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Ikone gegen seinen WillenBob Dylan wird 85: Ein Leben zwischen Genie und Plagiatsvorwürfen

Sänger Bob Dylan

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Musiklegende Bob Dylan wird 85. (Archivbild)

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Bob Dylan: Die Legende, die er nie sein wollte, wird 85.

Es gibt etwas, das Bob Dylan sein Leben lang versucht hat, aber nie schaffte: keine Legende zu sein. Egal ob Protestsongs, Rockmusik, Country oder Gospel – sein Lebenswerk ist ein Eckpfeiler der Musik. Jetzt wird er 85, und seine Fans feiern ihn immer noch, selbst wenn seine Konzerte manchmal ziemlich schräg sind.

Bob Dylan

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Musiklegende Bob Dylan wird 85. (Archivbild)

Am 24. Mai 1941 kam Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota, zur Welt. Aufgewachsen ist er in der Bergbaustadt Hibbing. Seine Eltern stammten von ukrainisch-jüdischen Einwanderern ab und waren alles andere als begeistert von seinem Wunsch, Musiker zu werden. Doch der junge Folk-Fan brachte sich einfach selbst Gitarre und Klavier bei und textete schon als Teenager seine ersten Lieder.

New York: Der Startschuss für eine Weltkarriere

Mit 19 zog es ihn nach New York. Dort trat er in den kleinen Clubs von Greenwich Village auf, dem Epizentrum der 60er-Gegenkultur. Alles ging rasend schnell: Binnen Monaten hatte er einen Plattenvertrag und veröffentlichte sein Debütalbum. Damals legte er sich auch seinen Künstlernamen zu, inspiriert vom Poeten Dylan Thomas. Mit Robert Allen Zimmermann konnte er sich laut eigener Aussage nie identifizieren. Seine Idole waren damals Folk-Legende Woody Guthrie und Blues-Größen, darunter Robert Johnson oder Leadbelly.

1963 gelang ihm mit „Blowin' In The Wind“ der endgültige Durchbruch. Die Legende besagt, das Genie schrieb den Song in nur zehn Minuten. Im August desselben Jahres folgte der Auftritt mit Joan Baez beim historischen „Marsch auf Washington“ der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King. Vor über 100.000 Menschen performte er den Titel „When The Ship Comes in“ – direkt bevor King seine unvergessliche Rede „I have a dream“ hielt.

Damit wurde Dylan zur Stimme der Bürgerrechtsbewegung, aber nicht jeder jubelte. Kritiker warfen ihm vor, sich als weißer Musiker aus Minnesota zu sehr bei schwarzen Genres wie Blues und Gospel zu bedienen. Seinem Aufstieg schadete das aber nicht, genauso wenig wie die Tatsache, dass er nie als begnadeter Sänger galt. Der Poet wurde zur Symbolfigur des Wandels in Amerika. Doch die Rolle als Folk-Idol oder politischer Anführer lehnte er strikt ab.

Der „Judas“-Ruf und der Griff zur E-Gitarre

Dylan blieb unberechenbar und wechselte ständig seinen Stil zwischen Folk, Rock und Blues. Der nächste Schock für die Fans kam 1965, als er plötzlich elektrisch spielte. Viele seiner Anhänger fühlten sich betrogen. Legendär ist der „Judas“-Ruf, der ihm bei einem Konzert in Manchester entgegenschallte. Trotzdem wurden Alben wie „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ sowie „Blonde On Blonde“ zu Meilensteinen des Folk-Rock, die in keiner Bestenliste fehlen dürfen.

Mitte der 60er-Jahre lernte er seine zukünftige Frau Sara kennen, mit der er vier Kinder bekam. Die Familie zog 1967 nach Woodstock, New York. In seiner 2004 veröffentlichten Autobiografie „Chronicles Volume One“ beschreibt er, wie das Vatersein seine Sicht auf die Dinge komplett veränderte. Nichts sei ihm wichtiger gewesen als seine Familie. Die Medien stilisierten ihn jedoch weiterhin zum Gewissen einer Generation. Seine trockene Entgegnung: Er sei mehr ein Viehtreiber als eine Führungsfigur. Womöglich ein Grund, warum er seitdem Interviews meidet.

Der hohe Preis des Ruhms

Für diesen Kultstatus zahlte die Familie einen hohen Preis. Immer wieder belagerten Leute den Musiker. In der Zeit habe er sich danach gesehnt, in einem ganz normalen Leben versinken zu können, mit Job und einem Haus „mit einem weißen Zaun und pinken Rosen im Garten“.

Bob Dylan

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Diese Aufnahme von 1965 zeigt den jungen Dylan und seine Kollegin Joan Baez.

Das stürzte ihn kreativ in ein tiefes Loch. Ein wichtiger Teil seiner Inspiration war immer das Beobachten gewesen. «Aber nun konnte ich nichts mehr beobachten, ohne selbst beobachtet zu werden», schreibt er in «Chronicles Volume One». Um dieses Image abzuschütteln, machte Dylan mit voller Absicht schlechte Musik. Geholfen hat es kaum.

Ende der 70er-Jahre zerbrach die Ehe mit Sara. Viele deuten das Album „Blood on the Tracks“ als seine Art, die Krise zu verarbeiten. Direkt danach folgte der nächste Schock für seine Anhängerschaft: Der jüdisch erzogene Dylan konvertierte zum Christentum. Die nächsten drei Alben waren dem christlichen Rock gewidmet, und bei seinen Auftritten hielt er Predigten.

Comeback in den 90ern

In den 1990er-Jahren gelang Dylan ein beeindruckendes künstlerisches Comeback. Sein Alterswerk „Time Out Of Mind“ von 1997 brachte dem Poeten einen seiner zehn Grammys ein. Auch danach lieferte er alle paar Jahre gefeierte Platten ab, darunter „Modern Times“ (2006), „Tempest“ (2012) sowie „Rough And Rowdy Ways“ (2020). Seine Verkaufszahlen sollen bei weit über 100 Millionen Tonträgern liegen. Das Leben des Stars wurde mehrfach verfilmt, zuletzt in „A Complete Unknown“ mit Timothée Chalamet (30).

Auch mit Mitte 80 tourt Dylan noch und hat in den letzten zwei Jahrzehnten Tausende von Konzerten gegeben. Wer allerdings eine Greatest-Hits-Party zum Mitsingen erwartet, erlebt eine herbe Enttäuschung. Dylan ist berüchtigt dafür, seine Songs live neu zu erfinden, manchmal so sehr, dass man sie kaum wiedererkennt.

Kratzer an der Legende?

Im Laufe der Zeit wurden aber auch Vorwürfe laut, er habe sich bei anderen bedient, ohne die Quellen zu nennen. Sängerin Joni Mitchell fällte ein hartes Urteil über ihn: «Bob ist überhaupt nicht authentisch. Er ist ein Plagiator, und sein Name und seine Stimme sind falsch. Alles an Bob ist eine Täuschung.» Selbst seine verspätete Dankesrede zum Literaturnobelpreis 2017 soll er aus einer Lektürehilfe für Schüler abgeschrieben haben.

Seinem Status als „Shakespeare seiner Generation“ konnten diese Vorwürfe aber nichts anhaben. Bruce Springsteen fasste es einmal so zusammen: «Dylan war ein Revolutionär. So wie Elvis deinen Körper befreite, befreite Bob deinen Geist». Und die Rock ’n’ Roll Hall of Fame in Cleveland formuliert es schlicht: «Bob Dylans Einfluss auf die Musik ist unermesslich». (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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