Impfkritische Mutter nennt sich „kampfbereit“ZDF-Doku zeigt Schummeleien beim Masern-Schutz

Die ZDF-Doku „Masern-Impfbetrug: Immun nur auf dem Papier“ zeigt, wie leicht die Nachweispflicht zu umgehen ist. (Bild: ZDF / finally)

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Die ZDF-Doku „Masern-Impfbetrug: Immun nur auf dem Papier“ zeigt, wie leicht die Nachweispflicht zu umgehen ist. (Bild: ZDF / finally)

Noch sind Masern in Deutschland nicht eliminiert. Dazu beitragen soll eine Nachweispflicht, die unter anderem für Kitas und Schulen gilt. Doch wie eine ZDF-Doku zeigt, haben Impfbetrüger leichtes Spiel.

Um Masern auszurotten, müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Seit einigen Jahren besteht laut Masernschutzgesetz unter anderem in Kitas und Schulen eine Nachweispflicht über einen Impfschutz gegen die Viruserkrankung. Aktuellen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge liegt die Impfquote derzeit dennoch nur bei 92 Prozent - und die wahren Zahlen, so zeigt eine neue Ausgabe der Doku-Reihe „Die Spur“, könnten möglicherweise sogar niedriger sein.

Wie im Film „Masern-Impfbetrug: Immun nur auf dem Papier“ deutlich wird, ist es ein Leichtes, an gefälschte Nachweise zu gelangen. Bei ihren Recherchen stoßen die ZDF-Journalistinnen auf verschiedene Telegramgruppen, in denen sich Eltern über Möglichkeiten austauschen, ihre Kinder trotz Nachweispflicht nicht impfen zu lassen.

Vor allem ein Anbieter werde in den Chats immer wieder empfohlen. Ein Mann, der sich als „Henry“ vorstellt, bietet „das komplette Paket“ an - also einen Impfpass mit Original-Etiketten sowie gefälschte Stempel und gefälschte Unterschriften echter Ärztinnen und Ärzte. Insgesamt 750 Euro koste es, auf diese Art die MMR-Impfung zu umgehen.

Arzt mahnt: „Es ist wirklich eine sehr, sehr schwere Krankheit“

Eine Impfquote von 95 Prozent wäre notwendig, um Masern auszurotten. (Bild: iStock / peterschreiber.media)

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Eine Impfquote von 95 Prozent wäre notwendig, um Masern auszurotten. (Bild: iStock / peterschreiber.media)

Auf einer weiteren Webseite besteht die Möglichkeit, für rund 60 Euro ein „Dokumentenset“ zu erwerben. Darin befinden sich verschiedene Vorlagen - darunter ein Muster für eine Bescheinigung, laut der ein Kind aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könne. Auch vorgefertigte Anschreiben an Gesundheitsämter und andere Behörden sind Teil des Pakets.

Ein anderes Schlupfloch hat Lisa gefunden. Die dreifache Mutter, die eigentlich anders heißt, sei in Bezug auf die Nachweispflicht „verzweifelt“, aber auch „kampfbereit“ gewesen, erzählt sie in der Dokumentation. So sei es ihr und ihrem Mann gelungen, die gemeinsamen Söhne zu einer medizinischen Studie anzumelden, für die eine ungeimpfte Kontrollgruppe nötig gewesen sei. „Bei der Schuleingangsuntersuchung hatten wir dann eine Ärztin da, die diese Studie direkt anfechten wollte und gesagt hat, sie würde das beim Gesundheitsamt melden“, schildert Lisa. „Das ist jetzt auch ein Dreivierteljahr her - und bis jetzt ist nichts passiert.“

Die Nachweispflicht zu umgehen, gilt in Deutschland als Ordnungswidrigkeit. Vor allem jedoch sei es aus medizinischer Sicht nicht ratsam, das eigene Kind nicht gegen Masern impfen zu lassen, mahnt Oberarzt Johannes Hübner: „Man denkt immer, das sind die Kinderkrankheiten, das ist harmlos“, weiß er. „Aber es ist wirklich eine sehr, sehr schwere Krankheit.“

Bekannt ist die Zahl der gefälschten und nicht erbrachten Impfnachweise dennoch nicht. Auf Nachfrage des ZDF-Teams heißt es in einem Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums, dass ein zentrales Register „zu erhöhtem Aufwand und zusätzlichen Bürokratiekosten führen“ würde - und deshalb „weder verhältnismäßig noch notwendig“ sei.

Zu sehen gibt es die Dokumentation „Masern-Impfbetrug: Immun nur auf dem Papier“ im Streamingportal des ZDF. (tsch)

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