„Bin ganz sicher nicht tot“So geht es Freddy Quinn an seinem 95. Geburtstag

Freddy Quinn - hier bei einem TV-Auftritt 2005 - feiert am 27. September seinen 95. Geburtstag. (Bild: IMAGO / STAR-MEDIA)

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Freddy Quinn - hier bei einem TV-Auftritt 2005 - feiert am 27. September seinen 95. Geburtstag. (Bild: IMAGO / STAR-MEDIA)

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Am 27. September feiert er seinen 95. Geburtstag: Freddy Quinn hat die deutsche Unterhaltung in der Nachkriegszeit geprägt wie kaum ein zweiter Künstler. Mit den falschen Geschichten und den Mythen um seine Person räumt er inzwischen aber gnadenlos auf.

Sein bislang letztes Lebenszeichen gab er angesichts einer Meldung von seinem eigenen Tod: Vor einigen Monaten hatte ein anonymer Nutzer im Wikipedia-Eintrag von Freddy Quinn eingetragen, dass der Sänger und Schauspieler am 4. Juni 2026 verstorben sei.

Er selbst reagierte auf Nachfrage der „Bild“ prompt und ungehalten: „Ich bin ganz sicher nicht tot. Diese Idioten!“

Freddy Quinn lebt zurückgezogen auf einem Bauernhof

Freddy Quinn, der am 27. September seinen 95. Geburtstag feiert, lebt inzwischen zurückgezogen auf einem Bauernhof, öffentliche Auftritte absolviert er längst nicht mehr. Dennoch ist er auch im hohen Alter immer noch für eine Schlagzeile gut. Und nicht nur seine eigene Todesmeldung, auch die wahren Umstände seines vermeintlich wilden Lebens, den Mythos um den Künstler Freddy Quinn wollte er in den letzten Jahren dann doch richtigstellen.

In seinem inzwischen korrigierten Wikipedia-Eintrag gibt es immer noch einen erstaunlichen Satz, der ziemlich einzigartig für das Online-Lexikon sein dürfte: „In diesem Absatz werden Ereignisse so dargestellt, wie sie bis 2025 in der Öffentlichkeit bekannt waren. Der Wahrheitsgehalt ist teilweise nicht gesichert“, steht über dem Abschnitt zu „Nachkriegszeit“. Denn eine Wahrheit über ihn wird es wohl nie geben, da Quinn sich im Laufe seines Lebens immer wieder selbst zu Details seines Lebens widersprach.

„Junge komm bald wieder“: Das Image des Seemanns bekam Freddy Quinn von seiner Plattenfirma verpasst. (Bild: IMAGO / United Archives)

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„Junge komm bald wieder“: Das Image des Seemanns bekam Freddy Quinn von seiner Plattenfirma verpasst. (Bild: IMAGO / United Archives)

So viel ist aber sicher: 1954 wird er in der Hamburger Washington Bar entdeckt, im selben Jahr wird Deutschland Fußball-Weltmeister - beides gehört zum Gründungsmythos der jungen Bundesrepublik. Quinn wird zum ersten deutschen Teenager-Idol, Deutschlands Antwort auf Elvis. 1956 vertritt er das Land beim ersten Eurovision Song Contest, es folgen Jahrzehnte voller Hits wie „Junge, komm bald wieder“ und „Heimweh“. Über 60 Millionen Tonträger verkauft er insgesamt, ehe er 2005 ein letztes Mal auf Tournee geht und drei Jahre später, nach dem Tod seiner langjährigen Lebensgefährtin Lilli Blessmann, seine Karriere endgültig beendet.

Der Junge, der zum Seemann gemacht wurde

In seinen Memoiren „Wie es wirklich war“, die er mit dem Journalisten Daniel Böcking verfasste, räumte Quinn 2025 mit der Legende auf, die ihn berühmt machte. Die Seemannsromantik, mit der ihn seine Plattenfirma Polydor und Produzent Lotar Olias ausstatteten, war erfunden: Tatsächlich hatte er als junger Mann nur wenige Monate auf einem finnischen Tanker verbracht - mit Kartoffelschälen.

„Mein aufregendes Seefahrerleben bestand zu 99 Prozent aus Kartoffelschälen“, sagte er damals der „Bild“. Auch die Geschichte von seiner Kindheit in den USA, wohin ihn sein Vater angeblich mitgenommen hatte und wo er zur Schule gegangen sein soll, entpuppt sich als PR-Erfindung: „Ich war nie in einer amerikanischen Grundschule, ich kannte meinen Vater nicht“, zitierte ihn der „Spiegel“ in einem großen Portrait anlässlich der Veröffentlichung der Biografie.

