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„Krankhaft schüchtern“Für Mandy (29) ist schon der Gang zum Bäcker eine Mutprobe

Die 29-jährige Mandy aus Braunschweig leidet unter sozialer Phobie. (Bild: ZDF und Jann Höfer)

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Die 29-jährige Mandy aus Braunschweig leidet unter sozialer Phobie. (Bild: ZDF und Jann Höfer)

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In der neuen „37°Leben“-Doku spricht Mandy offen über ihre soziale Phobie und darüber, wie sehr die Angst ihren Alltag bestimmt. Scheinbar einfache Situationen wie ein Einkauf beim Bäcker oder ein Telefonat können für die 29-Jährige zur Belastung werden.

„Hallo, ich bin Mandy“, sagt die junge Frau in die Kamera. Ihre Augen wirken glasig, ihre Stimme zittert. „Angst ist für mich ein konstanter Begleiter und macht mir das Leben schwer“, erzählt die 29-Jährige. Mandy leidet an einer sozialen Phobie. Soziale Situationen und die Bewertung durch andere Menschen lösen bei ihr starke Ängste aus.

Im ersten Film der zweiteiligen Reportage „37°Leben: Facing Fear“ begleitet das ZDF die Braunschweigerin auf ihrem Weg im Umgang mit ihrer Erkrankung (Sonntag, 14. und 21. Juni, jeweils um 09.03 Uhr sowie in der ZDF-Mediathek).

„Mein Zuhause ist für mich der sicherste Ort“

Was für viele Menschen selbstverständlich ist, wird für Mandy zur Herausforderung. Schon ein Gang zum Bäcker kann zur Mutprobe werden. Immer wieder kreisen ihre Gedanken um mögliche Fehler und peinliche Situationen: Was, wenn sie sich verspricht? Was, wenn sie den Namen eines Gebäcks nicht kennt? Die Angst vor solchen Momenten ist manchmal so groß, dass sie ihren Einkauf abbricht und wieder nach Hause geht.

Mandy lebt in Braunschweig und arbeitet als Content Creatorin in der Hochschulkommunikation. Besonders schwer fallen ihr Gespräche mit fremden Menschen und Telefonate. Auch Vorträge oder Meetings kosten sie enorme Überwindung. „Mein Zuhause ist für mich der sicherste Ort“, sagt sie in der Reportage. Dort könne sie sich „frei und wohlfühlen“. Es sei der einzige Ort, an dem die Angst keine Rolle spiele.

Mandy beginnt eine Therapie bei Daniel Wagner. (Bild: ZDF und Jann Höfer)

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Mandy beginnt eine Therapie bei Daniel Wagner. (Bild: ZDF und Jann Höfer)

Die Wurzeln ihrer Ängste reichen weit zurück. Schon als Kind sei sie sehr still gewesen. „Wahrgenommen“ wurde sie kaum, erinnert sie sich. Besonders deutlich wurde ihr das während der Schulzeit: „Bei der Abi-Zeitung gab es Kategorien, in denen Leute nominiert wurden und ich war in den Top fünf in der Kategorie 'Phantom des Jahrgangs'“. Im Laufe der Jahre wurden ihre Ängste immer stärker.

Die Angst willkommen heißen

„Ich will, dass die Ängste mein Leben nicht mehr so stark beeinflussen.“ Mit diesem Wunsch beginnt Mandy eine Therapie bei Daniel Wagner. Der Psychotherapeut behandelt unter anderem Menschen mit Angsterkrankungen. Sein Rat: Die Angst nicht bekämpfen, sondern willkommen heißen. Mandy glaubt, dass die Meditation helfen kann. Gleichzeitig weiß sie, dass es „Zeit und vor allem auch Übung“ braucht, um die Angst tatsächlich anzunehmen.

Wie schwer dieser Weg ist, zeigt sich bereits in einer der folgenden Sitzungen. Mandy soll auf die Straße gehen und fremde Menschen ansprechen. Die Situation überfordert sie. Tränen laufen ihr über das Gesicht. Sie schafft es nicht. Doch dann ein Erfolg, Mandy bestellt im Restaurant zwei Pizzen - ein Meilenstein für die junge Frau,

Trotz ihrer sozialen Phobie spricht Mandy öffentlich über ihre Erkrankung. Unter dem Namen „Mutsammlerin“ teilt sie auf Instagram Einblicke in ihren Alltag und berichtet von Momenten, in denen sie mutig war. Oft begegnet ihr dabei Unverständnis. Viele fragen sich, wie soziale Medien und soziale Angst zusammenpassen. Für Mandy ist der Unterschied klar: „Dort habe ich die komplette Kontrolle darüber, was ich schreibe. Ich habe auch die Kontrolle darüber, dass ich es wieder löschen kann. Das gibt dann auch Sicherheit.“

„Bei Lars kann ich inzwischen einfach so sein, wie ich bin“

Eine wichtige Stütze in ihrem Leben ist ihr Freund Lars. Gemeinsam verbringen die beiden gerne Zeit beim Puzzeln. „Bei Lars kann ich inzwischen einfach so sein, wie ich bin“, sagt Mandy. Kennengelernt haben sie sich in einer Selbsthilfegruppe für soziale Ängste. Seit dreieinhalb Jahren sind sie ein Paar. Wegen ihrer Ängste ließ der erste Kuss lange auf sich warten, erzählt Mandy.

Auch Freundschaften geben Mandy Kraft. Doch gerade für Menschen mit einer sozialen Angststörung ist es oft schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Mit ihren Kolleginnen, mit denen sie regelmäßig in die Mensa geht, hat sie dennoch eine enge Verbindung aufgebaut. Dass Mandy unter einer Angststörung leidet, hätte dort niemand vermutet. „Man nimmt sie als ruhigen Menschen wahr“, sagt eine Kollegin. Dass sie eine Angststörung hat, hätte sie nicht „geahnt“.

Mit ihrer Geschichte steht Mandy nicht allein da. Nach Angaben der Deutschen Angst-Hilfe e. V. entwickelt fast jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens eine soziale Phobie. Männer und Frauen sind dabei gleichermaßen betroffen. Im zweiten Teil der „37°Leben“- Reportage wird die 23-jährige Vivien begleitet, sie lebt mit einer generalisierten Angststörung. (tsch)

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