„Morgen kommt das Glück zurück...“ Reporter-Legende Hansch über seine schwerste Zeit

Werner Hansch beichtete beim Köln-Talk„ Loss mer schwade“ am 9. September seine Spielsucht unter Tränen.

Reporter-Legende Werner Hansch (hier am 9. September) macht seine Spielsucht nun auch in einem Buch öffentlich.

Ein bisschen Sport gucken und darauf wetten? Das Thema Spielen wird salonfähiger denn je. Promis wie z.B. Lothar Matthäus oder Lukas Podolski warben und werben für Wettanbieter, fast jeder Profi-Fußballverein wird von einem solchen gesponsert. Doch aus vermeintlich harmlosem Spaß kann bitterer Ernst werden: Wie bei Werner Hansch.

Recklinghausen/Köln. Jahrelang führte er ein Doppelleben, verheimlichte sein Laster und saugte Freunde und Bekannte wie z.B. Wolfgang Bosbach schamlos aus, um dieses zu finanzieren.

Vor einem Jahr in der TV-Show Promi Big Brother machte Werner Hansch (83), längst horrend verschuldet, dann sein Spielsucht-Problem öffentlich und läutete damit die Wende zum Guten in eigener Sache ein. Er holte geläutert die Sympathien der Zuschauer, gewann mit Ballermann-Star Ikke Hüftgold (45) einen Zuhörer und Freund und begann seinen Schuldenberg mühsam abzuarbeiten.

Werner Hansch schreibt Buch als Teil seiner Therapie gegen Spielsucht

Im Köln-Talk Loss mer schwade flossen bereits Anfang September bei der früheren Reporter-Legende Tränen, als Hansch im Wirtshaus am Markt in Pulheim über sein neues Buchprojekt sprach, das Teil seiner momentan noch laufenden Therapie sei.

Express.de liegen vorab Teile des Werks vor, das Hermann Beckfeld aufgeschrieben hat und in dem Hansch den aussichtslosen Kampf mit seinen Dämonen schonungslos beschreibt. Titel: „Einmal Hölle und zurück.“

Im ersten Teil geht es darum, wie scheinbar zufällig alles anfing und Werner aus einer Laune heraus der Spielsucht verfiel...

Das Datum? Werner weiß nicht mehr genau, wann er zum ersten Mal eine Zockerbude betrat und das Unheil seinen Lauf nahm. Vielleicht hat er das Datum auch einfach nur verdrängt, wie so vieles nach dem Sturz in den Abgrund, als das Leben nur noch ablief wie ein Film, wie ein schlechter Film. Als alles unwichtig wurde, was früher wichtig war: die Lebensgefährtin, Familie, Freunde, seine Moderationen, der Alltag.

Das Einzige, was zählte, waren das Zocken, die Programme der Rennbahnen, die Wahl seiner Favoriten, sein Glaube, dass die Pechsträhne irgendwann ein Ende haben muss, haben wird. Doch im Wartezimmer des Glücks sitzen viele Leute.

2008/2009 muss es gewesen sein, als Werner wieder einmal nach Recklinghausen fährt. Hier ist er geboren, aufgewachsen, hier hat er immer noch ein Postfach. An diesem Tag ist er spät dran. Er erinnert sich, dass die Hauptpost nur noch wenige Minuten geöffnet hatte, dass es bereits dämmerte und er ein leichtes Kratzen im Hals verspürte. Die Stimme des Ruhrgebiets, die funktionieren muss, geht kein Risiko ein.

Werner Hansch zeigt sein Buch Einmal Hölle und zurück.

Werner Hansch mit seinem neuen Buch.

Statt direkt nach Dortmund zurückzukehren, läuft Werner ein Stück den Wall hinunter, biegt rechts in die Seitengasse ab und kauft in der Apotheke Salbei-Bonbons.

Was nun geschieht, beschreibt Werner so detailliert, ja stimmungsvoll, als wäre er wieder der geniale Radioreporter, der seine Hörer mit ins Stadion, mit auf die Tribüne nimmt, damit sie hautnah dabei sind. Doch diesmal geht es nicht um Spieler, es geht um ihn selbst: Wer den langen Weg durch die Hölle gegangen ist, wird den ersten Schritt nicht vergessen.

