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Abseits der KultkomödienDiese Filme von Billy Wilder zeigen seine wahre Größe

Am 22. Juni vor 120 Jahren wurde er geboren: Billy Wilder zählt zu den ganz großen Regisseuren des 20. Jahrhunderts. (Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images)

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Am 22. Juni vor 120 Jahren wurde er geboren: Billy Wilder zählt zu den ganz großen Regisseuren des 20. Jahrhunderts. (Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images)

Er schuf Klassiker wie „Manche mögen's heiß“ und „Das Appartement“ und galt lange vor allem als Meister der Komödie. Seine letzten Filme wurden jedoch verrissen. Zum 120. Geburtstag von Billy Wilder: Was von einem der größten Regisseure der Filmgeschichte bleibt.

Für dieses Drama erhielt er seine ersten Oscars für Drehbuch und Regie: In „Das verlorene Wochenende“ erzählt Billy Wilder die Geschichte eines Schriftstellers (Ray Milland, links), der immer tiefer in die Sucht abrutscht. Eine beklemmend präzise Studie über Selbstzerstörung, die bis heute modern wirkt. (Bild: Universal Pictures)

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Für dieses Drama erhielt er seine ersten Oscars für Drehbuch und Regie: In „Das verlorene Wochenende“ erzählt Billy Wilder die Geschichte eines Schriftstellers (Ray Milland, links), der immer tiefer in die Sucht abrutscht. Eine beklemmend präzise Studie über Selbstzerstörung, die bis heute modern wirkt. (Bild: Universal Pictures)

In seinen letzten Jahren muss sich Billy Wilder wie ein Dinosaurier gefühlt haben. „Entsetzlich“, „grauenhaft“, „ein Fiasko“ - die Kritiken zu seinem letzten Film „Buddy, Buddy“ (1981) waren niederschmetternd gewesen. Den ebenso berühmten wie ominösen „Wilder-Touch“, das grandiose Aushebeln filmischer Regeln, suchte man in dieser schalen Komödie vergebens. Klaus Kinski als sächselnder Scharlatan, Walter Matthau als Mafioso und Jack Lemmon als verhinderter Selbstmörder - Wilders letzter Film war gleichzeitig sein schlechtester.

„I'm ready for my close-up now, Mr De Mille“: In „Boulevard der Dämmerung“ (1950) legte Billy Wilder seiner Hauptdarstellerin Gloria Swanson eines der berühmtesten Zitate der Filmgeschichte in den Mund. Swanson verkörpert einen Stummfilmstar, dessen große Zeit längst hinter ihr liegt - und spielte damit auch sich selbst.  (Bild: Hulton Archive/Getty Images)

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„I'm ready for my close-up now, Mr De Mille“: In „Boulevard der Dämmerung“ (1950) legte Billy Wilder seiner Hauptdarstellerin Gloria Swanson eines der berühmtesten Zitate der Filmgeschichte in den Mund. Swanson verkörpert einen Stummfilmstar, dessen große Zeit längst hinter ihr liegt - und spielte damit auch sich selbst. (Bild: Hulton Archive/Getty Images)

Ein Mann steckt nach einem Grubenunglück fest, ein Journalist macht daraus ein Medienspektakel. Jahrzehnte vor Social Media sezierte Wilder in „Reporter des Satans“ (1951) die Mechanismen von Sensationslust und öffentlicher Empörung. (Bild: Paramount )

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Ein Mann steckt nach einem Grubenunglück fest, ein Journalist macht daraus ein Medienspektakel. Jahrzehnte vor Social Media sezierte Wilder in „Reporter des Satans“ (1951) die Mechanismen von Sensationslust und öffentlicher Empörung. (Bild: Paramount )

„Der Wolf ist alt und zahnlos geworden“, resümierte Wilder ernüchtert und zog sich aufs Altenteil zurück. Sein Büro am Rodeo Drive behielt er indes. Schließlich war Wilder weiterhin gefragt - als Berater und Interviewpartner, aber eben nicht mehr als Regisseur. Am 27. März 2002 starb er, wenige Monate vor seinem 96. Geburtstag, in Beverly Hills. Fast ein Jahrhundert währte Wilders Leben. Es war vollgepackt mit Triumphen und Tragödien, Misserfolgen und Meilensteinen des Kinos.

