Vor genau einem Jahr trat Donald J. Trump seine zweite Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten an. Seither ist nicht mehr viel so wie davor. Allerdings auch - seinen Versprechen zum Trotz - nicht viel besser. Wo aber führt der Weg von Donald Trump hin, was ist sein Ziel? Eine ZDF-Doku sucht Antworten.
Ex-US-General warnt in neuer Trump-Doku„Man sollte sich große Sorgen machen“

Copyright: 2026 Getty Images/Tom Brenner
Er will zeigen, wo's lang geht. Und zwar allen. US-Präsident Donald Trump sieht sich als großes weltpolitisches Genie. Die ZDF-Doku „Donald Trump - König im Weißen Haus?“ beleuchtet das „System Trump“. (Bild: 2026 Getty Images/Tom Brenner)
Abraham Lincoln (1808-1865), der erste republikanische Präsident der USA, warnte einst davor, „dass ein Mensch, der sich für das größte Genie hält, verbunden mit einem Verlangen, bis zum Äußersten zu gehen, einmal aus unserer Mitte aufsteigt“. Mit diesem Zitat beginnt die Reportage „Donald Trump - König im Weißen Haus“ (ZDF) von Elmar Theveßen und Annette Brieger.
Es scheint, dass Lincolns schlimme Befürchtung wahr wurde, in Person von Donald John Trump, dem 45. und 47. Präsidenten der USA. Während Trump in seiner zweiten Amtszeit nicht nur in seinem Land, sondern der ganzen Welt für Unruhe sorgt, beleuchtet die Dokumentation das „System Trump“ und man muss sich fragen: Wie weit wird Donald Trump noch gehen?

Copyright: ZDF/Fabian Gatza
„Das goldene Zweitalter beginnt jetzt“, versprach Trump bei der Amtseinführung vor einem Jahr. Die Realität: In North Carolina wird von der „größten Hungerkrise seit 20 Jahren“ gesprochen. (Bild: ZDF/Fabian Gatza)
Für Randy Manner, den ehemaligen stellvertretenden Kommandeur der Nationalgarde, ist die Antwort klar: „Es ist sehr gefährlich. Jeder Amerikaner sollte sich große Sorgen machen.“ Und nicht nur sie. Die demokratische Kongressabgeordnete Maxime Dexter meint: „Aus Trumps 'America First' ist 'einzig Amerika' geworden. Wäre ich ein Regierungschef in Europa, wäre ich sehr besorgt.“
Denn Donald Trump und seine Administration kennen scheinbar keine Grenzen. Das zeigt die Dokumentation deutlich. Kann sie auch, denn sie ist sehr aktuell, flocht auch die jüngsten Aufreger noch ein: die Entführung des venezolanischen Staatschefs Maduro, die Ermordung von Renée Good durch einen ICE-Agenten und Trumps Griff nach Grönland.
„Donald Trump ist wie ein Mafiaboss“

Copyright: 2026 Getty Images/Tom Brenner
Mit Donald Trump droht die alte Ordnung der Welt obsolet zu werden. (Bild: 2026 Getty Images/Tom Brenner)
Trump sagte vor Kurzem in seiner selbstverliebten Tonart des Superlativs, dass die einzige Begrenzung seiner Macht in der Weltpolitik „meine eigene Moral, mein eigener Geist“ sei. Mit beidem, scheint es, ist es nicht weit her, wenn man auf die Ereignisse der jüngsten Zeit blickt.
Moral? „Er bereichert sich selbst und seine Kumpane“, sagt Dexter. „Er will das Amt mit großer Beute verlassen für sich.“ Von den Deals, die er in aller Welt abschließt, profitieren meist Firmen, die entweder seinen Verwandten oder seinen Freunden gehören. John Bolton, ehemaliger nationaler Sicherheitschef und von Trump gefeuert und später strafrechtlich verfolgt: „Das ist in Amerika ohne Beispiel.“ Seit Amtsbeginn mehrte sich Trumps privater Reichtum um drei Milliarden Dollar, während in Amerika die Preise für viele Lebensmittel im zweistelligen Prozentbereich explodierten.
Wo ist die Moral, wenn Trump seine vermummten ICE-Agenten auch auf völlig legal in Amerika lebende auslandsstämmige Menschen Jagd machen lässt? Connor O'Donnell, Demonstrant der „No Kings“-Bewegung: „Er führt die Exekutive wie ein Mafiaboss. Er geht gegen jeden vor, der für die Constitution einsteht.“ Trump geht auf alles und jeden los, der ihm widerspricht. Feuerte Richter, Staatsanwälte und Kanzleien, die seine brutale Einwanderungspolitik nicht mittrugen. Wer nicht für ihn ist, ist Feind.
Ex-Sicherheitschef: „Trump redet wie ein Gebrauchtwagenhändler“

Copyright: 2026 Getty Images/Luke Johnson
Der Präsident ist laut aktuellen Umfragen nicht sonderlich beliebt. Doch noch halten sich die Proteste gegen Donald Trump in den USA in Grenzen. (Bild: 2026 Getty Images/Luke Johnson)
Und Geist? Bolton sagt: „Trump versteht das Spiel nicht, in dem er mitspielt.“ Und er meint innen- wie außenpolitisch. Bolton: „Trump ist Immobilienmakler, aber er redet wie ein Gebrauchtwagenhändler. Jeder Deal ist der beste der Geschichte. Aber es gibt wenig Substanz.“
Aber wer braucht Substanz, wenn er Rücksichtslosigkeit hat? Trump setzt sich über Regeln, Traditionen und Gesetze hinweg. Im Inneren will er die Rolle des Kongresses, der eigentlich laut Verfassung die legislative Macht ausübt, an sich reißen. Im Äußeren ignoriert er Bündnisse und Völkerrecht. „Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit“, tönte er und drohte neue Strafzölle gegen die europäischen Länder (unter anderem auch Deutschland) an, die ihm die Insel nicht auf dem Silbertablett servieren wollten.

