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In ZDF-Doku urteilt Joshua Kimmich über das DFB-Team„Es ist nie was zusammengewachsen“

Joshua Kimmich bereitet sich auf seinen ersten Einsatz bei der WM 2026 vor. (Bild: 2026 Getty Images/Alexander Hassenstein)

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Joshua Kimmich bereitet sich auf seinen ersten Einsatz bei der WM 2026 vor. (Bild: 2026 Getty Images/Alexander Hassenstein)

Deutschland Favorit bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Übersee? „Ich seh uns da noch nicht so weit“, sagt Joshua Kimmich in einer jetzt veröffentlichten ZDF-Doku. Der Optimismus des DFB-Kapitäns hat offenbar in den letzten Jahren gelitten.

„Ich seh uns nicht in der europäischen Spitze.“ Joshua Kimmich sagte es sachlich, aber nachdrücklich. Mit Überzeugung. Die Meinung mancher, die Deutschland als WM-Mitfavorit sehen, wollte er nicht teilen. „Ich sehe uns noch nicht so weit.“ Seine Meinung begründete er: „Ich seh das Potenzial und dass da etwas zusammenwachsen kann, aber das habe ich schon die letzten sieben Jahre gesehen - und es ist nie was zusammengewachsen.“

In zwei Tagen startet die WM mit dem Eröffnungsspiel Meiko - Südafrika. Drei Tage später, am Sonntag, 14. Juni, müssen Kimmich und seine Mitstreiter gegen Curaçao (Anstoß 19 Uhr MESZ) erstmals ran. Die zurückhaltenden Aussagen stammen aber nicht von der letzten Pressekonferenz, sondern sind ungefähr ein Jahr alt. Zu hören sind sie jetzt zum ersten Mal. In der neuen ZDF-Dokumentation von Jan Mendelin. Die heißt treffender Weise: „Kapitän Kimmich“.

Mendelin begleitete Kimmich zwei Jahre lang, vom Frühsommer 2024 bis zu erfolgreichen Double-Gewinn mit dem FC Bayern vor wenigen Wochen. Am Anfang dieser Zeitspanne stand Kimmichs Berufung zum Nationalmannschafts-Kapitän. „Das ist was sehr, sehr Besonderes“, sagt Kimmich (31) in der Doku. „Viel Ehre, viel Stolz.“ Und viel Sorge um das Team. Denn das ist alles, was für Kimmich zählt, sagt Trainer Julian Nagelsmann. Ein Motto der Nationalelf sei „nicht miteinander spielen, sondern füreinander spielen“ - und Kimmich einer, der „extremst füreinander“ agiere.

Kimmich wurde 2024 Nationalmannschafts-Kapitän: „Viel Ehre, viel Stolz“

Das mit dem Noch-nicht-ganz-Favoriten sagte Kimmich kurz nach dem 4. Juni 2025. Und ein bisschen aus dem Frust heraus. Denn an diesem Tag bestritt er sein 100. Länderspiel. Und verlor es. 1:2, auch noch in München, im Halbfinale der Nations League gegen Portugal. Das Beste war, dass sein Sohn Lenny als besondere Jubiläums-Überraschung gemeinsam mit ihm einlief.

Frust im Nationaltrikot: Bei der Heimweh-EM 2024 schieden Joshua Kimmich und die deutsche Mannschaft im Viertelfinale dramatisch gegen Spanien aus - auch wegen „Cucurellas Arm“. (Bild: 2024 Getty Images/Clive Mason)

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Frust im Nationaltrikot: Bei der Heimweh-EM 2024 schieden Joshua Kimmich und die deutsche Mannschaft im Viertelfinale dramatisch gegen Spanien aus - auch wegen „Cucurellas Arm“. (Bild: 2024 Getty Images/Clive Mason)