„Stalag 17“ (1953) ist Kriegsfilm, Komödie und Drama zugleich: In einem deutschen Kriegsgefangenenlager gerät ein amerikanischer Soldat unter Spionageverdacht. Wilder verbindet Spannung, schwarzen Humor und Menschenkenntnis zu einem ungewöhnlichen Ganzen. William Holden (zweiter von links) erhielt für seine Rolle den Oscar. (Bild: Paramount)

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„Stalag 17“ (1953) ist Kriegsfilm, Komödie und Drama zugleich: In einem deutschen Kriegsgefangenenlager gerät ein amerikanischer Soldat unter Spionageverdacht. Wilder verbindet Spannung, schwarzen Humor und Menschenkenntnis zu einem ungewöhnlichen Ganzen. William Holden (zweiter von links) erhielt für seine Rolle den Oscar. (Bild: Paramount)

Marilyn Monroe über einem U-Bahn-Schacht: Dieses Bild aus „Das verflixte 7. Jahr“ (1955) wurde berühmter als der Film selbst. Dabei steckt hinter der ikonischen Szene eine intelligente Komödie über männliche Fantasien und Midlife-Krisen. (Bild: Getty Images/Bettmann)

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Marilyn Monroe über einem U-Bahn-Schacht: Dieses Bild aus „Das verflixte 7. Jahr“ (1955) wurde berühmter als der Film selbst. Dabei steckt hinter der ikonischen Szene eine intelligente Komödie über männliche Fantasien und Midlife-Krisen. (Bild: Getty Images/Bettmann)

In den 20 Jahren zwischen dem letzten Film und seinem Tod wurde Wilder Zeuge, wie sich das System Hollywood rasant weiterentwickelte. Die Ära der Blockbuster war angebrochen, das Zeitalter überdimensionierter Kinoprojekte, der Spezialeffekte und Millionen Dollar teurer Marketingkampagnen. In diese Welt passte einer wie Wilder nicht mehr hinein.

Seine Komödien machten ihn berühmt

Gerichtsdrama, Krimi und psychologisches Duell: „Zeugin der Anklage“ (1957) hält seine Überraschungen bis zuletzt zurück. Charles Laughton und Marlene Dietrich (Bild) liefern sich ein Schauspiel von höchster Präzision. Wilder beweist hier, dass er nicht nur Komödien beherrschte, sondern auch meisterhaft Spannung erzeugen konnte. (Bild: ARTE / United Artists)

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Gerichtsdrama, Krimi und psychologisches Duell: „Zeugin der Anklage“ (1957) hält seine Überraschungen bis zuletzt zurück. Charles Laughton und Marlene Dietrich (Bild) liefern sich ein Schauspiel von höchster Präzision. Wilder beweist hier, dass er nicht nur Komödien beherrschte, sondern auch meisterhaft Spannung erzeugen konnte. (Bild: ARTE / United Artists)

Zwei Musiker fliehen vor Gangstern und verstecken sich in Frauenkleidern in einer Damenkapelle. Was nach einer simplen Verwechslungskomödie klingt, entwickelte sich zum vielleicht berühmtesten Film Wilders. Das Tempo in „Manche mögen's heiß“ (1959) ist atemberaubend, die Dialoge sitzen perfekt - und Marilyn Monroe sorgt für unvergessliche Momente. (Bild: ARD / Degeto)

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Zwei Musiker fliehen vor Gangstern und verstecken sich in Frauenkleidern in einer Damenkapelle. Was nach einer simplen Verwechslungskomödie klingt, entwickelte sich zum vielleicht berühmtesten Film Wilders. Das Tempo in „Manche mögen's heiß“ (1959) ist atemberaubend, die Dialoge sitzen perfekt - und Marilyn Monroe sorgt für unvergessliche Momente. (Bild: ARD / Degeto)

Geboren wurde er am 22. Juni 1906 in Galizien, damals eine Provinz der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Eine starre gesellschaftliche Hierarchie war das Signum dieser Zeit. Dazu kam Wilders jüdische Herkunft. Das kaiserliche Wien, in das die Wilders bald nach seiner Geburt umzogen, war auch ein Hort des Antisemitismus. Der kleine Billy musste früh erleben, was es bedeutet, in die Rolle des Außenseiters gedrängt zu werden.

