U2, Thundercat und das Schlagerduo-Fantasy, das auf „Bube Dame König“ unter anderem über eine ungewöhnliche Spielenacht zu dritt singt: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
Eine besondere „Spielenacht“ mit FantasyDas sind die Musik-Highlights der Woche

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Fredi Malinowski (links) und Martin Hein haben gute Karten, wenn sie nun als Fantasy ihr neues Album „Bube Dame König“ veröffentlichen: Zuletzt landeten sie mit ihrer Musik regelmäßig ganz oben in den Charts. (Bild: Lars Laion)
Ein neues Album von Fantasy - was soll da schon passieren? Wer sich auf ganz normalen, harmlosen Schlagerschmalz einstellt, sollte allerdings gewarnt sein. Schlagerschmalz ja, aber bei mancher gewagten Textzeile werden die Fans ihren Ohren kaum trauen. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von U2 und Thundercat.
Fantasy - Bube Dame König

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Kleines Ostergeschenk von U2: Ohne Vorankündigung haben Bono (dritter von links) und Co. die EP „Easter Lily“ veröffentlicht. (Bild: Olaf Heine)
Sie lädt ihn zur „Spielenacht“ ein, sagt „Bring doch gerne noch jemanden mit“. Die Karten liegen auf dem Tisch zwischen Snacks und Weinbrand. Unter dem Tisch berühren sich Füße. Irgendwann fällt bei ihm der Groschen. „Du planst ein Spiel zu dritt!“ - So nimmt die Sache dann ihren Lauf in „Bube Dame König“, dem Titelsong zum neuen Album von Fantasy. Ganz schön aufregend, wie es da zugeht, fast schon skandalös - man fühlt sich ein bisschen erinnert an Roland Kaisers „Du, deine Freundin und ich“ vor ein paar Jahren.
Fredi Malinowski und Martin Hein mischen nun schon seit einigen Jahren ganz oben mit in der Schlagerszene, als Duo Fantasy standen sie seit 2013 mit sieben Langspielern auf Platz eins der Albumcharts. Jetzt, mit Album Nummer 15, haben die beiden offenbar besonders gute Karten. Um Poker, Skat, Canasta oder Mau-Mau geht's auf „Bube Dame König“ aber eigentlich nie. Im Eröffnungsstück „Ein anderer Duft“ wird schon ein knisterndes Fremdgeh-Szenario aufgemacht, im weiteren Verlauf singen Fantasy immer wieder über gefährliche romantische Abenteuer mit manchen „Lügen“ und „Tabus“. Viel Schlager-Herzschmerz-Stoff mit ein paar mutigen Schnappatmungs-Momenten. Aber am Ende ist die Welt bei Fantasy irgendwie doch wieder in Ordnung, auch in diesem unerhörten Titelsong: „Du willst es mit uns beiden, doch drei sind einer zu viel!“
U2 - Easter Lily

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So unkonzentriert wie er wären andere gerne: Thundercat präsentiert sich auch auf „Distracted“ als äußerst kreativer Geist mit vielen Ideen. (Bild: Brainfeeder)
Feiertage sind derzeit offenbar U2-Tage. Schon vor wenigen Wochen, zum Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch, präsentierten Bono, The Edge und Co. ohne Vorankündigung die EP „Days Of Ash“ - eine kleine Liedersammlung, mit der die irischen Rockgiganten auf den gegenwärtigen geopolitischen Wahnsinn reagieren und den Fans ein wenig Zuversicht spenden wollten. Jetzt sind da schon wieder sechs neue Lieder: Am Karfreitag haben U2, erneut völlig aus dem Nichts, das Mini-Album „Easter Lily“ veröffentlicht.
Der Titel, erklärt Bono in einer Botschaft an das U2-Publikum, sei eine Verneigung vor Patti Smith und ihrem 1978er-Werk „Easter“, das ihn seinerzeit sehr inspiriert habe. Der Fokus der „Easter Lily“-EP liegt aber trotzdem im Hier und Jetzt. Bono spricht von dem „Chaos da draußen in der Welt“ und singt, passend zu Ostern, von Wiedergeburt und Auferstehung. U2 zeigen sich hier also von ihrer nachdenklichen und spirituellen Seite. Im Hintergrund laufen derweil weiter die Arbeiten an etwas Größerem: ein vollwertiges neues Album, ausdrücklich konzipiert für die Live-Bühne. Laut und schmutzig (“noisy, messy“) soll es werden, verrät Bono. Wann der Nachfolger zum letzten Album „Songs Of Surrender“ (2023) auf den Markt kommt, ist noch nicht bekannt.
Thundercat - Distracted
Konzentrationsschwäche ist im digitalen Zeitalter längst so etwas wie eine neue Volkskrankheit geworden. Aber die meisten Menschen - und unter ihnen vor allem die Künstler - wären wohl liebend gerne so unkonzentriert wie Thundercat. Der US-amerikanische Bassist und Produzent hat zwischen Acid Jazz und Hardcore Punk schon die unterschiedlichsten Spezial-Genres bespielt, dabei stets brilliert und auch schon zwei Grammys gewonnen - unter anderem einen für seine bis dato letzte Platte „It Is What It Is“ (2020, bestes progressives R'n'B-Album).
Sechs Jahre nach „It is What It is“ meldet der im besten Sinne unfokussierte Ausnahmekünstler sich jetzt mit „Distracted“ (“Abgelenkt“) zurück. Es ist auch diesmal wieder ein musikalisches Spektakel, bei dem die Kreativität 46 Minuten lang nur so sprudelt. Psychedelia, Funk, Soul, Rap und viel retrofuturistischer Spaceship-Sound, das sind die groben Koordinaten für diesen kosmischen Trip durch Thundercats Künstlergeist. Für die insgesamt 15 Songs hat der 41-Jährige sich einige prominente Gaststars eingeladen (unter anderem Tame Impala, ASAP Rocky, Willow Smith). Natürlich ist da auch wieder ganz viel virtuose Bass-Fantasterei. Aber die steht - so „distracted“ ist das Ganze dann doch nicht - nie über dem musikalischen Gesamtbild. (tsch)