Der Kapitän war also angefressen. Das ist er immer nach Niederlagen. Nagelsmann weiß um Kimmichs Qualitäten und seine Qualen. „Jo ist ein herausragender Kapitän. Er sagt immer ehrlich seine Meinung, er hat keine versteckten Interessen. Er will nur gewinnen.“ Darin aber liege auch die Krux: „Jo ist, im positiven Sinne, vom Ehrgeiz getrieben.“

Nach der Portugal-Pleite sagte Kimmich auch: „Das WM-Turnier beginnt nicht mit dem ersten Spiel, sondern mit dem Weg dahin. Der ist sehr entscheidend, weil da sehr viel wachsen kann, vor allem innerhalb des Teams.“

Beim entscheidenden WM-Quali-Sieg spielte Kimmich trotz Blessur

Kimmich gab sein A-Länderspieldebüt am 29. Mai 2016 in Augsburg. Man unterlag im Testspiel der Slowakei mit 1:3. Seither war Kimmich bei drei Europameisterschaften und zwei Weltmeisterschaften für Deutschland im Einsatz. Bei beiden WMs war nach der Vorrunde Schluss. Bei der EM 2021 war im Achtelfinale England Endstation, 2024, beim „kleinen Sommermärchen“, scheiterte man im Viertelfinale dramatisch 1:2 nach Verlängerung an Spanien und Cucurellas Arm. 2016, beim Turnier-Debüt gab's im Halbfinale ein 0:2 gegen Gastgeber Frankreich.

Immerhin: 2017 gewann Deutschland mit Kimmich den Confed-Cup. Trotzdem eine durchaus ausbaufähige Bilanz für Kimmich, der mit dem FC Bayern zehnmal Meister, viermal Pokalsieger, siebenmal Supercup-Sieger wurde und je einmal - jeweils in der Sextuple-Saison 2020 - Champions-League, Klub-Weltmeisterschaft und den UEFA-Super-Cup gewann.

Und Kimmich will natürlich sein Team zum Erfolg führen. Auch, wenn's weh tut. So wie am 17. November 2025, als es im Spiel gegen die Slowakei um die WM-Quali ging. Kimmich spielte trotz Sprunggelenkbeschwerden. Aber DFB ist kein Urlaub, kein Durchschnaufen. Also spielte er. Grätschte und flankte - auf den Kopf von Woltemade, der zum 1:0 einnetzte. Am Ende stand's 6:0. Und Kimmich war zufriedener als nach dem Portugal-Kick.

Joshua Kimmich redet nicht drumrum: „Ich will Weltmeister werden“

„Das Gefühl, das ich auf dem Platz hatte, hatte ich in den letzten neun Jahren nicht.“ Er sah das Spiel, die Art und Weise des Sieges, „bei vielen“ als „Wendepunkt im Mindset“.

Sein Mindset muss nicht geändert werden: „Ich will auf jeden Fall Weltmister werden. Das ist ein Ziel, das ich mir gesetzt habe für die Karriere“, sagt er klar und deutlich in der Doku. Er wird alles dafür geben. Trainer Julian Nagelsmann wünscht seinem Team-Leader einen klaren, unbelasteten Kopf. „Er muss alte Kapitel zumachen und ein neues Buch schreiben.“ Ohne Vorwort, wie früher alles nicht gut lief. Aber Nagelsmann weiß auch: „Das ist ein Wunsch, den ich für ihn hab - aber eigentlich keine Erwartung.“ Kapitän Kimmich ist halt auch Kämpfer Kimmich. Und Kämpfen funktioniert ohne Ehrgeiz halt nicht so.

Die ZDF-Doku „Kapitän Kimmich“ ist in voller Länge (102 Minuten) in der ZDF-Mediathek zu sehen und wird, in einer auf 75 Minuten gekürzten Version, am Samstag, 20. Juni, nach dem WM-Spiel von Deutschland gegen Elfenbeinküste ab 0.35 Uhr im ZDF ausgestrahlt. (tsch)

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