Galas, Talk, Musik, Shows, Podcasts: Barbara Schöneberger ist im deutschen TV und darüber hinaus dauerpräsent. Seit 2022 moderiert sie mit „Verstehen Sie Spaß?“ einen Klassiker der Fernsehkultur. Ein Gespräch über die Besonderheiten der legendären Show, über ihre Anfänge und das Leben als Promi.
Barbara Schöneberger„Mich langweilt es total, wenn alle nur noch das Zeug sagen, das sie sagen sollen“

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Barbara Schöneberger in ihrem Element: Als Moderatorin großer Galas, wie hier beim Deutschen Fernsehpreis 2026, überzeugt sie seit Jahren. (Bild: 2026 Getty Images/Joshua Sammer)
Sie moderiert die großen Galas und zahlreiche Fernsehformate, singt live vor zehntausenden Menschen, produziert für Podcasts und Social Media, lockt in der NDR Talkshow seit Jahren Gäste aus der Reserve: Barbara Schöneberger gilt als eine Art Tausendsassa der deutschen Entertainmentbranche. Welche herausragende Stellung sie bei Kolleginnen, Kritikern und Publikum besitzt, verdeutlicht ihr kürzlich gelungenes Kunststück, beim Deutschen Fernsehpreis sowohl wie gewohnt eloquent zu moderieren (und zu singen) - als auch gemeinsam mit Stefan Raab prämiert zu werden. Ihre erste alleinige echte Live-Samstagabendshow war indes „Verstehen Sie Spaß?“ (Samstag, 10. Oktober, 20.15 Uhr, ARD), der legendäre Fernsehklassiker im Ersten, den die gebürtige Münchnerin und Wahlberlinerin seit 2022 moderiert und dabei gehörig modernisiert hat. Wie man sich auf eine gigantische Live-Sendung vorbereitet, wie sie auf ihre Anfänge zurückblickt und weshalb sie sich als Promi nicht vor der Öffentlichkeit abschirmt, verrät die 52-Jährige im Interview.
teleschau: Frau Schöneberger, wie geht es Ihnen kurz vor einer großen Live-Show mit Millionenpublikum?
Barbara Schöneberger: Für mich fühlt es sich oft so an, dass ich zu fast jedem Zeitpunkt meines Lebens kurz vor einer Live-Show bin! Was am Samstag passiert, ist für mich jetzt gerade noch weit entfernt. „Verstehen Sie Spaß?“ ist wirklich ein Walk in the Park - es gibt deutlich stressigere Sachen, denn ich weiß, dass da tolle Leute sind, die alles schon super vorbereitet haben. Ich gehe oft morgens zur Arbeit und bin am Abend erstaunt, dass sie das überhaupt senden, was ich da mache. Live ist aber immer schon eine etwas andere Spannung, die ich sehr mag und ich freue mich natürlich wahnsinnig auf meine Gäste und deren Reaktion auf die Filme.
teleschau: Viele meinen, Sie hätten das Format auf gute Weise modernisiert. Werden Sie noch mit ihren Vorgängern verglichen?
Schöneberger: Ich mache es halt, wie ich es mache - und die davor, wie sie es gemacht haben. Und es war zu jeder Zeit gute Unterhaltung, vor allem Familienunterhaltung.
teleschau: Wobei wir ja nicht mehr die seligen 80er-Jahre haben...
Schöneberger: Auch nicht mehr die seligen 90er- oder 00er-Jahre! Wir verlieren natürlich leider jedes Jahr als Fernsehanbieter Zuschauer, deshalb schauen wir in meinem Team eher auf die sehr gute Quote bei den Jungen. Aber die grundsätzliche Entwicklung habe ich nicht in der Hand. Ich gehe ja nicht raus und sage: „Heute will ich mal die 14- bis 49-Jährigen adressieren“.

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„Ich freue mich eher, wenn es mal ein bisschen anarchischer wird“: Barbara Schöneberger moderiert „Verstehen Sie Spaß?“ seit vier Jahren. (Bild: SWR/Benno Kraehahn)
teleschau: Bei „Verstehen Sie Spaß?“ handelte es sich einst um das sprichwörtliche TV-Lagerfeuer. Gehen Sie denn überhaupt noch mit dem Gedanken in die Show, dass sich da die ganze Familie um den Fernseher versammelt?