Ein kleiner Angestellter leiht seinem Chef die eigene Wohnung für dessen Affären und verliebt sich ausgerechnet in dessen Geliebte. Tragik und Komik liegen selten so nah beieinander wie in diesem Film. Für viele Kritiker ist „Das Appartement“ Wilders Meisterwerk - und Jack Lemmons größte Rolle. (Bild: ARD / Degeto)

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Ein kleiner Angestellter leiht seinem Chef die eigene Wohnung für dessen Affären und verliebt sich ausgerechnet in dessen Geliebte. Tragik und Komik liegen selten so nah beieinander wie in diesem Film. Für viele Kritiker ist „Das Appartement“ Wilders Meisterwerk - und Jack Lemmons größte Rolle. (Bild: ARD / Degeto)

Gedreht unmittelbar vor dem Bau der Berliner Mauer, rast diese Komödie mit atemberaubendem Tempo durch den Kalten Krieg. Wilder nimmt in „Eins, zwei, drei“ Kapitalismus, Kommunismus und deutsche Befindlichkeiten gleichermaßen aufs Korn. Die Pointendichte ist legendär, der politische Scharfsinn beeindruckt noch heute. (Bild: teleschau / Archiv)

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Gedreht unmittelbar vor dem Bau der Berliner Mauer, rast diese Komödie mit atemberaubendem Tempo durch den Kalten Krieg. Wilder nimmt in „Eins, zwei, drei“ Kapitalismus, Kommunismus und deutsche Befindlichkeiten gleichermaßen aufs Korn. Die Pointendichte ist legendär, der politische Scharfsinn beeindruckt noch heute. (Bild: teleschau / Archiv)

Wie jeden Menschen haben auch Billy Wilder seine Wurzeln geprägt. Gegen Anfeindungen setzte er sich mit Humor und Schlagfertigkeit zu Wehr. Der Dialogwitz seiner Drehbücher und der genaue Blick für Menschen und Situationen haben hier ihren Ursprung. Im jungen Wilder ist alles angelegt, was ihn später als Drehbuchautor und Regisseur auszeichnete. In Berlin, wohin es ihn Mitte der 20er-Jahre verschlug, arbeitete Wilder einige Zeit als rasender Reporter, verfasste für einen Hungerlohn Glossen und Kritiken. Die Texte sind noch heute wert, gelesen zu werden. Unter dem Titel „Der Prinz von Wales geht auf Urlaub“ erschienen sie in Buchform. Die überraschende Pointe, der Sinn fürs Skurrile, die Lust an der Bloßstellung menschlicher Schwächen verweisen schon auf den späteren Glanz des Hollywood-Regisseurs.

Nach dem Erfolg von „Das Appartement“ arbeiteten Billy Wilder und Jack Lemmon erneut zusammen. „Irma La Douce“ erzählt eine schrille Liebesgeschichte im Pariser Rotlichtmilieu. Nicht jeder Gag hat die Jahrzehnte unbeschadet überstanden, doch der Film zeigt exemplarisch Wilders Fähigkeit, selbst heikle Stoffe leicht und unterhaltsam erscheinen zu lassen. (Bild: Fox)

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Nach dem Erfolg von „Das Appartement“ arbeiteten Billy Wilder und Jack Lemmon erneut zusammen. „Irma La Douce“ erzählt eine schrille Liebesgeschichte im Pariser Rotlichtmilieu. Nicht jeder Gag hat die Jahrzehnte unbeschadet überstanden, doch der Film zeigt exemplarisch Wilders Fähigkeit, selbst heikle Stoffe leicht und unterhaltsam erscheinen zu lassen. (Bild: Fox)

