Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela spekuliert die Welt über die Auswirkungen von Donald Trumps Außenpolitik. So auch Sandra Maischberger, die ihre Gäste zu einer möglichen Annexion Grönlands durch die USA befragte. Vor allem John Bolton, ehemaliger Sicherheitsberater Donald Trumps, antwortete deutlich.
Ex-Trump-Berater bei „Maischberger“US-Einsatz in Grönland wäre „Ende der NATO“

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Der ehemalige US-Sicherheitsberater John Bolton warnte in der Sendung von Sandra Maischberger vor den möglichen Folgen von Donald Trumps Außenpolitik. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)
Nach dem Einsatz von US-Streitkräften in Venezuela und der Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro steht die Stabilität der Weltordnung einmal mehr infrage. Aussagen von US-Präsident Donald Trump, der auch Interventionen in Kolumbien, Mexiko und Grönland nicht ausschließt, tun dazu ihr Übriges. Vor allem ein Einsatz in Grönland wäre ein Tabubruch, denn das Gebiet wird zwar autonom verwaltet, ist aber dennoch ein Bestandteil von Dänemark - einem NATO-Mitglied.
Donald Trump und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth berufen sich in ihrem Vorgehen auf die Monroe-Doktrin, einer außenpolitischen Richtlinie aus dem Jahr 1823, die auf den damaligen Präsidenten James Monroe zurückgeht. Die Monroe-Doktrin sah US-Interventionen in Nord- und Südamerika vor, verbot diese aber gleichzeitig in Europa. Dennoch hat Trump wiederholt einen Anspruch der USA auf die Kontrolle über Grönland erhoben und das mit Sicherheitsinteressen seines Landes begründet.
Was also, wollte auch Sandra Maischberger in ihrer ARD-Talkshow wissen, würde es bedeuten, wenn die USA nach einem NATO-Mitglied greifen würden - in diesem Fall Dänemark. CDU-Außenpolitiker Armin Laschet glaubt, dass das Sicherheitsbündnis einen solchen Schritt nicht überleben würde - und bekam Zustimmung von prominenter Stelle.
John Bolton: „Es wäre eine politische Krise, wie wir sie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr erlebt haben“
Zugeschaltet war nämlich auch John Bolton, der während Trumps erster Amtszeit eine Zeitlang als Sicherheitsberater fungierte. „Das wäre wohl das Ende der NATO“, pflichtete er Laschet bei. Präsident Trump sei auch von Stimmen umgeben, „die eine Invasion Grönlands und eine Zerstörung der NATO als mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen bezeichnen würden“, so Bolton
Auch innenpolitisch sieht Bolton im Falle eines US-Einsatzes in Grönland dramatische Konsequenzen, die einer „vulkanartigen Explosion“ gleichkommen würden. „Es wäre eine politische Krise in der Regierung, wie wir sie vielleicht seit dem Bürgerkrieg nicht mehr erlebt haben“, warnte er weiter.
Dass Trump Bolton seinerzeit zu seinem Sicherheitsberater berufen hat, verwunderte damals viele. Denn Bolton stammt aus dem neokonservativen Lager der Republikaner, also dem Flügel der Partei, der der Linie von Ex-Präsident George W. Bush folgt, der als dominante Ziehkraft der Partei von Trumps MAGA-Bewegung abgelöst wurde. Während Trump damals predigte, die USA müssten sich aus außenpolitischen Konflikten heraushalten, stand Bolton für eine Politik, die militärische Interventionen als politisches Mittel nicht hinterfragt. Im Oktober 2025 wurde Bolton von der US-Regierung wegen der vermeintlichen Weitergabe von sensiblen Informationen angeklagt.
Trump lehnt Machtübernahme durch Nobelpreisträgerin Machado ab
Während Trump den US-Einsatz in Venezuela als juristische Maßnahme rechtfertigt, um sie in EInklang mit den MAGA-Prinzipien zu bringen, macht Bolton auch bei „Maischberger“ keinen Hehl daraus, dass er die Vorgehensweise des Präsidenten zumindest prinzipiell unproblematisch sieht. Denn im Gegensatz zu einem Militärschlag in Grönland sprach sich der 77-Jährige offen für US-Einsätze in Kuba und Nicaragua aus, um die jeweiligen Regierungen auszuschalten. „Ich hoffe, dass alle drei fallen“, sagte Bolton wörtlich - und signalisierte so prinzipielle Zustimmung für Trumps Eingreifen.
In den US-Medien kritiserte Bolton jedoch die nächsten Schritte des Präsidenten: Anstelle von Maduros Vize-Präsidentin Delcy Rodriguez müssten Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado und der von ihr unterstützte Politiker Edmundo González für Stabilität in ihrem Land sorgen. Trump lehnt eine Installation Machados jedoch ab, weil sie nicht über die nötige Unterstützung in der Bevölkerung verfüge. (tsch)