Schöneberger: So lange noch ein Fernseher bei den Leuten zu Hause steht, haben wir die Hoffnung, dass sich die Familie davor einfindet. Es wird bei uns extrem darauf geachtet, dass alles familienfreundlich ist - passend und geeignet für 3- bis 99-Jährige. Aber ich mache mir keine Illusionen, das sehe ich ja auch in meiner Familie: Wenn die Kinder älter werden, guckt meist jeder auf seinem eigenen Bildschirm was anderes. Deswegen freue ich mich über jede Familie, die mich auf der Straße anspricht und sagt, dass sie alle zusammen unsere Sendung geguckt haben. Wir bauen das ja auch so zusammen: Für die Jungen gibt es Selfiesandra, für die Älteren Peter Kraus. Diesmal gibt's übrigens Heino Ferch, Simone Thomalla, Horst Lichter, Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinato. Dann sind alle zufrieden.
„Mich langweilt es total, wenn alle nur noch das Zeug sagen, das sie sagen sollen“
teleschau: Läuft man bei aller Familienfreundlichkeit in diesen stark polarisierten Zeiten gerade live aber nicht dennoch schnell Gefahr, dass ein Gast mal eine unpassende Aussage trifft?
Schöneberger: Ja, aber dafür wäre ich ja nicht verantwortlich. Und was heißt schon „in diesen Zeiten“? Zeiten waren schon immer so. Irgendwas ist ja immer. Früher haben bei Live-Sendungen auch mal 15 Millionen Leute zugeguckt, da hatte man eine viel größere Zuschauerschaft. Ich möchte nicht abstreiten, dass es momentan herausfordernd ist, aber das kann ja nicht in meinem Kopf sein, wenn ich da rauskomme. Und ganz ehrlich: Ich freue mich eher, wenn mal jemand etwas nicht total Angepasstes sagt.
teleschau: Weil es weniger langweilt?
Schöneberger: Diese Angst davor, etwas Falsches zu sagen, ist doch der Grund, warum momentan alle wie auf rohen Eiern laufen und deshalb oft nichts Spannendes oder Neues mehr rumkommt. Mich langweilt es total, wenn alle nur noch das Zeug sagen, das sie sagen sollen, beziehungsweise das ihnen vorher „eingeflüstert“ wurde. Politiker, Geschäftsführer, Schauspieler, Fußballer - alle sind inzwischen geschult. Ich freue mich eher, wenn es mal ein bisschen anarchischer wird. Wobei politisch unkorrekte Momente nun eher nicht bei „Verstehen Sie Spaß?“ entstehen. Das ist aber ja auch nicht das Ziel der Sendung.
teleschau: Trotzdem sind Sie bekannt für Ihre Spontaneität und eine Art geplantes Chaos - manchen erinnert das ein wenig an die Art von Thomas Gottschalk.
Schöneberger: Thomas hatte einen ganz anderen Status bei „Wetten, dass ..?“. Der hat halt gesagt: Ich mach jetzt noch 30 Minuten länger. Das ginge heute so gar nicht mehr. Und wenn ich sehe, dass alle Redakteure Flecken im Gesicht haben vor Stress, weil unsere Sendung zu lang werden könnte, würde ich mich darüber auch nicht hinwegsetzen. Ich mache auch kein Chaos, sondern arbeite einfach wahnsinnig effizient.

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So vielbeschäftigt Barbara Schöneberger auch ist: „Ich habe kein Burnout und ich kriege auch keins“, sagt sie. (Bild: 2026 Getty Images/Adam Berry)
teleschau: Wie läuft so eine effiziente Arbeitsweise?
Schöneberger: Mein Autor, Christof Mannschreck, bereitet alles vor und ist für mich in diversen Vorgesprächen und Redaktionstreffen dabei. Er bereitet den Boden für die Dinge, die ich sicher sagen muss. Ich komme zur Probe, wir lesen seine Vorschläge zusammen mit der Redaktion, und dann sage ich, was sich davon für mich passend anfühlt und was ich lieber anders machen würde. Das erarbeiten wir dann gemeinsam. Im Vorfeld ändert sich oft so viel, dass es sich herausgestellt hat, dass ich mich nicht wirklich vorher mit der Show beschäftigen sollte, da es ja meine Aufgabe ist, eine gewisse Leichtigkeit und Stimmung zu verbreiten, damit am Ende die Promis bei uns auf der Couch und die Zuschauer zu Hause gemeinsam unsere liebevoll produzierten Filme gucken und lachen. Ich bin der Meinung, dass man das nicht totproben sollte.
teleschau: Würden Sie sagen, dass Sie inzwischen Ihre eigene Methode perfektioniert haben?
