„Ted Lasso“ macht doch weiter, und zwar besser als zuvor. In der neuen Staffel des Serienhits von Apple TV gehört das Spielfeld den Frauen.
Comeback mit Volltreffer„Ted Lasso“ spielt plötzlich in einer ganz anderen Liga

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Mit Coach Beard (Brendan Hunt) und der schroffen Alice Chilton (Tanya Reynolds) hat Ted Lasso (Jason Sudeikis, Mitte) zwei hervorragende Co-Trainer an seiner Seite. (Bild: © Apple TV / Collin Hutton)

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Ted Lasso (Jason Sudeikis) ist zurück: Dass ausgerechnet ein Mann die Lady Greyhounds trainiert, findet Alice Chilton(Tanya Reynolds) allerdings nicht so prickelnd. (Bild: © Apple TV / Collin Hutton)
Manchmal genügt ein Blick auf den Rasen, und man weiß sofort: Man ist wieder zu Hause. Drei Jahre nach seinem vermeintlich endgültigen Abschied kehrt „Ted Lasso“ dorthin zurück, wo man noch immer an das Gute im Menschen glauben darf. Der liebenswerteste Fußballcoach der Serienwelt übernimmt das neu gegründete Frauenteam des Londoner Clubs AFC Richmond. Das Ergebnis ist ein überraschend kluger Perspektivwechsel: Die vierte Staffel des preisgekrönten Serienhits „Ted Lasso“ wird am 5. August bei Apple TV angepfiffen. Anschließend erscheint immer mittwochs eine neue der insgesamt zehn Episoden.
Mittlerweile weiß Ted Lasso (Jason Sudeikis) immerhin, dass Abseits keine ansteckende Krankheit ist. Viel mehr Fußballfachmann ist der ehemalige American-Football-Coach aber auch in Staffel vier nicht geworden. Mit Coach Beard (Brendan Hunt) bleibt der langjährige Weggefährte an seiner Seite, vor allem aber gewinnt Richmond mit Alice Chilton (von der großartigen Tanya Reynolds gespielt) eine herausragende, wenngleich ziemlich schroffe Co-Trainerin. Während Ted Menschen erreicht, versteht Alice das Spiel - und die besonderen Dynamiken in einer Frauenkabine.
Fußball ist für alle da

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Spare Ribs für die Gäste: Leslie (Jeremy Swift, links) Clubchefin Rebecca (Hannah Waddingham, zweite von links) und Keeley (Juno Temple) sind extra nach Kansas geflogen, um Ted Lasso zur Rückkehr zu AFC Richmond zu überreden. (Bild: © Apple TV / Michael Becker)
Die Rückkehr nach Richmond fühlt sich erstaunlich selbstverständlich an. Die Dialoge funkeln wie ehedem, und die vertraute Wärme ist auch sofort wieder da. Es ist ein bisschen wie das erste Heimspiel nach einer viel zu langen Sommerpause: Alles wirkt bekannt, und doch gibt es viel Neues zu entdecken. Mit Clubchefin Rebecca (Hannah Waddingham), Marketing-Genie Keeley (Juno Temple), Roy „Fucking“ Kent (Brett Goldstein) und dem emsigen Leslie Higgins (Jeremy Swift) sind alte Bekannte im Kader, drängen sich aber nicht in den Vordergrund.

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Ted Lasso (Jason Sudeikis) ist von Rebeccas (Hannah Waddingham) Angebot nicht sofort zu 100 Prozent überzeugt. (Bild: © Apple TV / Michael Becker)
Denn das Spielfeld gehört den Lady Greyhounds im Speziellen und dem Frauenfußball im Allgemeinen. Und das ist längst überfällig. „Ted Lasso“ nutzt den Neustart nicht nur für neue Figuren, sondern auch für neue Themen. Die Serie zeigt, mit welchen Hürden Frauenfußball bis heute kämpfen muss.

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Den Lady Greyhounds gehen die Spielerinnen aus: Ted Lasso (Jason Sudeikis) und Coach Alice Chilton (Tanya Reynolds) ergreifen ungewöhnliche Maßnahmen, um den Kader aufzufüllen. (Bild: © Apple TV / Collin Hutton)
So teilen sich die Lady Greyhounds eine heruntergekommene Kabine mit Jugendteams, während die Männer luxuriöse Bedingungen genießen. Sponsoren sind schwer zu finden, Medieninteresse muss hart erarbeitet werden, und manchmal fehlt es sogar an den einfachsten Dingen wie Trikots. Hinzu kommen Fragen, über die der Männerfußball kaum nachdenken muss: Schwangerschaft, Mutterschaft oder Kinderbetreuung lassen sich nicht einfach aus dem Spielplan streichen.
Bereicherung an allen Ecken und Enden

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Die temperamentvolle Pub-Besitzerin Mae (Annette Badland) kümmert sich um Ted Lasso (Jason Sudeikis) und seinem Sohn Henry (Grant Feely). (Bild: © Apple TV / Collin Hutton)
Chauvinismus, strukturelle Benachteiligung und alltäglicher Sexismus: „Ted Lasso“ benennt Missstände erfreulich klar. Und trotzdem verliert die Serie nie ihre größte Stärke aus den Augen. Hier wird nicht gepredigt, sondern erzählt. Hier wird nicht erklärt, warum Gleichberechtigung wichtig ist, sondern es wird gezeigt, weshalb sie im Alltag oft noch scheitert. Das ist witzig, pointiert und manchmal erstaunlich schmerzhaft - aber nie verbissen oder besserwisserisch. Zum Beispiel, wenn die Serie die Ironie thematisiert, dass mit Ted Lasso ausgerechnet ein Mann das Frauenteam trainiert.
Dass ein Großteil der Folgen von Frauen geschrieben und inszeniert wurde, spürt man in vielen kleinen Momenten. Neue Figuren wie die ehrgeizige Torjägerin Gemma (Abbie Hern), die unbeirrbare Lizzy (Faye Marley), die herrlich chaotischen Zwillinge Niamh (Aisling Sharkey) und Siobhan (Rex Hayes) oder die exzentrische Torhüterin Boots (Jude Mack), bereichern den AFC Richmond spürbar. Sie alle dürfen Ecken, Kanten und Schwächen haben - vor allem aber Frauen sein.
„Ted Lasso“ könnte weitere Staffeln bekommen
Und Ted Lasso? Der bleibt einfach Ted Lasso. Gerade in einer Fußballwelt, die noch immer von Ego, Lautstärke und Machismo dominiert wird, wirkt seine enervierende Freundlichkeit weder naiv noch kitschig, sondern irgendwie rebellisch. Ted interessieren die Menschen in den Trikots, in denen er vor allem das Beste sieht. Sein Optimismus war und ist das ganze Geheimnis der Serie.
Die geht im besten Fall übrigens in die Verlängerung. Offiziell ist noch nichts bestätigt, aber der „Hollywood Reporter“ weiß, dass sich die Autoren bereits Ende August wieder treffen und Jason Sudeikis auch für die Lady Greyhounds einen Erzählbogen über drei Staffeln im Sinn hat. (tsch)
