Erst London, jetzt Marseille: Der Druck auf US-Rapper Ye wächst. Nach seinen antisemitischen Ausfällen machen immer mehr Länder klar: Hier bist du nicht willkommen.
Kanye West knickt einRapper verschiebt Konzert in Marseille nach drohendem Verbot.

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Kanye West fiel immer wieder durch rassistische und antisemitische Äußerungen auf. (Archivbild)
Für den US-Rapper Kanye West (48) wird die Luft in Europa immer dünner. Nachdem ihm die britische Regierung bereits die Einreise verweigert hatte, ist der Musiker, der sich Ye nennt, nun den französischen Behörden zuvorgekommen. Er hat seinen geplanten Auftritt in Marseille verschoben – kurz nachdem durchsickerte, dass Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez das Konzert verbieten wollte.
Auf der Plattform X (ehemals Twitter) begründete der 48-Jährige seinen Schritt so: «Nach reiflicher Überlegung und Abwägung habe ich aus eigener Entscheidung beschlossen, meine Show in Marseille, Frankreich, auf unbestimmte Zeit zu verschieben».
Frankreich macht klar: Antisemitismus ist kein Kavaliersdelikt
Der Gig, der für den 11. Juni im Velodrome in Marseille angesetzt war, stand von Anfang an auf der Kippe. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, prüften die zuständigen Stellen bereits ein Verbot. Grund dafür sind Wests wiederholte antisemitische Entgleisungen. Solche Äußerungen sind in Frankreich keine Meinung, sondern eine Straftat.
Auch Marseilles Bürgermeister Benoît Payan fand deutliche Worte: «Ich weigere mich, dass Marseille eine Vitrine für diejenigen ist, die Hass und hemmungslosen Nazismus fördern.» West sei im Velodrome der Stadt unerwünscht, machte er klar. Offiziell ist das Konzert nur aufgeschoben, nicht komplett gestrichen. Die Behörden in Frankreich warten deshalb zunächst die weitere Entwicklung ab.
Einreiseverbot in Großbritannien
Noch resoluter ging die Regierung in London vor. Sie verwehrte dem Rapper die Einreise in das Vereinigte Königreich. Eigentlich war ein Auftritt von Ye beim Wireless Festival im Londoner Finsbury Park geplant. Die Ankündigung hatte im Vereinigten Königreich, das selbst mit antisemitischen Straftaten ringt, für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Die Regierung zog die Reißleine, woraufhin das gesamte Festival abgesagt wurde.

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Die Briten hatten West zuletzt ein Einreiseverbot erteilt. (Archivbild)
Kanye Omari West ist einer der einflussreichsten und gleichzeitig umstrittensten Künstler der Musikbranche. Er fiel immer wieder mit rassistischen sowie antisemitischen Parolen auf. 2025 brachte er ein Lied mit dem Titel «Heil Hitler» heraus. Anfang des Jahres entschuldigte er sich schließlich mit einer ganzseitigen Anzeige in der Publikation «Wall Street Journal». «Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit», schrieb der Ex-Mann von Kim Kardashian und begründete seine früheren Ausfälle mit einer bipolaren Störung.
Nach seiner Ankündigung, den Auftritt in Marseille zu verlegen, folgte eine weitere Entschuldigung des Rappers. In einem Beitrag auf X heißt es: «Ich weiß, es braucht Zeit, um die Aufrichtigkeit meines Bemühens zu verstehen, Wiedergutmachung zu leisten». Und weiter: «Ich übernehme die volle Verantwortung für das, was mir zuzurechnen ist, aber ich möchte meine Fans nicht mit hineinziehen. Meine Fans bedeuten mir alles.»
Auschwitz-Überlebende fordern weitere Verbote
Die Entscheidung der Briten wurde von Auschwitz-Überlebenden am Wochenende begrüßt, die zugleich ähnliche Maßnahmen in anderen Ländern anmahnten. Das Vorgehen Londons sei von Überlebenden weltweit «mit großer Erleichterung und Zustimmung» aufgenommen worden, sagte Christoph Heubner, der für das Internationale Auschwitz Komitee spricht.
Der Hintergrund: Der Rapper plant für den Sommer Auftritte in mehreren anderen europäischen Staaten, darunter Polen, Italien und Spanien. In Portugal und Spanien wird über eine mögliche Absage der Konzerte derzeit jedoch nicht debattiert.
Anders ist die Situation in den Niederlanden. Direkt an der deutschen Grenze soll Ye am 6. und 8. Juni in Arnheim auf der Bühne stehen. Eine Mehrheit der Parteien im Parlament möchte nun prüfen lassen, ob ein Auftritt des Rappers nach dem Vorbild Großbritanniens untersagt werden kann.
Die Regierung ist aber bislang zurückhaltend. Die Einreise könne einem Ausländer nur verboten werden, wenn die öffentliche Ordnung in Gefahr sei, erklärten Migrationsminister Bart van den Brink und Justizminister David van Weel. Dafür deute aktuell nichts hin. Die christdemokratische Regierungspartei CDA sprach sich zuletzt für ein Verbot aus, doch der Bürgermeister von Arnheim, Ahmed Marcouch, sieht momentan keinen rechtlichen Grund, die Konzerte abzusagen. (red)
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