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Krimi-Star Marleen Lohse„In Köln gab es für mich Welpenschutz!“

Die Schauspielerin Marleen Lohse kommt im Wintergarten Varieté zur Show des Labels Marc Cain.

Copyright: picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Marleen Lohse spielt, singt und schreibt. Gerade hat sie in Köln wieder für den Netflixhit „Alphamännchen“ gedreht.

Schauspielerin Marleen Lohse hat mit uns über ihre Krimis, die erste Gage (und was sie sich davon gegönnt hat) sowie ihre Beziehung zum Rheinland gesprochen.

Mit zwölf erstmals vor der Kamera, ein Jahr später ein Star – das ist sie bis heute geblieben: Marleen Lohse (42), die Frau mit dem auffallenden Haarschopf, hat das geschafft, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Erste große Karriere-Station war die Serie „Die Kinder vom Alstertal“, in der sie „Hexe“ spielte. Jetzt ist sie seit 2014 in „Nord bei Nordwest“ die Tierärztin Jule Christiansen. Am 14. Oktober gibt’s einen besonderen Leckerbissen.

Marleen Lohse über ihre Markenzeichen

Diesmal erleben wir Sie nicht wie gewohnt als Tierärztin im kriminellen Idyll an der Ostsee, sondern als Psychologin im Großstadt-Dschungel. Worum geht’s bei der „Frau ohne Namen“?

Marleen Lohse: Ich spiele die Psychologin und Uni-Dozentin Marlene Nielsen, eine Expertin in Mikroexpression. Das heißt, sie kann extrem kurze, unwillkürliche Gesichtsausdrücke eines anderen Menschen übersetzen, sie ist eine Art lebendiger Lügendetektor. Deswegen wird sie von der Polizei als Beraterin zu einem vermeintlichen Fall von Notwehr hinzugezogen.

Was muss sie klären?

Marleen Lohse: Es geht um eine Frau, die in der Nacht zuvor einen Angreifer getötet hat und auf die Wache mitgenommen wurde, da aber beharrlich schweigt sie sagt nicht mal, wie sie heißt. Marlene glaubt, dass mit ihr was nicht stimmt – und will den Fall selbst klären…

Ist das der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe?

Marleen Lohse: Wenn es so wäre, wäre es super. Denn der Stoff spielt für mich eine besondere Rolle. Ich habe die Story mit meinen zwei Freundinnen und Drehbuchautorinnen Anne-M. Keßel und Lynda Bartnik vor über zehn Jahren entwickelt. Wir wissen auch schon, wie es weitergehen könnte und haben noch viele Geschichten in petto. Jetzt kommt es auf die Zuschauerinnen und Zuschauer an. Wenn viele einschalten und dranbleiben, wird uns das in der Argumentation sehr helfen.

Man erkennt Sie auch in diesem Film sofort an Ihrem roten Haarschopf, Ihrem Markenzeichen. Haben Sie schon mal dran gedacht, mit anderer Frisur zu spielen?

Marleen Lohse: Das würde ich sehr gern machen – und so ganz neu wäre es nicht für mich. Während meiner Zeit am Berliner Maxim-Gorki-Theater habe ich schon mit blonder Perücke gespielt, und im Stück Schwarze Jungfrauen hatte ich sogar eine Glatze.

Das Cover zum Spielfilm "Frau ohne Namen".

Copyright: NDR/ARD/Frizzi Kurkhaus

Marleen Lohse untersucht das Geheimnis der „Frau ohne Namen“ (14. Oktober, ARD, 20.15 Uhr, bereits in der Mediathek).

Der rote Haarschopf ist auch ihr optisches Kennzeichen als Tierärztin Jule Christiansen „Nord bei Nordwest“. Diese Krimi-Reihe ist inzwischen zwölf Jahre alt, hat bis zu zehn Millionen Zuschauer und gilt als erfolgreichste ARD-Serie …

Marleen Lohse: Ist das nicht der absolute Wahnsinn? Das haben wir damals wirklich nicht ahnen können. Beim Casting hieß es, dass es vermutlich zwei Filme werden, und damals haben wir davon gesprochen, was das für ein Wahnsinn wäre und wie viel Glück wir hätten, wenn das klappte. Und jetzt sind wir schon bei Film Nummer 33.

