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Spurlos verschwunden!Kultstar checkt aus Hotel aus – und wird nie wieder gesehen

James Dean Bradfield, Nicky Wire, Richey Edwards und Sean Moore posieren.

Die Manic Street Preachers galten 1993 bereits als Kultstars: James Dean Bradfield, Nicky Wire, Richey Edwards und Sean Moore. (Archivbild)

Aktualisiert

Richey Edwards stand mit den Manic Street Preachers kurz vor dem internationalen Durchbruch – dann verschwand er spurlos.

Es ist einer der rätselhaftesten Fälle der Musikgeschichte: Am 1. Februar 1995 verschwand Richey Edwards spurlos. Sein Verschwinden veränderte die Welt des britischen Rock’n’Roll nachhaltig und ließ eine Familie zwischen Hoffnung und Verzweiflung zurück. Edwards war der charismatische Texter und Gitarrist der walisischen Band Manic Street Preachers, das Gesicht einer Generation von Außenseitern. Ein Poet mit Rasierklinge, der seine inneren Abgründe zur Kunst machte. Mehr als 30 Jahre später ist die Wunde noch immer offen.

Richey Edwards wollte mit den Manic Street Preachers durchstarten

Der 1. Februar 1995 sollte der Startschuss für den großen Weltruhm sein. Richey und Sänger James Dean Bradfield wollten in die USA fliegen, um das dritte Album „The Holy Bible“ zu promoten – ein düsteres Meisterwerk, das Richeys inneren Schmerz vertonte. Doch um 07.00 Uhr morgens checkte Richey aus dem Londoner „Embassy Hotel“ aus. Er ließ seine Sachen zurück, stieg in seinen silbernen Wagen und fuhr Richtung Heimat, Richtung Wales. Es war das letzte Mal, dass ihn jemand sah, der ihn kannte.

Lange Zeit glaubten Polizei und Fans an eine traurige Chronologie: Er habe die Severn Bridge am Nachmittag überquert, sein Auto dort abgestellt und den letzten, verzweifelten Schritt in die Tiefe gewagt. Doch eine neue Erkenntnis zum 30. Jahrestag wirft ein völlig neues Licht auf die Tragödie.

Die korrigierte Zeitlinie: Ein Funken neue Hoffnung?

Jahrelang war eine Mautquittung der entscheidende Beweis. Zeitstempel: 2.55 Uhr. Man ging von nachmittags aus. Doch wie sich erst vor wenigen Jahren herausstellte, arbeiteten die Uhren der Brücke im 24-Stunden-Format. Richey überquerte die Grenze zwischen England und Wales bereits um 02.55 Uhr nachts – nur Stunden nach seinem Verschwinden in London.

Was bedeutet das? Es verändert alles. Es nimmt den Druck aus der Theorie des spontanen Suizids am Nachmittag. Es gibt Raum für die Theorie, die seine Schwester Rachel Elias seit Jahrzehnten am Leben hält: Hat Richey sein Verschwinden geplant? War er ein „Planer“, der sich ein neues Leben im Verborgenen suchte?

Das Echo eines Verschollenen

In den Texten der „Manics“ lebt er weiter. Die Band, die nach seinem Verschwinden mit Hits wie „If You Tolerate This Your Children Will Be Next“ und „The Masses Against the Classes“ zu Weltstars wurde, hielt jahrelang einen Teil der Tantiemen auf einem Konto für ihn bereit. Sein Mikrophon blieb bei Konzerten oft symbolisch leer.

Doch hinter der Rock-Ikone steht eine Familie, die keinen Abschluss findet. Für sie ist er kein „Missing Link“ der Musikgeschichte, sondern ein Bruder und Sohn. Sichtungen in Goa oder auf den Kanaren fütterten über die Jahrzehnte die Hoffnung, blieben aber immer nur Schatten ohne Gesicht. „Missing People“ – für diese Organisation kämpft Rachel Elias heute. Damit das Schicksal ihres Bruders nicht vergessen wird.

Die Manic Street Preachers erinnern auch heute noch regelmäßig an Richey Edwards. Auf ihren offiziellen Social-Media-Kanälen tauchen zu Jahrestagen oder besonderen Anlässen immer wieder Hinweise auf ihn, seine Texte und sein Vermächtnis auf. Auch bei Konzerten spricht die Band offen über seinen prägenden Einfluss. Edwards ist bis heute Teil des Selbstverständnisses der Manic Street Preachers.

Richey Edwards wurde 2008 offiziell für tot erklärt. Doch solange kein Beweis existiert, bleibt die Frage: Suchte er den Freitod oder die Freiheit? Die Severn Bridge schweigt. Und die Welt wartet weiter auf ein Zeichen von dem Mann, der einmal schrieb, dass er die Wahrheit suchte – und vielleicht nur im Verschwinden fand.

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