Copyright: ZDF/Fabian Gatza
Shrimp-Fischer Craig Reaves findet Trump (immer noch) gut, weil er wegen der Strafzölle mit den asiatischen Biligimporten mithalten kann. Seine Schwester sagt: „Manchmal sollte Trump lieber die Klappe halten.“ (Bild: ZDF/Fabian Gatza)
Europa und die NATO, jahrzehntelang Partner der USA, werden nicht mehr als Verbündete, sondern als Gegner gesehen. Ihnen wirft Trump in der neuen nationalen Sicherheits-Strategie vor, Opposition zu unterdrücken und die freie Rede zu zensieren - also exakt das, was er zu Hause tut. Demonstrant Brian Lee: „Er tut exakt das, was Hitler in den 30er-Jahren tat. Und das erschreckt mich zutiefst.“
„Donald Trump würde sehr gerne ein Diktator sein“
Für Alyssa Farah Griffin, ehemalige Kommunikationschefin im Weißen Haus, ist das alles keine Überraschung, sondern von langer Hand vorbereitet „Er ist verliebt in die Macht.“ In den vier Jahren zwischen den Amtszeiten habe Trump genau überlegt, wie er seine Macht maximieren könne. Das Ziel? Kongressabgeordnete Dexter: „Donald Trump würde sehr gerne ein Diktator sein. Er bewundert eindeutig starke Männer, die Diktatoren dieser Welt.“

Copyright: ZDF / Andreas Reeg
Washington-Korrespondent Elmar Theveßen realisierte die Doku „Donald Trump - König im Weißen Haus?“ gemeinsam mit Annette Brieger. (Bild: ZDF / Andreas Reeg)
Es dämmert auch vielen von jenen, die Trump ins Amt wählten, dass etwas schiefläuft. Kongress-Dame Dexter: „Ja, sie wollten, dass er die Einwanderungspolitik durchsetzt. Aber sie wollten nicht, dass ihre legal lebenden Nachbarn schikaniert und verhaftet werden.“ Aber Trump zieht gnadenlos durch. 300.000 Einwanderer wurden verhaftet, weggesperrt, sind zum Teil einfach verschwunden. Das finden nur noch 36 Prozent der Amerikaner okay.
Und den 50 Millionen US-Bürgern, die nicht genug zu essen haben, ist es mindestens egal, denn sie kämpfen täglich ums nackte Überleben. Jobs verschwinden, die Inflation steigt, die Versorgung wird immer weiter reduziert, Mittel gestrichen. Und das trifft natürlich nicht Trump und die Gutsituierten, sondern die sogenannten einfachen Leute - von denen einst besonders viele Trump wählten.
Vor exakt einem Jahr versprach Trump bei der Amtseinführung: „Das goldene Zeitalter beginnt jetzt! Von heute an wird unser Land florieren und respektiert werden in aller Welt.“ Nichts davon wurde wahr, so schildert es die ZDF-Doku. Amy Beros, Präsidentin der gemeinnützigen Foodbank in North Carolina, die Lebensmittel an Bürger ausgibt, sieht eher „die größte Hungerkrise seit 20 Jahren“. Und Respekt in aller Welt? Angst und Sorge vielleicht. Aber Respekt?
Schon Abraham Lincoln warnte vor Menschen wie Donald Trump
Die Amerikaner haben den Geist gerufen. Viele wollten, dass Trump „das System sprengt“, heißt es in der Dokumentation. Aber der Geist hat übertrieben und jetzt kriegen sie ihn nicht mehr los. „Trump gefährdet die Wirtschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes, und er zerstört das Ansehen Amerikas in der Welt“, lautet das Fazit von Elmar Theveßen und Annette Brieger nach 45 interessanten und erschreckenden Minuten.
Kann das alles wahr sein? Ja, leider. Gibt es Hoffnung? Vielleicht. Abraham Lincoln hatte damals, als er warnte, schon einen Rat: „Wenn so einer kommt, braucht es Menschen, die zusammenstehen, an Regierung und Gesetzen festhalten und klug handeln, um seine Pläne zu stoppen.“
Vielleicht könnte es funktionieren, wie es Molleigh Reaves erträumt, die Tochter eines Shrimp-Fischers und Trump-Fans aus South Carolina: „Es sollte nicht Demokraten gegen Republikaner sein.“ Es sollte um Zusammenarbeit gehen, meint sie. Vielleicht ja Zusammenarbeit gegen ein gemeinsames großes Übel ...
„Donald Trump - König im Weißen Haus?“ läuft am Dinestag, 20. Januar, um 20.15 Uhr im ZDF und ist schon vorab in der ZDF-Mediathek zu sehen. (tsch)

