Harald Glööckler Horror-Kindheit: „Es war niemand da, als meine Mutter totgeschlagen wurde“

Modedesigner Harald Glööckler zeigt sich bei der Präsentation seiner Lifestyle Kollektion im Rahmen der Berlin Fashion Week.

Ex-Dschungelstar Harald Glööckler war bei Komiker und Show-Gastgeber Kurz Krömer zu Gast und erzählte dort bewegende Geschichten aus seinem Leben. Das Foto stammt vom 12. März 2022.

Kurt Krömers begegnungsreiche Sendung „Chez Krömer“ ist oft genug für skurrile Momente und komische Schlagabtausche gut. In der aktuellen Ausgabe jedoch gab es harten Gesprächsstoff. Modezar Harald Glööckler eröffnete ihm den ganzen gewaltsamen Horror seiner Kindheit.

Lustig wurde es der aktuellen Ausgabe der rbb-Show „Chez Krömer“ nur ganz am Anfang. „Warum hat der keinen Maulkorb?“, sprach Kurt Krömer (47) seinen Gast Harald Glööckler (56) auf dessen handliches Mitbringsel an, den Papillon-Zwergspaniel Billy King. Die Replik: „Weil Sie auch keinen haben.“ Schlagfertiger kann man als Besucher der wohl außergewöhnlichsten Talkshow des deutschen Fernsehens nicht in eine Sendung starten.

Im gewohnten Verhörraumambiente hatte sich Krömer die vergleichsweise leichten Themen für den Beginn zurechtgelegt. Warum Harald Glööckler trotz gesegneter Einnahmesituation in diesem Jahr ins Dschungelcamp gegangen ist? Weil es im Lockdown zu langweilig war –„ich lebe vom Stattfinden“. Die in der RTL-Show rege verhandelte Ehekrise sei inzwischen „Schnee von gestern“, beschied der Modedesigner mit dem schillernden Äußeren. Sein Ehemann gehe die Depressionsprobleme inzwischen an. „Er hat begriffen, dass er da was ändern muss. Er ist auf einem guten Weg und hat auch Hilfe.“

Vertieft wurde das Thema an der Stelle nicht – wiewohl Kurt Krömer als Experte gelten darf. Sein Erfahrungsbericht über seine eigene Depression („Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“) thront seit drei Wochen auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste (für jede neue Woche lackiert Krömer einen Fingernagel golden). Der Komiker und Moderator hatte sich einen noch härteren Gesprächsgegenstand vorgenommen. Glööcklers traumatische Kindheit.

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Harald Glööcklers Vater war „ein Schläger“

„Es gibt keine Sekunde in meiner Kindheit, in der ich keine Angst haben musste, dass die Mutter blutend am Boden liegt oder tot ist“, sagte der 56 Jahre alte Designer. „Irgendwann kam es dann auch zum schrecklichen Ende“, sprach er den gewaltsamen Tod der Mutter an, den er mit 13 Jahren verkraften musste. Der Vater, „der ein Schläger war“, hatte sie die Treppe hinuntergestoßen und war anschließend zur Arbeit gegangen, während der Sohn Hilfe holen musste.

„Als Kind denkt man immer, man ist mit dran schuld, man hätte es verhindern können“, erinnerte sich Glööckler an das schreckliche Erlebnis. Bei der Aufarbeitung als Erwachsener sei ihm schrittweise bewusst geworden, dass sowohl der Vater als auch die Mutter ihren Anteil an der fatalen Täter-Opfer-Beziehung gehabt hätten, „und dann ist man irgendwann mit beiden durch. Dann sollte man besser einen Deckel draufmachen.“ Der Mutter werfe er vor: „Wieso hat sie mir das angetan? Sie hätte diesen Mann auch verlassen können.“

Nach drei Tagen im Krankenhaus sei sie an inneren Blutungen verstorben. Der Vater wurde nie zur Rechenschaft gezogen – als Ursache für den tödlichen Sturz wurde ein Unfall angenommen. „Sie hat mir das Versprechen abgerungen, nicht darüber zu reden. Die Ärzte wollten auch nicht das große Drama aufrollen. Wo kein Kläger, da kein Richter.“

Harald Glööckler berichtet von seinen Missbrauchserfahrungen

So lebte der damals noch minderjährige Glööckler weitere fünf Jahre beim Vater. „Das war nicht einfach. Dieser Mann – ich sage bewusst nicht mein Vater – hatte Leberzirrhose im Endstadium. Er sah weiße Mäuse, ist nachts durchs Haus und hat geschossen.“ Die alarmierte Polizei habe den Sohn abgewiesen: „Wenn nichts passiert ist, kann man nichts machen.“ Mit 14, 15 Jahren habe er dann die Entscheidung treffen müssen, ob er es wage, den Hausarzt zu verständigen und den Vater in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Zwei- dreimal habe er es riskiert, den Zorn des Vaters auf sich zu ziehen. Aber vergebens. „Die haben ihn wieder rausgelassen. Der hat denen gedroht, und dann stand er wieder vor der Tür.“

Damit nicht genug. Auch über eine Missbrauchserfahrung in seiner Kindheit sprach Glööckler freimütig. Ein Freund der Familie habe sich nach einem Sonntagsausflug an ihm vergangen. „Das Schlimme ist: Sie kommen nach Hause. Da ist der Terror. Sie können mit dem Vater nicht darüber reden, mit der Mutter auch nicht. Da habe ich es verdrängt.“ Erst Jahre später sei ihm der Missbrauch bei der Betrachtung eines Fotos wieder gewahr geworden. „Das zeigt, wie groß der Horror und Terror in dieser Kindheit war.“ Den Missbrauch verglich er mit der Situation, „wenn im Krieg eine Granate einschlägt“. Ein Schock unter vielen.

Harald Glööckler: „Es hat keiner ein Recht, mich zu verurteilen“

„Waren diese ganzen traumatischen Erfahrungen die Geburtsstunde für die Figur Glööckler?“, wollte Kurt Krömer am Ende dieser aufwühlenden Berichte wissen. „Ja“, kam die Antwort prompt, „und dafür, dass ich Frauen das Leben schöner machen wollte. Ich habe so viel Schreckliches gesehen, dass ich mir gesagt habe: Jetzt möchte ich nur noch Schönes sehen.“

Sein Lebensmotto beschrieb Glööckler so: „Was ich heute mache, ist, meine Kindheit nachzuholen. Die ganze Gesellschaft hat versagt. Es war niemand da, als meine Mutter totgeschlagen wurde. Es war auch hinterher niemand da, der sich gekümmert hat. Es hat keiner ein Recht, mich zu verurteilen.“ (tsch)

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