Rekord bei Tiefkühlkost: Bequemlichkeit oder soziale Not?
Forscher schlägt AlarmNeuer Rekord bei Tiefkühlkost ist für ihn ein Zeichen der Notlage

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Supermärkte und Discounter halten ein großes Angebot tiefgekühlter Produkte für Kunden bereit. (Symbolbild)
Egal ob Fischstäbchen, knusprige Pommes oder die schnelle Pizza – die Deutschen lieben ihr Essen aus dem Gefrierschrank. Der Konsum pro Kopf erreichte 2025 eine neue Höchstmarke von 51,6 Kilogramm. Das ist ein Zuwachs von 800 Gramm gegenüber dem Vorjahr, so eine Mitteilung des Deutschen Tiefkühlinstituts.
Die Produzenten von Gefriergut konnten ihren Verkauf im letzten Jahr um 2,5 Prozent auf über 4,2 Millionen Tonnen anheben, meldet die dpa. Diese Daten, die aus einer Befragung von Produzenten und Importfirmen stammen, verdeutlichen eine deutliche Tendenz. „Tiefkühlprodukte sind fest im Einkaufsalltag verankert“, bekräftigt der Konsumforscher Martin Weiß von YouGov. Demzufolge greift so gut wie jede Familie in der Bundesrepublik zu gefrorener Nahrung.
Die Tiefkühlpizza ist und bleibt der absolute Renner
Der Branchenumsatz stieg nominal um 4,5 Prozent auf circa 23,6 Milliarden Euro an. Laut dem Verband ist das ebenfalls auf erhöhte Ausgaben für Gehälter, Strom, Verpackungsmaterial und Rohstoffe zurückzuführen. Und die Preise könnten weiter klettern: Wegen des Iran-Kriegs erwartet der Sektor zusätzliche Aufschläge bei Produkten, deren Herstellung viel Energie frisst.
Der absolute Favorit im Kühlregal ist nach wie vor die Pizza aus dem Eisfach. Beinahe 400.000 Tonnen wurden davon im Jahr 2025 verkauft. Doch auch bei Fisch, Geflügelfleisch, fertigen Mahlzeiten, Backprodukten und Obst langten die Verbraucher öfter zu. Den Löwenanteil am individuellen Verbrauch machen Backwaren (13,7 Kilo) sowie Gemüse (6,4 Kilo) aus.
Fachmann warnt eindringlich: „Spiegelt die soziale Notlage wider“
Für die steigende Popularität existieren zwei komplett verschiedene Erklärungen. Sabine Eichner, die Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühlinstituts, erkennt einen Hang zur Einfachheit: „Die Verpflegung zu Hause, insbesondere mit Fertiggerichten, hat weiter zugelegt.“ Eine Ursache hierfür sei der Erfolg der Airfryer, mit denen Mahlzeiten flotter und mit weniger Stromverbrauch als im Ofen zubereitet werden können.
Allerdings malt der Ernährungsforscher Stefan Kabisch von der Charité in Berlin ein deutlich finstereres Szenario. Ihm fällt auf, dass Konsumenten hauptsächlich zu simplen Tiefkühlartikeln greifen, während Produkte, die zusätzliche Ingredienzien benötigen, seltener gekauft werden. Das ist für ihn ein besorgniserregendes Signal: „Diese Entwicklung spiegelt die soziale Notlage vieler Haushalte wider.“ Es mangele vielen Leuten schlicht am nötigen Kleingeld für frische und gesunde Nahrung, weswegen sie zu billigerer Gefrierkost greifen müssten.
Als Lobbyorganisation des Sektors repräsentiert das Deutsche Tiefkühlinstitut namhafte Produzenten, darunter Apetito, Bofrost, Coppenrath & Wiese, Dr. Oetker, Iglo, McCain und Wiesenhof. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
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