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Grönland-Politiker überrascht in TV-Doku mit Trump-Aussage„Herr Präsident, machen Sie weiter so“

Ein Politiker Grönlands steht den Plänen von US-Präsident Donald Trump überraschend positiv gegenüber. (Bild: ARTE)

Ein Politiker Grönlands steht den Plänen von US-Präsident Donald Trump überraschend positiv gegenüber. (Bild: ARTE)

Die Übernahmepläne des US-Präsidenten Donald Trump sind für viele Einheimische in Grönland ein Schock gewesen. Eine aktuelle ARTE-Reportage zeigt neben vielen sorgenvollen Bewohnern aber auch auf, dass es nicht nur negative Reaktionen gibt.

Im Jahr 1953 wurde Grönland „dekolonisiert“. Politisch gehört die größte Insel der Welt allerdings noch immer zu Dänemark. Das möchte US-Präsident Donald Trump nun ändern. Der 79-Jährige macht kein Geheimnis daraus, dass er Grönland zu einem Teil der USA machen möchte. Wirtschaftlich sind die vielen Bodenschätze reizvoll. Schließlich legt der Klimawandel immer mehr Mineralien frei. Trump selbst gründet seine Ansprüche vor allem auf die geostrategisch wertvolle Lage.

Doch was sagen die Bewohnerinnen und Bewohner Grönlands eigentlich selbst zu einer möglichen Annexion?

Die Unabhängigkeit ist auf Grönland seit Jahrzehnten ein Dauerthema. „Ehrlich gesagt - im Moment sind wir unter dänischer Herrschaft und einfach kein unabhängiges Land“, sagt der auf der Insel geborene Nukannguaq Zeeb in der aktuellen ARTE-Reportage „Re: Grönland zwischen Dänemark und Trump“. Auch Minen-Vorarbeiter Niels-Ole ist auf Grönland geboren und bezeichnet mehr Autonomie als „einen Traum für viele Grönländer“, aber auch als „einen langen Weg“.

Das sagen die Einheimischen in Grönland zu Trumps Übernahmeplänen

Donald Trump will Grönland zu einem Teil der USA machen. Doch was sagen eigentlich die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel dazu? (Bild: 2025 Getty Images/Alex Wong)

Donald Trump will Grönland zu einem Teil der USA machen. Doch was sagen eigentlich die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel dazu? (Bild: 2025 Getty Images/Alex Wong)

Einige Anwohnerinnen und Anwohner halten Grönland noch nicht bereit für die völlige Unabhängigkeit. Immerhin finanziert die dänische Regierung den grönländischen Haushalt mit rund einer halben Milliarde Euro im Jahr. Eine Frau meint daher: „Jedes Land will unabhängig sein, aber es ist die Frage, ob das überhaupt möglich ist. Wir sind gerade einmal 56.000 Menschen. Meiner Meinung nach sind wir dafür noch nicht bereit. Wir brauchen Ärzte, Lehrer ... Wir brauchen viele Menschen, die dieses Land verwalten. Aber ich hoffe, dass wir irgendwann unabhängig sein werden.“

Inwiefern passen die Pläne der USA aber in diesen Traum?

„Als Trump darüber sprach, dass er Grönland kaufen will, haben wir das zunächst nicht ernst genommen. Wir haben sogar darüber gelacht und haben gesagt: 'Wie genau will er uns denn kaufen?'“, erzählt ein Einheimischer. Doch dann seien die Pläne des US-Präsidenten immer konkreter geworden „und wir haben angefangen, uns Sorgen zu machen“, berichtet er weiter. Von der dänischen in eine amerikanische Abhängigkeit zu geraten, ist für die meisten Grönländer keine Option, wie die ARTE-Reportage zeigt. Es gibt allerdings nicht nur negative Stimmen.

Ein Mann sagt: „Natürlich habe ich gehört, dass Trump Grönland kaufen oder irgendwie übernehmen will. Das finde ich interessant. Ob er das aber wirklich macht? Glaube ich nicht.“ Auch eine Frau blickt den Übernahmeplänen des US-Präsidenten eher gelassen entgegen und meint: „Ich sehe zwei Dinge: Zum einen schenken uns die Dänen mehr Aufmerksamkeit und zum anderen wird Grönland in der Welt bekannter.“

„Viele Jahre konnte Dänemark uns drohen“

Das sieht ein Abgeordneter ganz ähnlich, den das Filmteam im grönländischen Parlament in der Hauptstadt Nuuk trifft. Der setzt sich mit seiner Partei zwar für mehr Unabhängigkeit Grönlands ein, zeigt sich aber auch offen für eine Zusammenarbeit mit den USA: „Viele Jahre konnte Dänemark uns drohen: 'Ihr werdet isoliert, wenn ihr die Unabhängigkeit wollt. Niemand will mit euch zusammenarbeiten.' Und plötzlich sagte der US-Präsident: 'Nein, wir kümmern uns um sie. Wir sind bereit.'“

Er sei einer von wenigen Politikern gewesen, die darauf positiv reagiert und gesagt haben: „Herr Präsident, machen Sie weiter so, denn wir werden davon profitieren. Nicht weil wir amerikanisch sein wollen, sondern weil wir grönländisch sein wollen. Das ist es, wonach wir streben.“

Die komplette Reportage „Re: Grönland zwischen Dänemark und Trump“ ist bei arte.tv zu sehen. (tsch)