Ob im Café, am Tresen oder in der Klinik: Die Erlebnisse seiner Anhänger mit dem Schauspieler aus Köln enthüllen seine wahre Persönlichkeit.
„Heiße Socken haste an!“Leser teilen ihre rührendsten Momente mit Ralf Richter

Copyright: @hajoegie
Joe G. traf Ralf Richter in Köln.
Man kannte ihn als Raubein mit einem riesigen Herz, als Hitzkopf mit dem markanten Sound des Ruhrgebiets. In der deutschen Filmlandschaft war Ralf Richter eine Institution und besonders in Nordrhein-Westfalen allgegenwärtig. Abseits seiner berühmten Auftritte im Kino und TV haben zahlreiche Menschen auch ganz private Momente mit Richter im Kopf, der zu Beginn dieser Woche von uns ging.
Auf Instagram starteten wir einen Aufruf an unsere Community, uns mitzuteilen, was ihnen zu Richter einfällt: Anekdoten, persönliche Momente oder Zitate, die sich eingeprägt haben.
Die Begegnung im Klinik-Fahrstuhl
Womöglich die herzerwärmendste Anekdote stammt von einem Follower, der Richter just nach einem chirurgischen Eingriff traf. „Nach meiner Bandscheiben-OP konnte ich die ersten Schritte wieder gehen. Ich stieg in den Krankenhausaufzug, und Ralf Richter stieg dazu“, teilt @homestream.pictures mit. „Er sah mich von oben bis unten an und meinte trocken: „Heiße Socken haste an!“ Er meinte meine Thrombosestrümpfe. „Nur für dich, Ralle“, sagte ich.“
Dies war aber nicht das einzige Zusammentreffen der beiden. Ein Kollege aus seinem Job, der von der Schwärmerei des Followers wusste, sprach Richter direkt an: „Ralf schrieb mir daraufhin einen kleinen Zettel mit Autogramm, den mein Kollege mir später brachte. Eine schöne Geste. Aber am meisten bleibt mir wohl dieser Aufzugsmoment im Gedächtnis. Ruhe in Frieden, Ralf.“
Bemerkenswert viele Anekdoten haben ihren Schauplatz nicht an einem Drehort, sondern direkt im Herzen von Köln. „Ich habe Ralf Richter öfters mal in Köln, meistens Breite Straße gesehen“, berichtet @mrs.anite. „Erst am Samstag saß er in einem Café auf der Ecke und rätselte mit einem Sudoku (es sah zumindest für mich so aus). Als ich gestern die Nachricht hörte, konnte ich nicht glauben. Jetzt werde ich ihn leider nicht mehr in der Stadt sehen. Sehr traurig …“
Follower @hajoegie kann sein Treffen exakt datieren: „Habe ihn am 25. Mai 2020 nahe Breite Straße getroffen. Freundlich wie immer.“ Und @thordin30 hat einen Augenblick am Bahnhof im Kopf: „Ich hab ihn mal am Hbf in Köln getroffen, mit Frau und seinen zwei Hunden. Habe nach einem Foto gefragt und er hat sehr nett und freundlich reagiert. Leider habe ich durch mehrere Handywechsel dieses Bild nicht mehr.“
Zuweilen genügte schon eine einzige Bemerkung. „Nebeneinander sitzen in der Bahn in Ehrenfeld. Ewig her“, teilt @jes_friedsam mit. „Ich gucke ihn an und sage „Ich finde dich toll“ und er lächelt – eben genauso, wie man es von ihm kennt.“
Der sensible Mensch hinter Kalle Grabowski
Dass die Person hinter den polternden Charakteren eine völlig andere Seite hatte, schildert @i.the.wytchfinder. Er jobbte während seines Masterstudiums in einem Geschäft für Platten und Filme in Köln, wo Richter ein regelmäßiger Kunde war: „Mit einer geradezu akribischen Gründlichkeit durchforstete er die Filmregale – immer auf der Suche nach irgendetwas, das ihn interessierte. Er kam so häufig, dass wir ihn schon kannten.“
In dem Geschäft gab es Postkarten mit bekannten Filmsprüchen, auch einer aus „Bang Boom Bang“. „Irgendwann fasste ich mir ein Herz: Ich bat Ralf Richter, eines seiner legendären Kalle-Grabowski-Zitate zu signieren. Und er tat es tatsächlich. Total unprätentiös, schüchtern, leise. Wie ein Kumpel von nebenan. Gar nicht wie Kalle Grabowski oder seine üblichen Rollen, sondern so, wie ein Feingeist, wie der, der Ralf Richter wohl gewesen war.“
„Eine freie, verrückte und sehr coole Zeit“
Eine Anekdote stammt unmittelbar vom Drehort: Der Darsteller @nicolayweller verkörperte in der zweiten Season von „Was nicht passt, wird passend gemacht“ den „Alki“ am Kiosk. „Ralf war am Set eine richtig coole Socke – in den Pausen qualmte es aus seinem Wohnwagen, und er war einfach immer locker drauf.“
Doch es ging über die berufliche Zusammenarbeit hinaus: „Später haben wir uns noch im legendären Ratinger Hof in Düsseldorf getroffen und die Nacht durchgefeiert. Irgendwann war Ralf dann sogar mit seinen Jungs bei mir zu Hause und wir haben dort weitergemacht. Das war damals einfach eine freie, verrückte und sehr coole Zeit.“ Seine Schlussfolgerung: „Ralf war für mich jemand, der geradeaus und aufrichtig war und für jede coole Nummer zu haben – ob am Set oder einfach beim Feiern und Leben.“
Was in beinahe jeder Nachricht deutlich wird: Richter war immer zugänglich. „Er war uns als Fans immer sehr sympathisch“, teilt @beesuperfly mit. „Egal wo wir ihn gesehen und gefeiert haben, hat er entweder zurückgegrüßt oder gewunken. Möge er in Frieden ruhen. (red)
