Zoff im ZDF-„Morgenmagazin“AfD-Formulierung schockt Moderator: „Ihr Ernst?“

Eine Formulierung im Parteiprogramm der AfD sorgt für Zündstoff im „Morgenmagazin”.

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Eine Formulierung im Parteiprogramm der AfD sorgt für Zündstoff im „Morgenmagazin”.

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Eine Formulierung im Parteiprogramm der AfD sorgt für Zündstoff im ZDF‑„Morgenmagazin“. Moderator Andreas Wunn ist sichtlich schockiert über die Aussage.

Kurz bevor am Sonntag (20. September) in Mecklenburg-Vorpommern gewählt wird, laufen die Debatten heiß. Am Freitagmorgen hat das ZDF‑„Morgenmagazin“ in Schwerin die einzelnen Parteien eingeladen, um ihre Ideen für das Land vorzutragen. Und auch mit den Zuschauerinnen und Zuschauern diskutiert. 

Auch Enrico Schult, der Spitzenkandidat der AfD, war zu Gast bei Andreas Wunn im „Morgenmagazin“. Schult erläuterte zunächst die wirtschaftlichen Vorhaben seiner Partei, darunter „gut bezahlte Arbeitsplätze“ und „günstige Energiepreise“. Anschließend spitzte sich das Gespräch jedoch schnell zu.

Der Gastgeber sprach den AfD-Mann auf eine heikle Stelle im Parteiprogramm an. Dort steht die Aussage, die rot-rote Landesregierung arbeite „systematisch darauf hin, die deutsch geprägte Gesellschaft durch eine multikulturelle Gesellschaft zu ersetzen“.

Wunn hielt Schult vor, eine „rechtsradikale Verschwörungstheorie“ in umgeschriebener Form im AfD-Programm verwendet zu haben. Es gehe darum, dass „eine Elite die westliche Mehrheitsbevölkerung gezielt durch Einwanderung“ wolle. 

AfD-Politiker rechtfertigt die brisante Formulierung

Schult konterte den Vorwurf während der Sendung umgehend. „Das haben Sie falsch erklärt“, antwortete er dem Moderator. Die Passage nehme Bezug auf das „Integrations- und Teilhabegesetz“. Das Gesetz, das Meck-Pomm 2024 als eines der ersten Ost-Bundesländer verabschiedet hat und das auch in NRW existiert, soll eine verbindliche rechtliche Grundlage für die Förderung der Integration und Teilhabe von Menschen mit Einwanderungsgeschichte sein. 

Nach Schults Darstellung beabsichtige die Landesregierung, dadurch eine verbindliche Quote für Zuwanderer im öffentlichen Dienst zu etablieren. Die AfD sei gegen diese Quoten. „Die Menschen sollten entsprechend ihrer Ausbildung eingeschätzt werden.“

Wunn akzeptierte diese Rechtfertigung jedoch nicht. Er widersprach und erklärte, dass die Regierung des Landes keine verbindlichen Zuwandererquoten plane. Weitaus wichtiger sei jedoch der Wortlaut im Programm. „Sie haben sich entschieden, eine rechtsradikale, rassistische, antisemitische, sehr bekannte Verschwörungstheorie umzuformulieren und in Ihr Wahlprogramm zu schreiben“, so der ZDF-Moderator.

Dem Moderator reicht es: „Ist das Ihr Ernst?“

Sichtlich schockiert bohrte der Gastgeber weiter und unterstrich, dass die Formulierung nicht den Landtag, sondern die komplette Gesellschaft betreffe. „Sie sagen, ein Ziel der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern sei es, dass die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr deutsch geprägt sind“, resümierte Wunn und stellte ungläubig die Frage: „Ist das Ihr Ernst?“

Als Schult wiederholt auf die vermeintliche Quote in der Landesregierung zu sprechen kam, reichte es Wunn: „Das ist doch Quatsch.“ Er machte deutlich, dass die Passage den Auftakt für einen kompletten Themenblock im Programm bilde und die Bezeichnung des Gesetzes erst deutlich später genannt werde. „Sie schreiben: ,die Gesellschaft ersetzen‘. Das ist doch Unsinn! Warum schreiben Sie so was?“, wollte der Moderator wissen. 

Wunn erklärte, die AfD bediene sich so bei einer rechtsradikalen Verschwörungstheorie. „Was sagt das über die AfD aus?“ Schulte entgegnete: „Gar nichts, weil ich diesen Vorwurf zurückweise. Es handelt sich um das Integrations- und Teilhabegesetz im Schweriner Landtag. Wir sagen, wir brauchen keine Quoten. Die Menschen sollten entsprechend ihrer Ausbildung eingeschätzt werden.“

Diese Erzählung vom „großen Austausch“ stellt einen Kernbestandteil rechtsextremer Weltanschauungen dar und wird von Organisationen wie der rechtsextremistischen Identitären Bewegung propagiert. Ihr Ursprung liegt beim französischen Autor Renaud Camus, welcher 2011 eine „ethnische und kulturelle Substitution“ beschrieb. Ebenso verwendeten AfD-Vertreter wie Alexander Gauland schon früher den Ausdruck „Bevölkerungsaustausch“.

Die Wahl eines neuen Landtags in Mecklenburg-Vorpommern findet am Sonntag statt. Eine aktuelle ZDF-Umfrage zeigt, dass die SPD (37 Prozent) von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig  jetzt vor der AfD liegt (36 Prozent). Schwesigs SPD legte drei Prozentpunkte zu, die AfD büßte einen Punkt ein. Für die CDU deutet sich indes ein Wahldebakel an: Sie verliert einen Prozentpunkt und steht nun bei 6 Prozent. (mg)

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