Schöneberger: Ich mache das jetzt seit über 20 Jahren. Ich habe früh gelernt, dass es für mich besser ist, wach zu sein und aufzupassen, was im Moment passiert und darauf zu reagieren. Natürlich mit einem „Bett“, das mir gut und sicher vorbereitet wurde und in das ich fallen kann, wenn mir mal was nicht spontan einfällt. Ich weiß vorher genau, was ich mir anschauen muss und was nicht. Ich bereite mich immer erst recht kurz vorher auf das vor, was dann abends ist. Manche Kollegen machen es ganz anders. Kai Pflaume zum Beispiel ist ja viel erfolgreicher als ich, dem schauen einfach mehr Leute zu. Der hat alles auswendig gelernt, weiß alles ganz genau, ist bei den Proben akribisch dabei und kommt zu bewundernswert guten Ergebnissen. Man kann eben auf verschiedene Arten ins Ziel reiten.
teleschau: Bei Ihnen klingt das so leichtfüßig.
Schöneberger: Ich sollte meine Arbeit wohl teurer und komplizierter verkaufen, als sie ist, mehr ein Geheimnis daraus machen. Aber eigentlich finde ich: Es gibt Komplizierteres, warum soll ich es also schwerer machen, als es ist? Es ist Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger.
„Ich habe kein Burnout und ich kriege auch keins“
teleschau: Ihre Moderationen sind so beliebt wie gefürchtet. Mats Hummels hat neulich erzählt, er habe beim Fernsehpreis absichtlich weggeschaut und den Blickkontakt gemieden, aus Angst, von Ihnen aufs Korn genommen zu werden.
Schöneberger: Mats Hummels war im Publikum? Warum sagt mir das keiner? Ich hatte den gar nicht auf meiner Liste, den hätte ich doch sofort mal drangenommen! Dann kommt er eben nächstes Jahr dran. Aber das passiert öfter. Johannes B. Kerner hat mich auch mit angstgeweiteten Augen angeschaut. Ich stand auf der Bühne, sprach vom „neuen Promi-Liebespaar“ und ging in seine Richtung. Da weiteten sich schon seine Augen - ich meinte aber Lanz und Precht!

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Einst gab es das Lagerfeuerfernsehen, heute sagt Barbara Schöneberger: „So lange noch ein Fernseher bei den Leuten zu Hause steht, haben wir die Hoffnung, dass sich die Familie davor einfindet.“ (Bild: 2022 Getty Images/Adam Berry)
teleschau: Wie blicken Sie eigentlich auf dieses Promi-Milieu abseits der Arbeit? Gehen Sie gerne über rote Teppiche?
Schöneberger: Ich war in meiner Freizeit noch nie auf einer Veranstaltung, auf der ich nicht selbst in irgendeiner Funktion auf der Bühne gestanden habe.
teleschau: Wirklich?
Schöneberger: Allein die Vorstellung, ich müsste mir ein Kleid besorgen, in die Maske gehen, ein Hotelzimmer buchen, anreisen - wo ja heute auch jeder Zug oder Flug verspätet ist - nur um mich dann in meiner privaten Zeit auf den roten Teppich zu stellen? „Barbara, Schulterblick, guck sexy, stell dich mal hier mit Jenny Elvers für ein Zweierfoto hin“ ... also nee! Man muss natürlich auch unterscheiden, manche müssen sich ja im Gespräch halten oder haben tatsächlich Spaß daran.
teleschau: Sie sind auch so unglaublich präsent, zwischen Fernsehen, Galas, Podcasts. Würden Sie sagen, Sie sind ein Workaholic?
Schöneberger: Ein Workaholic hat oft kein Gefühl für seine eigenen Grenzen. Ich kenne meine sehr gut. Nach der Arbeit fahre ich mit meiner Gang beim China-Imbiss vorbei, esse gebratene Nudeln und liege um neun im Bett. Dann geht's auch. Ich habe kein Burnout und ich kriege auch keins. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil ich nicht noch obendrauf mein Frühstück, meine Familie und meinen Urlaub permanent abfotografiere, um nach außen ein perfektes Bild abzugeben. Ich arbeite einfach gerne fünf Tage die Woche. Den ganzen Tag zu Hause vom Wohnzimmer ins Esszimmer zu laufen und Blumenarrangements zu machen, ist für zwei Tage nett, aber ich brauche diesen Wahnsinnsmotor der Arbeit. Das möchte ich auch meinen Kindern so vorleben. Wir müssen arbeiten, damit wir so schön leben können.
