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Alleinerziehende Mutter spricht in ZDF-Doku über Geldsorgen„Dafür habe ich kein Abi gemacht!“

Schon mehr als sieben Jahre fühlt sich Melanie im Bürgergeld festgesetzt. (Bild: ZDF/ Valerie Henschel)

Schon mehr als sieben Jahre fühlt sich Melanie im Bürgergeld festgesetzt. (Bild: ZDF/ Valerie Henschel)

Fast neun von zehn Alleinerziehenden in Deutschland sind Frauen - für sie folgen nach der Trennung oft finanzielle Herausforderungen. Die ZDF-Doku „37°: arm, abhängig, abgehängt: Frauen und Geld“ zeigt, wie schnell Frauen in eine finanzielle Abhängigeit geraten - und wie schwer es ist, dort wieder herauszukommen.

„Wenn ich mir was wünschen könnte, dann wäre es, einfach mal eine Nacht ohne Geldsorgen durchzuschlafen.“ So erklärt es Melanie in der ZDF-Reportage „37°: arm, abhängig, abgehängt: Frauen und Geld“. Die 46-Jährige ist zweifache alleinerziehende Mutter, geschieden - und Bürgergeld-Empfängerin. Eine Lebenssituation, in welche die Hamburgerin niemals habe geraten wollen.

Sie ist selbst als Tochter einer alleinerziehenden Mutter groß geworden und habe sich stets geschworen: „Ich werde immer arbeiten, auch wenn ich Kinder habe, ich will unabhängig sein, ich will mein Leben selbst in der Hand haben.“ Doch heute weiß sie: „Das hat trotzdem nicht geklappt.“ Ihr Schicksal ist kein Einzelfall. Fast neun von zehn Alleinerziehenden in Deutschland sind laut dem Statistischen Bundesamt (2024) Frauen. Laut einer Umfrage fühlt sich bereits jede dritte Frau abhängig vom Staat oder ihrem Partner.

Bei Melanie ist gleich beides der Fall. Sie ist Mutter von zwei Söhnen. Der Jüngere erhielt eine Autismus-Diagnose, verbringt meist nur wenige Stunden in der Schule und braucht eine besondere Betreuung durch seine Mutter. Seitdem Melanies Ehe zerbochen ist, ist sie alleine für die Pflege verantwortlich. Sie lebt von Unterhalt, Bürgergeld und Pflegegeld.

Auf Instagram berichtet Melanie nun über den Alltag als Bürgergeld-Empfängerin. (Bild:  ZDF/ Mirko Schernickau)

Auf Instagram berichtet Melanie nun über den Alltag als Bürgergeld-Empfängerin. (Bild: ZDF/ Mirko Schernickau)

Wie sehr ihr ihre finanzielle Not nahegeht, wird auch vor der Kamera deutlich. Dort macht sie ihrem Ärger unter Tränen Luft: „Dafür habe ich kein Abi gemacht, dafür hab ich keine Ausbildung gemacht, dafür habe ich keine Berufserfahrung gesammelt. Um jetzt so zu versauern.“

Zweifache Mutter über Geldsorgen: „Ich möchte da unbedingt wieder raus“

Sie habe das Gefühl, „keine Macht mehr über mein Leben“ zu haben und stellt klar: „Ich möchte da unbedingt wieder raus.“ Denn vor der Geburt ihres zweiten Kindes war die 46-Jährige in Vollzeit angestellt. Sie arbeitete als Gehaltsbuchhalterin für einen Verlag in Hamburg. Vor ihrem Ausstieg habe sie sogar Aussichten auf die Position der Abteilungsleiterin gehabt. Daran ist heute - 13 Jahre später - nicht mehr zu denken. Zwar absolviert sie seit fünf Jahren ein Fernstudium und hat dort schon zwei Drittel des Studiums geschafft, doch durch die Care-Arbeit als Mutter gerät sie immer wieder in Rückstand. Trotz guter Noten.

Ihre Kinder seien nur wenige Wochen im Jahr bei ihrem Vater und Melanie muss immer mehr Zeit in die Betreuung ihres jüngsten Spross stecken. Sie weiß: „Das macht halt kein Arbeitgeber mit.“ Aktuell haben sie und ihre Kinder rund 1.609 Euro im Monat zur Verfügung. 600 Euro davon stammen aus dem Pflegegeld für ihren Sohn. Melanie weiß: „Das ist das Geld, das uns rettet.“

Zu den finanziellen Sorgen kommt die Scham, die das Thema Geldsorgen oftmals mit sich bringt. Melanie gesteht zu Beginn der Reportage: „Meine Kinder und ich führen ein Doppelleben. Wir sind Bürgergeld-Empfänger, aber nach außen zeigen wir das nicht.“ Auch ihre Kinder versuchen, „das in der Schule geheim zu halten. (...) Das hat auch was mit Würde zu tun.“ Für die kleine Familie sei es jedoch wahnsinnig anstrengend, so ein Geheimnis mit sich herumzutragen. Melanie beklagt, sie fühle sich abhängig vom Jobcenter und davon, wann ihr Ex-Mann die Kinder zu sich nehmen kann. „Ich sitze komplett in einer Falle drin“, so ihr bedrückendes Fazit.

Doch unterkriegen lassen will sich die zweifache Mutter nicht. Als das Kamerateam sie zum Ende der Reportage erneut trifft, scheint Melanie einen Wandel durchlebt zu haben. Sie will sich für ihre Situation nicht mehr schämen und hat mittlerweile einen Instagram-Account eröffnet, auf dem sie über das Leben als Bürgergeld-Empfängerin und alleinerziehende Mutter spricht. Die Aufrufzahlen und das Feedback zeigen deutlich, dass sie mit ihren Sorgen alles andere als allein ist. Melanie stellt klar: „Ich habe beschlossen, dass ich mich nicht mehr schuldig dafür fühle, dass ich in diesem System feststecke.“ (tsch)

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