Mit seinen Sehnsuchts- und Fernweh-Schlagern eroberte Freddy Quinn (Bild aus „Freddy und der Millionär“) auch die Kino-Leinwand. (Bild: Filmjuwelen / Alive)

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Mit seinen Sehnsuchts- und Fernweh-Schlagern eroberte Freddy Quinn (Bild aus „Freddy und der Millionär“) auch die Kino-Leinwand. (Bild: Filmjuwelen / Alive)

Selbst über seine Herkunft kursierten jahrelang widersprüchliche Angaben - mal Wien, mal das österreichische Niederfladnitz, mal das kroatische Pula. Im Buch stellt Quinn klar: Geboren wurde er in Wien, als Manfred Nidl. Nach der Scheidung seiner Eltern adoptierte ihn später sein verhasster Stiefvater, fortan hieß er Nidl-Petz - ein Name, den er unbedingt loswerden wollte. Den Namen „Quinn“ entlehnte er einem US-Soldaten, den er als Teenager kennenlernte, und ließ ihn offiziell eintragen. Auch dass sein Vater ein Kaufmann namens Johann Quinn gewesen sein soll, wie es häufig heißt, weist er zurück.

2025 ging auch eine „Terra X History“-Doku auf Spurensuche: Was ist Wahrheit, was Mythos im Leben des Freddy Quinn? (Bild: ZDF / spring, georg)

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2025 ging auch eine „Terra X History“-Doku auf Spurensuche: Was ist Wahrheit, was Mythos im Leben des Freddy Quinn? (Bild: ZDF / spring, georg)

Richtiggestellt wird zudem eine über Jahrzehnte verschwiegene Beziehung: 50 Jahre lang war Lilli Blessmann an seiner Seite, offiziell aber immer nur als Managerin - die Plattenfirma hatte ihm feste Bindungen strikt untersagt. „Die Ansage der Plattenfirma war klar: keine Frauen. Ich musste ungebunden sein“, sagte Quinn im „Bild“-Interview und berichtete in den Memoiren auch freimütig von Affären während dieser Beziehung.

Quinn ist auch mit 95 „sehr lebendig“

Dass ihn sein Publikum jahrzehntelang für einen Seemann hielt, hat Quinn nie wirklich losgelassen - im Gegenteil, er trug das Image lange gern: „Das Image hat mir Türen geöffnet, mir Erfolg beschert.“ Schwerer wog für ihn, dass er als Schauspieler und ernsthafter Interpret kaum wahrgenommen wurde, obwohl er Verdi und Grieg sang, in Nashville aufnahm und 1965 mit „Spanish Eyes“ sogar in Johnny Carsons „Tonight Show“ auftrat - den Welthit landete später allerdings Al Martino.

Seit fast 20 Jahren tritt Freddy Quinn - hier bei einer Preisverleihung 2002 - nicht mehr öffentlich auf. (Bild: Peter Bischoff / Getty Images)

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Seit fast 20 Jahren tritt Freddy Quinn - hier bei einer Preisverleihung 2002 - nicht mehr öffentlich auf. (Bild: Peter Bischoff / Getty Images)

Eine Theaterkarriere auf großen Bühnen blieb jedoch ihm verwehrt: „Man hat mir gesagt, lass die Finger davon, das kannst du nicht. Die hielten mich für zu blöd“, sagte er dem „Spiegel“. In den Sechzigern versuchte seine Plattenfirma sogar, ihn mit Liedern wie „Wir“ zum reaktionären Gegenstück eines Bob Dylan aufzubauen - für die linke Studentenbewegung wurde er damit zur Hassfigur.

2023, im Alter von 91 Jahren, heiratete Quinn die Grafikdesignerin Rosi, die schon als Kind sein Fan war. Öffentliche Auftritte oder Talkshows lehnt er weiterhin konsequent ab, sein Buch soll die einzige Gelegenheit bleiben, die eigene Geschichte selbst zu erzählen. Gesundheitlich geht es ihm den Umständen entsprechend gut - das Gehör habe nachgelassen, ansonsten aber sei er erstaunlich fit und „sehr lebendig“, sagte Ehefrau Rosi im Juni nach dem „besorgten“ Anruf der „Bild“-Zeitung: „Freddy kann sehen wie ein Adler. Er hat Appetit wie ein Bär. Und schimpfen kann er noch wie ein Rohrspatz!“ (tsch)