Wenn Sie wollten, könnten Sie in diesem Jahr ein kleines Jubiläum feiern, denn Sie haben vor bereits 30 Jahren das erste Mal vor einer Kamera gestanden. Wie ist es dazu gekommen?

Marleen Lohse: Es war reiner Zufall. Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen, und bei uns um die Ecke rum wohnte die Regisseurin Monika Zinnenberg. Sie war in der Sportgruppe meiner Mutter und fragte die eines Tages, ob sie nicht ein Kind kenne, das Turnen könne. Meine Mutter kannte eines nämlich mich und antwortete: „Wäre meine Marleen nichts für dich? Sie kann sehr gut turnen.“

Emilia Maier (l), Darstellerin, und Marleen Lohse, Schauspielerin, kommen zur Hauptpremiere des Kinofilms "Schule der magischen Tiere".

Copyright: picture alliance/dpa

Marleen mit Emilia Maier bei der Premiere des Kinofilms „Schule der magischen Tiere“.

Kein Wunder – Sie waren damals Schleswig-Holstein-Vizemeisterin im Kunstturnen…

Marleen Lohse: Stimmt. Und so engagierte mich Frau Zinnenberg für eine Folge von „Neues vom Süderhof“. Das hat mir viel Spaß gemacht, und ihr wohl auch, denn sie gab mir anschließend eine der Hauptrollen in der Serie „Die Kinder vom Alstertal“. Ich wurde Julia Clement mit dem Spitznamen „Hexe“, was sicher an meinen roten Haaren lag. Heutzutage würde das nicht mehr gehen, da würde man bestimmt einen anderen Namen nehmen.

Wissen Sie noch, was Sie mit Ihrer ersten Gage gemacht haben?

Marleen Lohse: Klar, so etwas vergisst man nicht. Ich habe mir davon einen Game Boy gekauft, den inzwischen meine Mutter hat, die immer noch Tetris darauf spielt. Die Gage vom Alstertal habe ich gespart und mir nach dem Abi davon eine Weltreise finanziert. Ich erinnere mich besonders gern an die Work and Travel-Zeit in Australien da hing ich gern am Strand ab. Wenn das Geld alle war, habe ich in einem asiatischen Restaurant in Sidney gekellnert und Teller gewaschen.

Max Montgomery und Marleen Lohse bei der Deutscher Filmpreis Verleihung am 29.05.2026 in Berlin

Copyright: IMAGO/APress

Marleen Lohse am 29. Mai 2026 mit ihrem Ehemann Max Montgomery bei einer Veranstaltung in Berlin.

Erst der Kinderstar, jetzt der Star für alle – nervt es, immer wiedererkannt und angesprochen zu werden?

Marleen Lohse: Es gibt natürlich Situationen, da bin ich gestresst, vor allem, wenn ich mit Kind und Kegel unterwegs bin. Doch generell finde ich es großartig, weil es ja auch eine Wertschätzung meiner Arbeit ist. Ich bin superdankbar, dass ich den Beruf ausüben kann, es ist für mich der schönste der Welt. Ich weiß, dass ich ihn nur so lange machen kann, wie es Leute gibt, die die Filme und Serien mit mir gucken. Aber manchmal gibt es auch Leute, die irritiert sind, wenn sie mich sehen. Die gucken mich an, denken nach und fragen dann: „Sag mal, kennen wir uns nicht aus dem Kurs damals bei der VHS?“

Sie arbeiten jetzt zusätzlich an einer Karriere als Musikerin. Wie kam es dazu?

