Express · Community

Kommentare · 0

Zum Inhalt springen

Knallharte 007-UrteileSo dachten die Bond-Stars wirklich übereinander

ARCHIV - Die Bildkombo zeigt die James-Bond-Darsteller, (oben l-r) Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, (unten l-r) Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig (Archivbilder). (zu dpa "6 als 007: Wer schon alles James Bond war" am 16.08.2017) Foto: dpa/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Copyright: picture alliance / dpa/dpa

James Bond

Aktualisiert:

Bald könnte der neue James Bond feststehen. Doch wie dachten Connery, Moore, Craig und Co. eigentlich übereinander?

Wer wird der nächste James Bond? Die Gerüchteküche brodelt, die Spannung steigt. Ganz vorne im Rennen sehen viele derzeit Callum Turner, Jack Lowden und Josh O’Connor. Nach zahlreichen Spekulationen und offenbar entscheidenden Screen-Tests könnte schon bald feststehen, wer das Rennen macht.

Eins ist sicher: Der Neue wird sich mit seinen Vorgängern messen lassen müssen. Denn wer den Smoking des berühmtesten Geheimagenten der Filmgeschichte trägt, kommt um den Vergleich nicht herum. Und die Darsteller selbst? Die haben über die Jahrzehnte immer wieder über ihre Kollegen geredet. Mal mit viel Lob, mal ziemlich deutlich.

Sean Connery: Kritik für Lazenby, Lob für Craig

Den Anfang machte Sean Connery. Er spielte James Bond erstmals 1962 in „James Bond – 007 jagt Dr. No“. Von seinem Nachfolger George Lazenby, der die Rolle 1969 ein einziges Mal in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ übernahm, hielt er offen nicht viel. Ideal besetzt sei die Rolle nicht gewesen. Connery störte sich vor allem an Lazenbys mangelnder schauspielerischer Erfahrung und an dessen Fähigkeiten, die Figur überzeugend darzustellen.

Sean Connery mit Claudine Auger (l), Martine Beswick (m) und Luciana Paluzzi (r).

Copyright: imago/United Archives

Sean Connery mit Claudine Auger (l), Martine Beswick (m) und Luciana Paluzzi (r). (Archivbild)

Roger Moore wiederum habe der Figur eine deutlich humorvollere Note gegeben, erklärte Connery 1983. Bond sei bei Moore also anders angelegt gewesen als bei ihm selbst. Pikant: Genau damals kämpften die beiden mit „Sag niemals nie“ und „Octopussy“ sogar direkt gegeneinander um die Zuschauer.

Ganz anders klang Connery bei Pierce Brosnan. Der war damals vor allen Dingen als „Remington Steele“ bekannt. 1994 wurde er als neuer Bond verpflichtet, und Connery nannte ihn gegenüber „Entertainment Tonight“ eine „sehr gute Besetzung“. Für Brosnans ersten Film wünschte er sich ein originelles, witziges und überraschendes Drehbuch.

Seinen Segen bekam auch Daniel Craig. 2005 wurde bekannt, dass der Brite auf Brosnan folgen würde. Gegenüber der BBC sprach Connery von einer „großartigen Wahl“ und von einem interessanten, andersartigen Bond. 2009 setzte er noch einen drauf: Craig sei fantastisch und hervorragend in der Rolle. Vor allem die Gefährlichkeit der Figur bringe er überzeugend auf die Leinwand.

George Lazenby: Nur einmal Bond – aber mit klarer Meinung

Ein einziger Auftritt als James Bond, mehr war es für George Lazenby nicht. Eine klare Meinung zu den anderen hatte er in späteren Jahren trotzdem. Sean Connery blieb für ihn ein Vorbild, dessen Darstellung er bewunderte. Auch Roger Moore begegnete er mit Respekt.

Die James-Bond-Darsteller Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig.

Copyright: dpa

Die James-Bond-Darsteller Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig. (Archivbilder)

Bei Pierce Brosnan sah das anders aus. 1995 sprach Lazenby ihm in der britischen Zeitung „The Sun“ die nötige Härte für die Rolle ab. Daniel Craig dagegen überzeugte ihn als Schauspieler. 2008 lobte er dessen Darstellung in einem Interview mit der „Palisadian-Post“. Was ihn störte, war die aus seiner Sicht übertriebene Gewalt. Bond hätte seiner Meinung nach mehr Herz zeigen sollen.

Roger Moore: Connery war der große Bond

„Sean ist offensichtlich der große Bond.“ Diese Worte stammen von Roger Moore, der den Geheimagenten zwischen 1973 und 1985 in sieben Filmen spielte. Gesagt hat er sie 2016 der britischen Nachrichtenagentur PA. Vor seinem Vorgänger hatte Moore großen Respekt: Connery habe die richtige Persönlichkeit für die Rolle gehabt.

