Aus dem unpolitischen Festival wurde das politischste des Jahres. Bei „stern TV“ sprachen Lukas Podolski und Manager Markus Krampe über den Glücksgefühle-Eklat.
Nach Glücksgefühle-EklatPoldi und Krampe bei „stern tv“: „Das hat sehr getroffen“
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Er kam als „Kaiser von Köln“ – so begrüßte Moderator Steffen Hallaschka Lukas Podolski am Mittwochabend bei „stern tv“. Neben dem Ex-Fußballer saß Manager Markus Krampe. Beide hatten einigen Erklärungsbedarf nach dem Wirbel der letzten Wochen.
Denn ihr Glücksgefühle-Festival, zu dem am vergangenen Wochenende 250.000 Menschen pilgerten, war eigentlich als unpolitisches Ereignis gedacht: 50 Auftritte auf drei Bühnen, gute Laune, Feiern. Am Ende wurde daraus wohl das politischste Festival des Jahres. Grund genug für „stern tv“, den gesamten Vorfall ausführlich in einer eigenen Sendung zu thematisieren.
„Die Leute sollen mal vorsichtig sein, ein Podolski kann auch anders“
Ein Fernsehteam hatte Krampe und Podolski zuvor beim Festival begleitet. Spürbar wurde dabei vor allem, wie sehr die Kritik den Kölner Ex-Kicker getroffen hat. „Die Leute sollen mal vorsichtig sein, ein Podolski kann auch anders“, sagte er damals bei einer Pressekonferenz – ein Satz, der neue Kritik auslöste, weil er für viele wie eine Drohung klang.
Hallaschka wollte wissen, was Podolski so „wild“ gemacht habe. Der Weltmeister von 2014 erklärte, er kenne solche Situationen aus seiner Fußballkarriere, da habe man einiges durchgemacht. Eigentlich habe er da eine „dicke Haut“. Poldi: „Das Zitat entstand aus der Emotion heraus, war auch nicht an alle gerichtet, also meine Fans zum Beispiel. Ich wollte damit sagen, dass man mich nicht in eine Ecke stellt, die ich nicht unterstütze oder in der ich nicht stehe. Ich bin nicht für Nazis, oder was die Leute sonst behaupten.“
Podolski erinnerte an seine eigene Geschichte, an seine Großeltern aus Polen und daran, was sie dort erlebt haben. Er habe selbst viele queere Freunde, Freunde aus allen Ländern. „Allein deshalb hat mich das sehr getroffen und deshalb war ich so emotional.“
Manager Markus Krampe wollte den Alltag ausschließen
Der Vorstoß des Managers, politische Ansagen vom Festival zu verbannen, wurde öffentlich. Ausgerechnet an einem Wahlwochenende. Das führte zum Shitstorm. Hallaschka erläuterte, wie das bei vielen Menschen ankam: Der Vorwurf, Krampe und Podolski hätten etwas gegen liberale Positionen, war schnell da.
Manager Krampe legte seine Sicht der Dinge dar: Den Anfang habe alles bereits vor dem Festival genommen. Alphaville war für mehrere Veranstaltungen gebucht, eine Show fand in Hamburg statt, der Manager sei mit seiner Mutter dort gewesen. Mitten im Konzert habe die Band über die Wahl in Sachsen‑Anhalt gesprochen. „Wählt die Nazis nicht, die haben 40 Prozent“, hätten Alphaville auf der Bühne gerufen, schilderte Krampe die Szene. Seine Reaktion: „Darauf war ich in der ersten Sekunde nicht vorbereitet. Ich bin zum Tourmanager und habe gefragt, ob das sein muss. Die Leute haben jeden Tag mit Politik zu tun, du musst nur den Fernseher anmachen. Die Situation ist sehr beschissen. Könnt ihr das nicht weglassen?“
Krampe stellte gleichzeitig klar: „Das hatte nichts damit zu tun, dass ich vielleicht für eine Partei oder gegen eine andere bin.“
„Die Leute zwei, drei Tage rausholen“
Pop und Konzerte seien doch immer auch ein politischer Moment, gab Hallaschka zu bedenken, und nannte die Loveparade als Beispiel. „Das stimmt“, antwortete Krampe – und erklärte: „Ich unterscheide da, mache selbst auch Veranstaltungen, die politisch sind, das queere Rainbow Festival. Da ist es ausdrücklich gewünscht.“ Glücksgefühle sei dagegen ein Festival, „um die Leute zwei, drei Tage aus dem Alltag rauszuholen“.
Seinen Fehler räumte der Manager offen ein: „Es war natürlich naiv, zu denken, dass die Künstler sich von mir beeinflussen lassen, das nicht zu tun.“ Er habe sich bereits entschuldigt. „Dennoch, mir darf das als Manager nicht passieren, dass ich mich von Emotionen leiten lasse.“ Und er stellte klar: „Wir können alle beruhigen, wir ticken garantiert nicht rechts. Daher trifft es einen umso mehr, wenn man im Netz so durchbeleidigt wird. Es war schon arg.“
Noch keine Aussprache mit Alphaville
Auch Podolski stellte anschließend klar: „Es ist wie im Sport oder wie im Privatleben. Wer Fehler macht, steht dazu.“ Markus Krampe erklärte daraufhin, mit Alphaville selbst habe es bislang noch keine Aussprache gegeben. „Die Fronten waren da natürlich schon verhärtet“, so Krampe. Die Manager hätten vermittelt. Inhaltlich stellt er sich aber hinter die Bands: „Wir unterschreiben aber alle Statements, die die Künstler dann auf der Bühne gemacht haben, ausdrücklich. Wenn es gegen Rassismus, Sexismus geht oder dafür, für Menschenrechte einzutreten, sind wir ja ganz vorne mit dabei.“
Podolski zog am Ende ein Fazit – auf seine kölsche Art: „Ich spreche nochmal in meinem Namen. Ich als Lukas Podolski kann mich entschuldigen. Da war keine Absicht dahinter. Ich liebe alle Menschen, komme aus Köln. Bei mir sind alle willkommen. Ich bin derselbe Poldi wie vor dem Festival.“
Und geschadet hat der ganze Wirbel dem Festival offenbar nicht. Krampe nennt Zahlen: Im letzten Jahr seien 15.000 Tickets vorreserviert worden. „Jetzt stehen wir für nächstes Jahr bei 45.000.“ (mg)

