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Das sind die besten Filme der Coen-Brüder

Am 8. März 1996 feierte „Fargo - Butiger Schnee“ Weltpremiere in den USA. Die Kriminal-Groteske gehört zu den beste Filmen von Joel und Ethan Coen, aber welchen Platz belegt sie in unserem Ranking? (Bild: © 1996 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc./All rights reserved)

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Am 8. März 1996 feierte „Fargo - Butiger Schnee“ Weltpremiere in den USA. Die Kriminal-Groteske gehört zu den beste Filmen von Joel und Ethan Coen, aber welchen Platz belegt sie in unserem Ranking? (Bild: © 1996 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc./All rights reserved)

Joel und Ethan Coen haben Filmgeschichte geschrieben. Zu ihren vielen Meisterwerken gehört auch die Groteske „Fargo: Blutiger Schnee“, die vor genau 30 Jahren Weltpremiere feierte. Zum Jubiläum zeigen wir die zehn besten Filme der Coen-Brüder.

Gesellschaftskritik und Groteske zugleich: Mit „Hudsucker - Der große Sprung“ (1994) gelang den Coen-Brüdern eine aberwitzige Persiflage über den vermeintlichen American Dream. (Bild: Concorde Filmverleih)

Copyright: Concorde Filmverleih

Gesellschaftskritik und Groteske zugleich: Mit „Hudsucker - Der große Sprung“ (1994) gelang den Coen-Brüdern eine aberwitzige Persiflage über den vermeintlichen American Dream. (Bild: Concorde Filmverleih)

Beruflich stehen Ethan und Joel Coen immer Seite an Seite. Unter der „Marke“ Coen-Brüder haben sie Kinogeschichte geschrieben. Virtuos pendeln sie zwischen Tragik und Humor. Ihre Filme sind zeitkritisch und zugleich postmodern. Schonungslos bissig rechnen sie mit der US-amerikanischen Gesellschaft ab. So wie in der großartigen Kriminal-Groteske „Fargo: Blutiger Schnee“, einer kompromisslosen Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft und ihrem Unterbau: Verbrechen und Gewalt. Vor genau 30 Jahren feierte der Kultfilm Weltpremiere, wir zeigen zum Jubiläum die besten Filme der Coen-Brüder im Ranking.

Platz 10: Hudsucker - Der große Sprung

Für den „großen Sprung“ - in den Tod - hätte auch der Protagonist von „A Serious Man“ (2009) allen Grund. So ernst, wie der Titel die Hauptfigur haben will, ist der Film aber nicht. (Bild: ARTE France / Focus Features)

Copyright: ARTE France / Focus Features

Für den „großen Sprung“ - in den Tod - hätte auch der Protagonist von „A Serious Man“ (2009) allen Grund. So ernst, wie der Titel die Hauptfigur haben will, ist der Film aber nicht. (Bild: ARTE France / Focus Features)

„Blood Simple - Eine mörderische Nacht“ ist der Debütfilm der Coen-Brüder. (Bild: ARTE France / River Road Productions)

Copyright: ARTE France / River Road Productions

„Blood Simple - Eine mörderische Nacht“ ist der Debütfilm der Coen-Brüder. (Bild: ARTE France / River Road Productions)

Gesellschaftskritik und Groteske zugleich - und dazu eine postmoderne Zitatenkiste: In „Hudsucker - Der große Sprung“ (1994) spielt Tim Robbins einen naiven Mitarbeiter eines New Yorker Konzerns, der von den Vorstandsmitgliedern zu ihrem Präsidenten gewählt wird. Die perfiden Pläne der Bosse durchkreuzt der neue Chef, indem er ungeahnte Ambitionen entwickelt. Die Manager hoffen eigentlich auf das Gegenteil: Ein Trottel an der Spitze soll den Aktienkurs abstürzen lassen, damit sie billig zugreifen können. Doch Norville Barnes hat plötzlich Ideen - etwa für einen kreisrunden Kinderspielzeug-Hit. Visuell ist der Film eine Liebeserklärung an das rasante Hollywoodkino der 1930er- und 40er-Jahre. Gleichzeitig steckt hinter der schrillen Komödie eine bissige Satire auf Kapitalismus, Karriereträume und die Mechanismen der Macht.