Zuvor hatte Moore Connery als Maßstab bezeichnet. Doch dann kam Daniel Craig – und der beeindruckte ihn ebenfalls. 2012 erklärte Moore gegenüber „Vanity Fair“, er habe seine Meinung über den besten Bond geändert: „Daniel Craig ist ohne Zweifel der Bond. Er hat einfach alles.“

Roger Moore

Copyright: imago stock&people

Roger Moore (Archivbild)

Dazu kam ein ehrlicher Vergleich mit sich selbst: Craig sei wesentlich gefährlicher als er. Im Gespräch mit dem US-Radiosender NPR sagte Moore 2014: „Ich sehe aus wie ein komödiantischer Liebhaber, Sean und insbesondere Daniel Craig sehen aus wie Killer.“ Nachts in einer dunklen Gasse wolle er Craig lieber nicht begegnen.

Für die Filme seines Nachfolgers hatte Moore allerdings nicht nur nette Worte übrig. 2011 nannte er „Ein Quantum Trost“ gegenüber der Studentenzeitung „Varsity“ der Universität Cambridge ein „langes, zusammenhangloses Werbevideo“. Craigs Darstellung des Geheimagenten lobte er trotzdem.

Timothy Dalton: Ist Daniel Craig der beste Bond?

Schon Ende der 1960er-Jahre hätte Timothy Dalton James Bond werden können. Die Rolle wurde ihm angeboten, doch er lehnte ab. Der Grund: Er konnte sich nicht vorstellen, Sean Connery zu ersetzen. Connery bewunderte er, für ihn war er der Maßstab. Gespielt hat Dalton den Agenten schließlich 1987 und 1989.

Timothy Dalton

Copyright: imago images/United Archives

Schon Ende der 1960er-Jahre hätte Timothy Dalton James Bond werden können. (Archivbild)

Deutlich kritischer fiel sein Urteil über Roger Moore aus. Moores Interpretation sei eine Hommage gewesen, die gegen Ende beinahe zur Parodie geworden sei. Das sagte Dalton in einem Interview mit der „Los Angeles Times“ vom November 2012. Bei seinem letzten Bond-Auftritt 1985 war Moore bereits 57 Jahre alt – auch das könnte Daltons Blick auf die Entwicklung der Figur erklären.

Besser kam Pierce Brosnan bei ihm weg. Brosnan habe Bond seiner Meinung nach düsterer und tiefgründiger darstellen wollen. Nur: Die Filme hätten eine solche Entwicklung nicht zugelassen.

Richtig ins Schwärmen geriet Dalton bei Daniel Craig. Der „Los Angeles Times“ sagte er: „Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass Daniel Craig der beste Bond aller Zeiten ist – oder zumindest seit sehr langer Zeit.“ Vor allem „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ hätten einen Geist, auf den die frühen Bond-Filmemacher stolz gewesen wären.

Pierce Brosnan: Seine Vorbilder hießen Connery und Moore

Viermal trat Pierce Brosnan von 1995 bis 2002 als 007 auf. Seine Version des Agenten baute er ganz bewusst auf Sean Connery und Roger Moore auf. Er habe versucht, eine Verbindung zwischen den beiden Darstellern herzustellen, erklärte Brosnan 2022 im Videointerview mit dem Magazin „GQ“.

Pierce Brosnan

Copyright: Ian West/PA Wire/dpa

Pierce Brosnan (Archivbild)

Lazenby passte ihm allerdings gar nicht. Brosnan reagierte 2005 im „Playboy“ ausgesprochen scharf. Er bezeichnete das Ex-Model als einen verbitterten, alten und verärgerten Mann, der nie wirklich Schauspieler gewesen sei.

Timothy Dalton würdigte Brosnan. Im Interview mit dem Magazin „Dolce“ bezeichnete er ihn 2018 als „wirklich wunderbaren Schauspieler“. Allerdings sei das Material, das ihm in seinen Bond-Filmen zur Verfügung gestanden habe, Dalton nicht gerecht geworden.

Für Daniel Craig hatte Brosnan ebenfalls große Anerkennung übrig. Im „GQ“-Interview von 2022 sprach er von größter Bewunderung für dessen Leistung. Besonders die körperliche Präsenz, die Craig in die Rolle eingebracht habe, sei monumental gewesen.

Daniel Craig: Connery war sein Lieblings-Bond

Auch Daniel Craig, der zwischen 2006 und 2021 fünfmal als James Bond auftrat, bezeichnete Sean Connery mehrfach als seinen Lieblingsdarsteller der Reihe. Als er 2005 gefragt wurde, wer sein bevorzugter Bond sei, antwortete er schlicht: Connery. Gleichzeitig betonte Craig, dass er dessen Darstellung nicht kopieren wolle.

Auch George Lazenbys einziger Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ gefiel Craig ausgesprochen gut. In einem Gespräch mit dem „Guardian“ im Jahr 2021 bezeichnete er das Werk als einen der besten Filme der Reihe. Besonders die Liebesgeschichte habe es ihm angetan.

Roger Moore verband Craig mit einer persönlichen Kindheitserinnerung: „Leben und sterben lassen“ war der erste Bond-Film, den er gemeinsam mit seinem Vater im Kino gesehen hatte. Moore habe er deshalb besonders geschätzt.

Pierce Brosnan wiederum unterstützte Craig nach dessen Verpflichtung als 007. Im Gespräch mit dem Magazin „NME“ erzählte Craig 2021, Brosnan habe ihm damals einen einfachen Rat mitgegeben: „Genieße es, es ist eine Reise.“ (jag)