„Ich fahre auch mal im Bademantel zur Tankstelle“
teleschau: Sie halten Ihre Kinder komplett aus der Öffentlichkeit heraus.

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„Ich habe mich gnadenlos selbst sexualisiert“, sagt Barbara Schöneberger über ihre TV-Anfänge vor 25 Jahren. (Bild: 2023 Getty Images/Andreas Rentz)
Schöneberger: Mein oberstes Ziel ist, dass meine Kinder nicht das Gefühl haben, permanent mit einem Star durch die Stadt zu laufen. Manchmal sagt meine Tochter: „Komm wir gehen weiter, die haben dich erkannt.“ Aber ansonsten leben wir ein total normales Leben.
teleschau: Wie schauen denn Ihre Kinder auf Ihre Arbeit?
Schöneberger: Denen ist das völlig wurscht! Wenn ich nach Hause komme und erzähle: „Ich habe gerade vor 52.000 Leuten gesungen, das war aufregend!“, dann ist das für meine Kinder exakt das Gleiche, als würde ich sagen: „Ich war heute beim Bürgeramt in der Sektion A bis K und habe 70 Anträge ausgefüllt.“ Meine Tochter würde darauf ungefähr gleich reagieren. Es wird natürlich drüber gesprochen, aber meine Arbeit ist nicht in dem Maße Thema. Das finde ich wichtig.
teleschau: Manche Promi-Kinder stehen früh in der Öffentlichkeit ...
Schöneberger: Wir kennen ja kaum ermutigende Beispiele von prominenten Kindern, etwa in Hollywood, bei denen man das Gefühl hat, die gehen ganz normal ihren Weg. Mein oberstes Ziel ist, dass meine Familie durch meinen Beruf keine Einschränkungen hat und ein völlig normales Leben führt.
teleschau: So ein „normales Leben“ mit Kindern ist als Person der Öffentlichkeit in der heutigen Social-Media-Welt trotzdem wahrscheinlich schwerer denn je, oder?
Schöneberger: Ich finde das eigentlich gar nicht so schwer, man muss sich nur auf seine normalen Standards besinnen. Also: Wie bin ich aufgewachsen, was ist mein „Normal“? Es ist eben nicht normal, sein Kind schon mit acht Monaten in einem Kaschmirjäckchen bei Instagram zu posten, nur um am Ende den Kinderwagen umsonst zu kriegen! Dann machen sie noch ein Kinderbuch, das Kindchen wird noch mal durchs Bild geschoben, damit es wunderbar in eine sepia-gefärbte Perfektwelt passt und den Instagram-Auftritt komplettiert. Das finde ich absolut furchtbar und rege mich darüber wahnsinnig auf. So was gibt es bei mir einfach nicht, und das trägt auch Früchte. Es ist nicht unmöglich, seine Kinder normal zu erziehen.
teleschau: Brauchen Sie auch keine besondere Abschirmung im Alltag?
Schöneberger: Nein, überhaupt nicht! Mein Name steht draußen am Klingelschild vom Haus, da hat noch nie jemand geklingelt. Ich kenne Kollegen, die sind nur mit Bodyguards unterwegs, schirmen sich total ab, laufen nur mit Mützen und Sonnenbrillen herum. Das finde ich absolut verrückt. Ich meine, ich bin ja nicht J.Lo!

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„Ich mache das jetzt seit über 20 Jahren“, sagt Barbara Schöneberger: „Ich habe früh gelernt, dass es für mich besser ist, wach zu sein und aufzupassen, was im Moment passiert und darauf zu reagieren.“ (Bild: 2026 Getty Images/Joshua Sammer)
teleschau: Sie können also einfach einkaufen gehen und Bahnfahren?
Schöneberger: Ich fahre auch mal im Bademantel zur Tankstelle. Das interessiert hier in Berlin wirklich keine Sau! Je mehr Bohei du machst, desto mehr gucken die Leute. Wenn mir manchmal Kollegen - meistens Männer übrigens - erzählen, dass sie in Deutschland nicht mehr leben können, weil es mit dem Ruhm einfach zu krass ist und sie keine Bahn mehr fahren können ... Da denke ich mir: Wenn man so leben will, soll man es machen. Ich nicht.
teleschau: Sie meinten einmal, dass sie in Ihrem Privatleben fast nie über ihren Beruf sprechen würden ...