Platz 9: A Serious Man (2009)

In „Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?“ (2008) geben sich Stars wie Brad Pitt (Bild), George Clooney und John Malkovich die Klinke in die Hand. (Bild: TOBIS Film)

Copyright: TOBIS Film

In „Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?“ (2008) geben sich Stars wie Brad Pitt (Bild), George Clooney und John Malkovich die Klinke in die Hand. (Bild: TOBIS Film)

„O Brother, Where Art Thou?“ (2000) ist eine kurzweilige Komödie über die Odyssee dreier entflohener Sträflinge durch den Süden der USA in der Depressionszeit. (Bild: IMAGO / Allstar)

Copyright: IMAGO / Allstar

„O Brother, Where Art Thou?“ (2000) ist eine kurzweilige Komödie über die Odyssee dreier entflohener Sträflinge durch den Süden der USA in der Depressionszeit. (Bild: IMAGO / Allstar)

Für den „großen Sprung“ - in den Tod - hätte auch der Protagonist von „A Serious Man“ (2009) allen Grund. So ernst, wie der Titel die Hauptfigur haben will, ist der Film indes nicht, der zwischen Melancholie und schwarzem Humor die Lebenskrise eines jüdischen Familienvaters (Michael Stuhlbarg) verhandelt. Larry Gopnik ist Physikprofessor, Familienvater und ein Mann, der eigentlich alles richtig machen will - und dennoch gerät sein Leben aus den Fugen. Die Ehe zerbricht, die Karriere wankt, ein Nachbar macht Ärger. Hilfe sucht Larry bei Rabbinern, doch auch deren Antworten bleiben rätselhaft. Die Coens erzählen die Geschichte mit trockenem Humor und vielen autobiografischen Anklängen an ihre eigene Kindheit im jüdischen Milieu des amerikanischen Mittleren Westens. Dafür gab es zwei Oscar-Nominierungen (bester Film, bestes Drehbuch).

Platz 8: Blood Simple - Eine mörderische Nacht

In „Barton Fink“ (1991) spielt John Turturro einen Autor, der in der Alptraumfabrik Hollywood landet. (Bild: Universal Pictures)

Copyright: Universal Pictures

In „Barton Fink“ (1991) spielt John Turturro einen Autor, der in der Alptraumfabrik Hollywood landet. (Bild: Universal Pictures)

Ihren vielleicht größten Kiltfilm landeten die Coens mit der aberwitzigen Loser-Komödie „The Big Lebowski“ (1998). Der Dude ist einfach nur der Coolste. (Bild: ARTE / Roger Deakins NBCU)

Copyright: ARTE / Roger Deakins NBCU

Ihren vielleicht größten Kiltfilm landeten die Coens mit der aberwitzigen Loser-Komödie „The Big Lebowski“ (1998). Der Dude ist einfach nur der Coolste. (Bild: ARTE / Roger Deakins NBCU)

„Blood Simple - Eine mörderische Nacht“ ist der Debütfilm der Coen-Brüder und folglich auch ihre erste Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Frances McDormand, mit der Joel Coen seit 1984 verheiratet ist. Atmosphärisch dicht erzählt der düstere Psychothriller von einem Auftragskiller, der den Spieß umdreht. Statt das Liebespaar zu töten, macht er Jagd auf den Auftraggeber. Schon hier zeigen die Coens ihre Vorliebe für verschachtelte Plots, moralisch zweifelhafte Figuren und eine Spannung, die sich langsam, aber unerbittlich aufbaut. Die Geschichte spielt im heißen Texas, wo Misstrauen, Eifersucht und Gier eine Spirale der Gewalt in Gang setzen. Stilistisch orientiert sich der Film am klassischen Film noir, verbindet dessen düstere Atmosphäre aber mit einer überraschend modernen Bildsprache.

Platz 7: Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?

