Die Kosten für Benzin und Diesel schießen durch die Decke. Das trifft Millionen Menschen, die zur Arbeit fahren müssen. Ein Politiker der SPD will das nicht länger hinnehmen und verlangt eine radikale Lösung.
Wut an der TankeJetzt soll der Staat die Spritpreis-Bremse ziehen

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Die Benzinpreise steigen und steigen
Die Stimmung an den Zapfsäulen in Deutschland ist im Keller. Unaufhaltsam steigen die Kosten für Sprit und fressen sich tief in die Haushaltskasse der Autofahrenden. Am Samstag lag der bundesweite Mittelwert für einen Liter Super E10 bei 2,27 Euro. Wer Diesel tankte, musste sogar fast 2,40 Euro berappen, wobei die Beträge je nach Ort und Uhrzeit sogar noch empfindlich höher lagen.
Die Ursache für diesen Kosten-Hammer ist die kritische Situation im Nahen Osten. Eine besonders krasse Preissteigerung gab es am Samstagmittag um 12.00 Uhr. Der Auslöser: Berichte über die vorsorgliche Abschaltung einer bedeutenden Pipeline in Saudi-Arabien nach Attacken. Diese Röhre befördert gewaltige Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer. Eine Reduzierung der saudischen Ausfuhren könnte die Ölpreise noch weiter anheizen.
Politiker fordert Preis-Bremse vom Staat
Wegen dieser Zuspitzung verlangt der Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke (SPD), eine rasche staatliche Intervention. „Wir brauchen dringend einen Spritpreisdeckel“, sagte der Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Seine Haltung ist eindeutig: „Es kann nicht sein, dass die Mineralölkonzerne Extraprofite einstreichen, während Millionen Pendlerinnen und Pendler an den viel zu hohen Spritpreisen verzweifeln.“
Woidke unterstreicht, dass es niemandem gestattet sein sollte, aus der Notlage anderer Profit zu schlagen und verlangt: „Gerechtigkeit muss auch an der Tankstelle herrschen.“ Er zieht den Vergleich zu Nachbarstaaten wie Luxemburg, Polen oder Belgien. Dort würde die Bevölkerung durch anpassungsfähige Obergrenzen beim Tanken entlastet. Das sorge für Verlässlichkeit bei der Planung und stelle fallende Kosten für alle in Aussicht.
Expertin hat klare Meinung zu Staatshilfen
Aber diese Sichtweise findet nicht überall Zustimmung. Die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich bislang gegen eine Begrenzung der Kraftstoffpreise ausgesprochen. Widerspruch kommt ebenfalls aus der Wissenschaft. Die Ökonomin Monika Schnitzer bewertet staatliche Unterstützung skeptisch und mahnt wegen der Militäroffensive der Huthi-Miliz im Jemen vor noch höheren Konsumentenpreisen.
Die Situation beruhige sich keineswegs, ganz im Gegenteil, äußerte Schnitzer gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Das werde man an der Zapfsäule und an den generellen Verbraucherpreisen spüren. Anstatt nach frischer staatlicher Unterstützung zu verlangen, wäre eine größere Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern die klügste Reaktion. Jeder Einzelne könne beim Erwerb des nächsten Fahrzeugs oder der nächsten Heizanlage einen Beitrag leisten.
Mehrere Umstände verschärfen die ohnehin angespannte Lage zusätzlich. Seit Monaten sorgt der Iran-Krieg für steigende Kraftstoffkosten. Der Preis für Brent-Rohöl hat seit Anfang des Jahres um beinahe 80 Prozent zugelegt. Dazu kommen die Auswirkungen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, welche insbesondere die Dieselpreise nach oben treiben. Obendrein ist Ende Juni der Tankrabatt ersatzlos ausgelaufen, was den Druck auf die Konsumenten nochmals verstärkt. (dpa/red)