Schöneberger: Wenn mich jemand fragen würde, was die schönsten fünf Tage meines letzten Jahres waren, fallen mir nur private Momente ein: Grillabende mit Freunden, Mittsommer in Schweden, in den See springen. Dass ich einen Fernsehpreis gewonnen oder vor 52.000 Leuten gesungen habe, kommt mir da gar nicht in den Sinn. Das klingt immer komisch, weil ich das natürlich dennoch extrem zu schätzen weiß. Alles, was ich mache, ist wahnsinnig nett und lustig, mit meinem Team fühlt es sich oft an wie eine Reise in den Urlaub. Ich fliege da so drüber und freue mich - aber dann fahre ich auch wieder nach Hause. Was mein Leben ausmacht, sind ausschließlich private Sachen.
„Ich habe mich gnadenlos selbst sexualisiert“
teleschau: Bekannt wurden Sie einst durch Ihre Show „Blondes Gift“, die erste Ausgabe ist dieses Jahr 25 Jahre her. Heute wird oft gefragt, wie Sie sich in dieser damals sehr von Männern dominierten Branche durchgesetzt haben. Haben Sie darauf eine Antwort gefunden?
Schöneberger: Ich habe einfach gemacht. Ich war und bin der unpolitischste Mensch, den man sich vorstellen kann. Damals habe ich keinen politischen oder feministischen Ansatz verfolgt. Auch wenn heute oft gesagt wird, dass ich den jungen Frauen den Weg geebnet habe. Das tat ich ja teilweise auch mit zweifelhaften Mitteln.
teleschau: Welche Mittel waren das aus heutiger Sicht?
Schöneberger: Ich habe mich gnadenlos selbst sexualisiert, bevor es andere gemacht haben. Wenn heute Leute zu mir kommen und sagen: „Ganz schlimm, wie Harald Schmidt damals auf dein Dekolleté reagiert hat, wie hast du dich da gefühlt?“, dann antworte ich: Na ja, ich hab es ihm ja auch brutal hingestreckt. Ich bin dem doch schier auf allen Vieren ins Studio gekrochen! Er hat auf mich reagiert, wie ich mich präsentiert habe. Das war alles auf Sexiness aufgebaut, darauf, Grenzen zu überschreiten. Das war der einzig gangbare Weg damals in den Medien. Aber das habe ich selbst entschieden, dazu hat mich keiner gezwungen. Ich war am Anfang ein süßes blondes Mädchen, das noch nicht zu viel zu erzählen hatte. Aber ich hatte eben eine freche Schnauze, einen guten Körper und keine Angst.
teleschau: Gab es nie Momente, in denen Männer das ausnutzen wollten?
Schöneberger: Ich musste niemals zu einem Unterhaltungschef nachts ins Hotelzimmer, der mich im Bademantel empfangen hat. Ich hatte von Beginn an ein sehr solides Management. Wenn mal eine Grenze leicht angeschrammt wurde, habe ich daraus meine Schlüsse gezogen. Entweder du verhältst dich anders oder musst damit umgehen. Es war eine andere Zeit. Ich hatte keinen Auftrag, es war ein Spiel für mich. Ich habe die Karte gespielt, die ich hatte - und habe die auch selbst gespielt. Ich wurde nicht instrumentalisiert. Und im Gegensatz zu heutigen Influencern, die dann oft beleidigt sind, wenn sie missverstanden werden, aber hinter allem noch ein wirtschaftliches Interesse haben und irgendein Deo verkaufen wollen, hatte ich überhaupt keine Hintergedanken. Ich wusste aber auch: Irgendwann wird die Luft dünner, wenn du nur mit engen Kleidern um die Ecke kommst.
teleschau: Dann wollten Sie einen Imagewandel?
Schöneberger: Das ist knapp 20 Jahre her. Für mich war der mehr auf Inhalte gerichtet Schritt zur „NDR Talkshow“ enorm wichtig. Vom Verrückten zur Frage, was mach ich denn jetzt auf Dauer? Wie kann man sich einem großen Publikum präsentieren? Die Redaktion dort hat am Anfang alle Kritiker ignoriert, die sagten, ich könne das nicht, und hat mich in Ruhe machen lassen. Das lief in meinem Fall supergut, aber das muss natürlich nicht so laufen. Es gab viele Punkte in meiner Karriere, wo alles auf der Kippe stand. Das Wichtigste ist doch: Wir Frauen müssen die Deutungshoheit über unser eigenes Tun behalten. Wir müssen die Karten selbst spielen. Das ist für mich Emanzipation. (tsch)