„Fargo: Blutiger Schnee“ ist auch ein Film über Gewalt und Natur. Großartig auch Frances McDormand als Polizistin, die nicht so harmlos ist, wie es den Anschein hat.
  (Bild: ZDF / tele - München)

Copyright: ZDF / tele - München

„Fargo: Blutiger Schnee“ ist auch ein Film über Gewalt und Natur. Großartig auch Frances McDormand als Polizistin, die nicht so harmlos ist, wie es den Anschein hat. (Bild: ZDF / tele - München)

Winterlich kalt ist es auch im New Yorker Stadtviertel Greenwich Village, wo der Musikerfilm „Inside Llewyn Davis“ (2013) Anfang der 1960er Jahre spielt. (Bild: Studiocanal)

Copyright: Studiocanal

Winterlich kalt ist es auch im New Yorker Stadtviertel Greenwich Village, wo der Musikerfilm „Inside Llewyn Davis“ (2013) Anfang der 1960er Jahre spielt. (Bild: Studiocanal)

Die Besetzung von „Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?“ (2008) ist mehr als beeindruckend. Stars wie Brad Pitt, George Clooney, John Malkovich, Tilda Swinton, Richard Jenkins und Frances McDormand geben sich in der aberwitzigen Agenten-Farce die Klinke in die Hand. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine CD, mit der ein ehemaliger CIA-Agent erpresst werden soll. Zwei Fitnessstudio-Angestellte wittern die große Chance auf schnelles Geld - verstehen aber kaum, worum es überhaupt geht. Die Coens treiben das Spiel mit Missverständnissen und übersteigerten Egos genüsslich auf die Spitze. Am Ende blickt selbst der Geheimdienst ratlos auf das Chaos. Eine bitterböse Komödie über Dummheit, Eitelkeit und die Absurditäten der Geheimdienstwelt.

Platz 6: O Brother, Where Art Thou?

„No Country For Old Men“ (2007): nie war ein Film düsterer,  selten eine Geschichte spannender. Ein absolutes Meisterwerk. (Bild: Paramount)

Copyright: Paramount

„No Country For Old Men“ (2007): nie war ein Film düsterer, selten eine Geschichte spannender. Ein absolutes Meisterwerk. (Bild: Paramount)

Die Coen-Brüder packen ihre Filme gerne voll mit Themen und Motiven und spinnen oft ein Netz aus Verweisen und Zitaten. „O Brother, Where Art Thou?“ (2000) ist dafür das beste Beispiel. In der Komödie sind die Spuren Homers ebenso zu finden wie die Echos des frühen Hollywoodkinos zu hören. George Clooney spielt einen charmanten Schwätzer, der seine beiden Mitgefangenen zu einer abenteuerlichen Reise überredet. Unterwegs begegnen sie Betrügern, Politikern, Sirenen und einem einäugigen Bibelverkäufer. Der Film ist zugleich Roadmovie, Märchen und Musikfilm - nicht zuletzt wegen seines viel gelobten Bluegrass-Soundtracks. Gleichzeitig unterhält die Odyssee dreier entflohener Sträflinge durch den Süden der USA in der Depressionszeit kurzweilig dank der leichthändigen Inszenierung Joel Coens.

Platz 5: Barton Fink

Auch „Barton Fink“ (1991) ist postmodernes Zitatenkino. Wer denkt nicht bei der Geschichte eines Schriftstellers (John Turturro), der in Hollywood der 1940er-Jahre kommerziell tauglichen Schund zu schreiben gezwungen ist, an die vielen enttäuschten Autoren in jener Zeit? An Raymond Chandler etwa oder William Faulkner. Auch Bertolt Brecht kommt einem in den Sinn und sein berühmter Satz über Hollywood, der ein „Markt“ sei, „wo Lügen verkauft werden“. Denn Barton Fink reist voller Idealismus nach Kalifornien - und landet in einem heruntergekommenen Hotel, in dem die Tapeten von den Wänden tropfen. Dort beginnt ein zunehmend albtraumhaftes Ringen mit einer Schreibblockade. Realität und Fantasie verschwimmen immer stärker. Der Film gewann 1991 in Cannes gleich drei der wichtigsten Preise, darunter die Goldene Palme.

