Immer häufiger werden Konzerte und Festivals kurzfristig abgesagt. Hinter den genannten Gründen versteckt sich jedoch oft ein anderes Problem: Die Ticketverkäufe bleiben hinter den Erwartungen.
Immer mehr AbsagenKonzerte und Festivals: Eventbranche steckt in der Krise

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Max Giesinger bei einem Auftritt. Der beliebte Sänger und Songschreiber muss auch ein Konzert wegen zu geringer Ticketnachfrage absagen.

Die Nachrichten treffen fast im Stundentakt ein. Immer mehr Konzerte, Festivals und Veranstaltungen müssen abgesagt werden. Manchmal sprechen die Verantwortlichen von produktionsbedingten Gründen, mal wird das sommerliche Wetter vorgeschoben.
Doch in Wirklichkeit steckt hinter zahlreichen Entscheidungen schlicht die bittere Wahrheit: Die Menschen kaufen derzeit keine Karten für Events. Viele Veranstalter würden ein fettes Minus verzeichnen, wenn sie die Termine nicht streichen.
Wincent Weiss, Max Giesinger und Gabriel Kelly sagen Konzerte ab
Die Arena auf Ewald in Herten meldete am Mittwoch (8. Juli 2026), dass das für den Abend geplante Konzert mit Loi und Lönneberger kurzfristig abgesagt sei. Ausschlaggebend waren die nicht zufriedenstellenden Vorverkaufszahlen. „Am Ende war es eine Entscheidung gegen das Herz, aber für die wirtschaftliche Vernunft“, hieß es in der Arena.
Kein Einzelfall. „Das tut mir richtig weh. Das bricht mir ein bisschen das Herz, muss ich ganz ehrlich sagen“, schrieb Wincent Weiss (33) zu der Tatsache, dass sein am 14. August im nordhessischen Willingen geplantes Konzert „ersatzlos abgesagt“ wurde. „Der Ticketverkauf reicht nicht aus, um die Produktion auf wirtschaftlich stabile Beine zu stellen“, sagte der Veranstalter.
Gabriel Kelly (25) musste sogar seine komplette Tour bis auf einen Auftritt abblasen. „Es ist natürlich richtig scheiße, das wäre meine erste eigene Tour gewesen“, so der Kelly-Family-Star. Doch aufgrund von zu geringen Ticketverkäufen würden sich die Konzerte nicht lohnen. „Ich bin leider nicht der einzige, der davon betroffen ist“, sagt er.

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Gabriel Kelly wollte seine erste Solo-Tour mit neun Konzerten spielen. Bis auf einen Termin musste er alle Auftritte absagen.
Auch Sänger und Songschreiber Max Giesinger (37) reiht sich ein. „Leider müssen wir das Konzert in Steinbach-Langenbach am 22. August absagen“, teilte er seinen Fans schweren Herzens mit. Der Grund auch dort: „Es wurden leider nicht genügend Tickets verkauft, um die Show wie geplant realisieren zu können.“
Er habe keine Wahl gehabt. „So eine Show auf die Beine zu stellen, ist inzwischen mit sehr hohen Kosten verbunden“, erklärte der Musiker. „Deshalb muss sie am Ende leider auch wirtschaftlich funktionieren.“ Giesinger ließ noch einen Appell los: „Wenn ihr wisst, dass ihr auf ein Konzert gehen wollt, hilft es uns total, wenn frühzeitig Tickets gekauft werden. So können wir besser planen und solche Absagen im besten Fall vermeiden.“

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Mega-Festivals wie Rock am Ring finden vor ausverkauftem Haus statt, während kleine und mittlere Events ums Überleben kämpfen.
Aber genau da liegt das Problem. Inzwischen entscheiden viele immer kurzfristiger, was sie unternehmen möchten. Die hohen Kosten für den Alltag, das Wetter, andere Freizeitangebote – viele Faktoren spielen da eine Rolle. Für Veranstalter fällt dadurch jegliche Planungssicherheit weg. „Es wird immer riskanter, ein Event zu planen, da kaum jemand bereit ist, Monate im Voraus Tickets zu kaufen“, sagt ein Kölner Veranstalter zu EXPRESS.de.
Ernst-Ludwig „Ernest“ Hartz ist schon ein alter Hase im Business. Aber auch er spürt beim Bonner KunstRasen aktuell die angespannte Lage. „Seit Monaten ist das Kaufverhalten der Menschen durch die hohen Lebenshaltungskosten ohnehin gebremst. Eine Zurückhaltung in dieser Form habe ich seit 2012 noch nicht erlebt.“
Trotzdem würden die Bands die Gagen immer weiter erhöhen. „Viele Gruppen wollen lieber weniger Konzerte geben, bei denen sie dann aber richtig kassieren. Deshalb werden die Ticketpreise für 2027 noch einmal drastisch anziehen“, sagt er voraus.

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Der deutsche Rapper Montez trat in Bonn vor einem ausverkauften KunstRasen-Gelände auf. Solche Kulissen bräuchten die Veranstalter noch bei zahlreichen weiteren Konzerten.
Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft bezeichnet die Lage als „angespannt“. Die Produktionskosten seien seit der Pandemie „um rund 50 Prozent gestiegen“. Ticketpreise hätten dagegen „nur um etwa 30 Prozent“ erhöht werden können. Besonders drastisch sei die Entwicklung bei Künstlergagen, die sich „in Teilen sogar verdreifacht“ hätten.
Während Top-Künstler wie die Foo Fighters, Linkin Park, The Weeknd, Bruno Mars oder die Toten Hosen Stadien spielend füllen, sparen sich viele Fans den Besuch einer mittelgroßen oder kleineren Veranstaltung. Das Motto: Lieber einmal 200 Euro für den Mega-Star als dreimal 60 Euro für andere Konzerte.
Die Konzertbranche erlebt eine Zwei-Klassen-Krise: Während Mega-Events wie Rock am Ring oder das Glücksgefühle Festival und Stadiontourneen Rekordumsätze feiern, kämpfen kleine bis mittlere Festivals, Clubs und Nischen-Veranstalter ums nackte Überleben. Rund 1800 Musikfestivals konkurrieren in Deutschland um ein Publikum.
Eine Studie über die Generation Z hat zudem gezeigt, dass den jungen Menschen andere Dinge als das klassische Ausgehen am Samstagabend wichtiger seien, Roadtrips oder Naturerlebnisse beispielsweise. Hinzu kommen andere Ernährungsgewohnheiten. „Die jungen Leute trinken viel weniger Alkohol. Der Bierumsatz ist aber ein echter Wirtschaftsfaktor auf Festivals“, sagt ein Veranstalter.
Kosten um 50 Prozent gestiegen, Ticketpreise nur um 30 Prozent erhöht
Andererseits explodieren die Kosten für GEMA-Zahlungen, Toiletten, Zäune, Bühnenbau, Energie und Security. Die Mindestlohnerhöhung verursacht bei einem Event wie dem KunstRasen pro Veranstaltungstag allein 3000 Euro mehr an Kosten. Pro Konzerttag haben die Macher schon ohne die Künstlergage Ausgaben von rund 150.000 Euro. Das Geld will erst einmal verdient werden.
Deshalb ist manchmal nur die Absage das Mittel der Wahl. In Bonn traf es den Auftritt der Boygroup Blue am 27. August. Als Grund wurden logistische Probleme, die außerhalb des Einflussbereichs der Band liegen, genannt. Eine weitere Umschreibung für die großen Probleme, in denen die Eventbranche steckt.