Wie die Spielteufel Werner Hansch in die Zockerbude lockten

Auf dem Rückweg zum Parkplatz kommt er an einem Buchmacherladen vorbei. Er ist den Weg schon tausend Mal gelaufen, doch nie zuvor wäre er auf den Gedanken gekommen, dort hineinzugehen. Warum auch?

Doch heute steht die Tür einen Spalt offen. Ein kleines Stück nur, aber es reicht, um den Lärm zu hören, den Rauch zu spüren, einen Hauch von Stimmung aufzusaugen. ‚Da drinnen‘, denkt er, ‚muss unheimlich was los sein‘, und steckt seinen Kopf in den Spalt.

Wie es der Zufall will, vielleicht ist es auch der Spielteufel persönlich, schauen gleich drei Leute in diesem Moment zur Tür, und natürlich erkennen sie den Chefkommentator von SAT.1-Fußball, was einer lebenden Reporterlegende sicherlich guttut, wenn man schon einige Zeit vom Bildschirm verschwunden ist. „Ach, da ist ja der Werner Hansch, komm doch mal rein“, ruft einer, und Werner lässt sich nicht lange bitten.

Werner ist sofort fasziniert von den vielen Fernsehapparaten, die an der Wand hängen, von den Menschen, die auf die Bildschirme mit Pferderennen starren; einige Männer sind still, wirken angespannt, andere feuern lautstark ihren Favoriten an.

Werner kommt schnell ins Gespräch, wird angesprochen von einem mit dem berühmten todsicheren Tipp. In Rennen 4 in Paris, da läuft gleich einer, der kann gar nicht verlieren, behauptet er. Werner denkt nicht lange nach, will sich auch nicht lumpen lassen, steckt dem selbst ernannten Experten einen Zwanziger zu. Er überlässt ihm den Gang zum Schalter.

Zufall? Fügung? Es kommt, wie es kommen soll oder besser nicht hätte kommen sollen. Werner gewinnt, so wie anfangs der Tourist gegen den Hütchenspieler in einer Seitengasse von Madrid, Sevilla oder anderswo. Es sind vorgegaukelte Träume vom ewigen Glück, Appetitmacher, die süchtig machen. Erfolgserlebnisse, die dazu einladen, es noch einmal zu riskieren. Was spielt es da für eine Rolle, dass Werner gerade mal 42 Euro bekommt?

Werner Hanschs Trugschluss in der Pferdebude: „Morgen kommt das Glück zurück...“

Nur 14 Tage später. Das Postfach muss nicht geleert werden, sein Hals kratzt nicht. Werner fährt wieder nach Recklinghausen, ihn zieht es direkt zur Zockerbude, doch diesmal ist die Tür geschlossen. Werner braucht keinen Spalt, keinen Lärm, keinen Rauch. Er macht die Tür selbst auf, geht unaufgefordert rein.

Werner Hansch präsentierte am 9. September im Pulheimer Wirtshaus am Markt sein neues Buch.

Werner Hansch präsentierte am 9. September im Pulheimer Wirtshaus am Markt sein neues Buch. Unter www.wernerhansch-buch.de kann das Buch bestellt werden.

„Ich habe mich selbst reingerufen“, sagt er heute. Und wettet. Gewinnt und verliert, weil Traber galoppieren, er verliert, weil sein Favorit mit kurzem Kopf nur Zweiter wird, er verliert, weil der, der eigentlich unschlagbar ist, nur hinterherläuft. Er verliert, weil er eben heute eine Pechsträhne hat. Aber morgen, da wird sich das Blatt ändern, dann kehrt das Glück zurück, denkt er schon auf der Heimfahrt.

Und überhaupt. Was solls. Noch sind es nur 10, 20 Euro, die er pro Rennen setzt. Das ist Kleingeld für einen, der Hunderttausende auf dem Konto gebunkert hat. Der sich auskennt in der Branche und auf seinen Pferdeverstand setzt; schließlich war er elf Jahre Geschäftsführer des Trabrenn-vereins Dinslaken. Noch ist nicht viel passiert, noch weiß Werner nicht: Er ist auf dem besten Weg in Richtung Hölle, in Richtung Big Brother. Das Buch ist bestellbar unter: www.wernerhansch-buch.de

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