Platz 4: The Big Lebowski

„The Big Lebowski“ (1998) über einen Späthippie, der den ganzen Tag am liebsten Joints rauchen und White Russian trinken würde, dann aber in einen Entführungsfall hineingerissen wird, gehört zu den beliebtesten Filmen der Coen-Brüder. Die Komödie beeindruckt durch die Fülle an Gags und Situationskomik, den Erfindungsreichtum der Filmemacher und durch die großartigen Darsteller, allen voran Jeff Bridges in der Titelrolle. Sein „Dude“ stolpert von einer absurden Begegnung zur nächsten, während er eigentlich nur seinen Teppich ersetzt haben will. Ein Kultklassiker, der sogar eigene Fan-Festivals hervorgebracht hat und in seiner Mischung aus Krimiparodie, Slacker-Komödie und surrealen Traumsequenzen bis heute einzigartig ist.

Platz 3: Fargo: Blutiger Schnee

„Fargo: Blutiger Schnee“ (1996) handelt von Menschen, die souverän wirken, es aber nicht sind, und von solchen, die naiv scheinen, es aber faustdick hinter den Ohren haben. Die von Frances McDormand gespielte Polizistin Marge gehört zur letzten Sorte, die allesamt verblödeten Kleinst- und Großverbrecher zur ersten. „Fargo“ ist aber auch ein Film über Gewalt und die Natur. Selten sahen Winterlandschaften im Film so schön aus wie hier. In der scheinbar friedlichen Provinz Minnesotas gerät ein dilettantisch geplanter Entführungsfall außer Kontrolle. Schritt für Schritt deckt Marge das Netz aus Lügen und Gier auf. Der Kontrast zwischen brutaler Gewalt und der ruhigen, beinahe gemütlichen Atmosphäre der Kleinstadt verleiht dem Film seine besondere Wirkung. Für ihre Rolle erhielt McDormand den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Platz 2: Inside Llewyn Davis

Winterlich kalt ist es auch im New Yorker Stadtviertel Greenwich Village, wo der Musikerfilm „Inside Llewyn Davis“ (2013) Anfang der 1960er Jahre spielt. Aber die Coen-Brüder verstehen es meisterhaft, die atmosphärische Kälte mit herzerwärmender Musik zu kontrastieren. Die Geschichte des in Existenznöten lebenden Musikers Llewyn Davis (Oscar Isaac) wurde vom Leben der Folkmusik-Ikone Dave Van Ronk inspiriert. Dieser schlägt sich von Couch zu Couch, von Auftritt zu Auftritt und versucht verzweifelt, als Künstler ernst genommen zu werden. Doch der große Durchbruch bleibt aus. Statt einer klassischen Aufstiegsgeschichte erzählen die Coens ein melancholisches Porträt eines talentierten Mannes, der vielleicht einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist - kurz bevor der Folk-Boom mit Bob Dylan beginnt.

Platz 1: No Country For Old Men

Mit „No Country For Old Men“ (2007), der Verfilmung von Cormac McCarthys gleichnamigem Roman, zogen die Coen-Brüder alle Register ihres Könnens. Selten war ein Film düsterer, selten eine Geschichte spannender und wohl nie ein Bösewicht böser. Im Zentrum steht ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen einem Vietnamveteranen, der zufällig auf eine Tasche voller Drogengeld stößt, und einem unaufhaltsamen Killer. Javier Bardem verkörpert diesen Auftragsmörder mit erschreckender Kälte. Die Coens erzählen die Geschichte fast ohne Musik - und erzeugen gerade dadurch eine unerträgliche Spannung. Der Lohn: Trotz seines abgrundtiefen Pessimismus wurde „No Country For Old Men“ mit dem Oscar als bester Film des Jahres ausgezeichnet. (tsch)

„Highlander - Es kann nur einen geben“ erschien vor 40 Jahren in den Kinos. Hauptdarsteller Christopher Lambert wurde mit der Rolle des unsterblichen schottischen Kriegers Connor MacLeod zum Hollywood-Star. Nun entsteht eine Reboot   des Films.    (Bild: kabel eins / 20th Century Fox Film Corporation)

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