Marleen Lohse: Musik hatte immer schon eine große Rolle in meinem Leben gespielt, aber lange war kein großer Plan dahinter. Erst als ich vor vier Jahren schwanger war und viel Zeit zur Verfügung hatte, begann ich, ein Album zu machen. Als das da war, hat es sich verselbstständigt: Jetzt wäre es doch cool, wenn wir auch eine Platte machen. Als die da war, haben wir gesagt: Jetzt haben wir eine eigene Platte, wäre doch cool, wenn wir auf Tour gingen. Das haben wir Anfang dieses Jahres gemacht.

Ihre erste Station war der Stadtgarten in Köln. Wie war’s?

Marleen Lohse: Obwohl ich da erfahren habe, was wackelige Knie sind, war es ein Abend, der mir Mut gemacht hatte. Die Kölner wussten, dass es mein allererster Auftritt war und haben mir ein kleines bisschen Welpenschutz gegeben. Es war ein liebevolles, großartiges Publikum. Am 14. November sind wir übrigens wieder in der Gegend dann treten wir bei den Leverkusener Jazztagen auf.

Berührend ist Ihr Song „Genau für Dich gemacht“ mit der Zeile „Komm in meinen Arm, ich kann Dich halten, an dunklen Tagen oder kalten…“. Ein persönlicher Song?

Marleen Lohse: Ja, ich habe ihn für meinen Sohn geschrieben. Er war gerade auf der Welt, und ich fand es schön, ein eigenes Lied für ihn zu haben. Ich habe gehört, dass es schon von Chören einstudiert worden ist. Das macht mich sehr stolz.

Hinnerk Schönemann (l-r), Marleen Lohse und Jana Klinge in einer Szene des Krimis «Nord bei Nordwest - Pechmarie».

Copyright: picture alliance/dpa/NDR

Das „Nord bei Nordwest“-Team Hinnerk Schönemann, Marleen Lohse und Jana Klinge mit Hund „Holly“.

Bitte nochmal zurück zu Köln: Sind Sie oft hier?

Marleen Lohse: Klar doch, ich habe hier in diesem Jahr schon sehr viel Zeit verbracht und viel gedreht. Gerade war es die zweite Staffel der Comedy-Serie Alphamännchen für Netflix, in der ich eine geschiedene Scheidungsanwältin spiele. Da geht’s wieder um vier beste Freunde um die 40, deren altmodisches Männlichkeitsbild in der modernen Welt ins Wanken gerät.

Wie gefällt es Ihnen in Köln?

Marleen Lohse: Ich mag diese Leichtigkeit der Kölner, und dass man schnell mit ihnen ins Gespräch kommt. Und es macht viel Spaß, abends mit den Kollegen noch mal auf ein Kölsch oder auch mehrere in die Brauhäuser zu gehen. Ich liebe die Stadt und bin ihr sehr verbunden.

Marleen Lohse ging nach dem Abi erstmal auf Weltreise

Marleen Lohse (geboren am 28. Februar 1984 in Soltau) war als Kind und Jugendliche aktiv im Kunstturnen. Nach dem Abitur in Ahrensburg machte sie eine Weltreise mit Stationen in Australien, Neuseeland, Fidschi und den USA. Anschließend Schauspiel-Studium in Potsdam-Babelsberg. Sie spielte in der Saison 2011/12 in Bonn die Petra Stockmann im Ibsen-Stück „Ein Volksfeind“ und war bis 2014 Ensemblemitglied am Berliner Maxim-Gorki-Theater.

1997 sah man sie in ihrer ersten kleinen Rolle in der TV-Serie „Neues vom Süderhof“, 1998– 2004: Hauptrolle in „Die Kinder vom Alstertal“. Parallel hatte sie Rollen in zahlreichen Filmen und Fernsehserien wie 2003 in „Küssen verboten, Baggern erlaubt“. Seit 2014 spielt sie Tierärztin Jule Christiansen in der ARD-Krimiserie „Nord bei Nordwest“. 2025 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Wide Awake“. Sie ist seit 2021 verheiratet, hat einen Sohn (4). Die Familie lebt in Berlin.