Es sind Komödien, die Billy Wilder berühmt gemacht haben. Marilyn Monroes wehender Rock über dem Lüftungsschacht (“Das verflixte 7. Jahr“) oder Jack Lemmon und Tony Curtis in Frauenkleidern (“Manche mögen's heiß“) gehören zu den Filmbildern für die Ewigkeit. Gleichzeitig sind es die Komödien, die im Laufe der Zeit verloren haben. Natürlich ist „Manche mögen's heiß“ auf seine Art ein perfekter Film. Wilder und sein Koautor I. A. L. Diamond haben die Dialoge gleichsam mit der Stoppuhr im Kopf geschrieben. Die Pointen sitzen, das Timing könnte besser nicht sein - und dennoch beweist gerade „Manche mögen's heiß“ die Zeitgebundenheit von Humor. Was damals komisch, frivol oder frech war, ist es heute nicht mehr unbedingt.

Was bleibt von Billy Wilder?

Ein Auftragskiller will seinen letzten Job erledigen, wird jedoch von einem lebensmüden Chaoten aus der Bahn geworfen. Mit Walter Matthau und Jack Lemmon setzte Wilder noch einmal auf sein bewährtes Traumduo. Doch der einst so treffsichere Humor wirkte inzwischen aus der Zeit gefallen. „Buddy, Buddy“ wurde ein Misserfolg - und Wilders Abschied vom Regiestuhl. (Bild: MGM)

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Ein Auftragskiller will seinen letzten Job erledigen, wird jedoch von einem lebensmüden Chaoten aus der Bahn geworfen. Mit Walter Matthau und Jack Lemmon setzte Wilder noch einmal auf sein bewährtes Traumduo. Doch der einst so treffsichere Humor wirkte inzwischen aus der Zeit gefallen. „Buddy, Buddy“ wurde ein Misserfolg - und Wilders Abschied vom Regiestuhl. (Bild: MGM)

Billy Wilder starb 2002 im Alter von 95 Jahren.  (Bild: Dave Luchansky/Getty Images)

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Billy Wilder starb 2002 im Alter von 95 Jahren. (Bild: Dave Luchansky/Getty Images)

Was bleibt von Billy Wilder? Welche Filme werden nicht vergehen? Es sind diejenigen, in denen sich das Tragische in den Humor mischt, in denen Lachen und Weinen ganz eng beisammen liegen. Wilder hatte wie kaum ein anderer ein Händchen dafür. Jack Lemmon, der Inbegriff des amerikanischen Biedermanns, verlieh ihnen ein Gesicht. Wilders bester Film ist „Das Appartement“ (1960), in dem Lemmon als braver Angestellter seine Wohnung seinen Vorgesetzten als Liebesnest überlässt und sich in die Freundin seines Chefs verliebt.

Bleiben werden auch die Filme, in denen sich Wilder mit den Mechanismen des Filmgeschäfts und den Schattenseiten künstlerischer Kreativität auseinander setzt. „Sunset Boulevard“ ist eine bittere Abrechnung mit Hollywood, für die Wilder in der Branche reichlich Prügel bezog. Wilder habe „die Industrie, die ihn ernährt, in den Dreck gezogen“, wetterte der Produzent Louis B. Mayer nach der Premiere. „Das verlorene Wochenende“ (1945) um einen dem Alkohol verfallenen Schriftsteller und der eher unbekannte Film „Reporter des Satans“ (1951) mit Kirk Douglas als ehrgeizigem Journalisten gehören ebenfalls zu den Meisterwerken aus dieser Kategorie.

Vielleicht sind es gerade die weniger bekannten Wilder-Filme, die eine erneute Betrachtung und eine genaue Analyse lohnen. Wilders Komödien mögen heute teilweise altmodisch, gar veraltet wirken, als politischer Visionär (“Eins, zwei drei“) und brillanter Diagnostiker menschlicher Abgründe (“Frau ohne Gewissen“) bleibt er neu zu entdecken. Sein 120. Geburtstag wäre dazu ein guter Anlass. (tsch)

Mit Bronski Beat und den Communards eine der bekanntesten Stimmen 80er-Jahre: Jimmy Somerville (Bild aus der Doku „Jimmy Somerville - Smalltown Boy“) feiert am 22. Juni seinen 65. Geburtstag. (Bild: ARTE/Pop Films/13 Prods)
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