist „Über den Wolken“ die meistgestreamte Single.
Dieter Thomas Kuhn: Ja, natürlich, klar. Und der Witz ist, er hat es uns verboten, den Song mit in den Film aufzunehmen. Er war mal drin, musste dann herausgeschnitten werden. Schon vor 30 Jahren hatten wir mit ihm Probleme. Sein Rechtsanwalt hat selbst zu uns gesagt, dass er es toll findet, was wir machen. Aber sein Mandant wollte nicht mit Schlager in Verbindung gebracht werden, weil er sich als Chansonnier sieht. Dabei ist er selbst bei der Helene-Fischer-Show aufgetreten.
Dieter Thomas Kuhn präsentiert seine Songs mit der SWR Big Band
- Dieter Thomas Kuhn wurde am 7. Januar 1965 in Tübingen als Thomas Kuhn geboren. 1994 begann er mit seiner Band, deutsche Schlager der 1970er Jahre zu covern. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs gab er am 1. Oktober 1999 sein Abschiedskonzert in der Stuttgarter Schleyerhalle, um sich anschließend musikalisch neu zu orientieren. Der Versuch, mit dem Deutsch-Pop-Projekt Kuhn Null/Eins erfolgreich zu werden, scheiterte jedoch.
- Am 9. Dezember 2004 startete Kuhn sein Comeback in der Hamburger Markthalle mit seinem alten Schlager-Repertoire. Die Tour 2024, die für die Dokumentation „Und es war Sommer“ begleitet wurde, war die bisher letzte. 2025 gab es keine Shows, 2026 nur zwei Konzerte mit der SWR Big Band – dem ehemaligen „Südfunk Tanzorchester“. Am 9. Oktober erscheint das Album „Gute Laune mit Posaune“, auf dem die Gruppe 14 Schlagerklassiker der 60er- und 70er-Jahre neu interpretiert.
- 2027 geben Dieter Thomas Kuhn und Band letztmals außergewöhnliche Konzerte. Am 24. Juli steht das Heimspiel in der MHP-Arena in Stuttgart an. Am 6. und 7. August steigen die Abschiedsshows in der Waldbühne Berlin.
Sie sagen im Film, dass der Blödsinn, den Sie gemacht haben, Sie jünger gehalten hat.
Dieter Thomas Kuhn: In der Tat fühle ich mich noch jünger und kann das eigentlich selbst nicht fassen, dass ich dieses Alter erreicht habe, weil ich im Kopf immer noch ein wenig gaga bin. Ich fühle mich jetzt nicht als gesetzter älterer Herr, sondern gönne mir weiter das Verrücktsein.
Fast zeitgleich fing auch Guildo Horn Anfang der 90er mit Schlagern an. Wie war Ihr Verhältnis?
Dieter Thomas Kuhn: Alle wollten da immer einen Konkurrenzkampf sehen zwischen uns. Den gab es aber gar nicht, weil wir gar nicht so viele Berührungspunkte hatten. Seine Art, den Schlager zu präsentieren, war ganz anders. Dann war da der Wirbel um seine ESC-Teilnahme, wodurch er extrem populär wurde. Wir beide haben vollkommen unabhängig voneinander unsere musikalische Geschichte angefangen.

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Aufgeklebtes Brusthaar und Föhnfrisur. Der Film zeigt Dieter Thomas Kuhn auch in nachdenklichen Momenten hinter der Bühne.
Wie sehen die Zukunftspläne aus?
Dieter Thomas Kuhn: Weil sich nicht absehen lässt, wie sich Philipps Situation weiterentwickeln wird, haben wir uns schweren Herzens entschieden: 2027 soll es noch einmal drei große gemeinsame Abende geben und es sollen die letzten sein. Wenn wir uns schon verabschieden, dann mit einem Knall. Noch einmal alles geben, alles raushauen und gemeinsam in völliger Ekstase feiern. Ich hoffe, unsere Fans sind dabei. Denn diese Nächte sollen nicht einfach schön werden, sondern unvergesslich.
Die Menschen können in diesen Zeiten die Leichtigkeit der Schlagerpartys sicher gut gebrauchen.
Dieter Thomas Kuhn: Die Zeiten in den vergangenen zwei Jahren sind einfach noch einmal einen Tick beschissener geworden. Wenn man auf die Weltentwicklung schaut, dann ist es natürlich eine Katastrophe. Als wir im Juli zwei Konzerte in Tübingen gegeben haben, haben wir gespürt, dass diese Leichtigkeit gebraucht wird. Die Leute waren friedlich, haben gesungen und haben das Gefühl mitgenommen. Wir haben aber angefangen in den guten Zeiten. In den 90er Jahren gab es verhältnismäßig wenig Sorgen. Da haben die Menschen unsere Art von Musik auch gefeiert. Deswegen glaube ich, dass unsere Shows nicht nur gebraucht werden, wenn es den Leuten schlecht geht.
