Apetito: Darum boomt das Geschäft mit dem Tiefkühl-Essen.
Notstand in der KücheTiefkühl-Riese profitiert vom großen Mangel an Köchen

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In diesen Lagerhallen ist es minus 22 Grad kalt. Vorne eine kleinere Logistikhalle, dahinter eine 43 Meter hohe Riesenhalle.
Von Fischstäbchen über Rinderrouladen bis zur Linsensuppe: Der deutsche Tiefkühl-Anbieter Apetito rechnet wegen des demografischen Wandels mit einem dauerhaften Aufschwung. «Die Alterung der Gesellschaft spielt uns in die Karten: Die Nachfrage nach Verpflegung in Seniorenheimen oder Krankenhäusern sowie als Essen auf Rädern für ältere Menschen wird weiter steigen», erklärte Firmenchef Jan-Peer Laabs in Rheine gegenüber der dpa.
Die Zahlen bestätigen das. Im Jahr 2025 erwirtschaftete Apetito einen Umsatz von etwa 1,4 Milliarden Euro, was einem Plus von 4,6 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. Für das aktuelle Jahr wird ein Wachstum von sechs bis sieben Prozent angestrebt, womit die Einnahmen auf 1,5 Milliarden Euro steigen sollen. Über den Profit macht das Familienunternehmen jedoch keine Angaben.
Im Wettbewerb steht Apetito nicht allein. Zu den Rivalen zählt Hofmann-Menü aus Boxberg in Baden-Württemberg, das vor drei Jahren vom britischen Konzern Compass akquiriert wurde. Auch dort brummt das Geschäft: Compass steigerte seine Einnahmen in der ersten Hälfte des bis September laufenden Geschäftsjahres konzernweit um neun Prozent auf 25 Milliarden US-Dollar (21,6 Milliarden Euro). Ungefähr zwei Drittel seines Umsatzes generiert Compass in Nordamerika.

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Firmenchef Jan-Peer Laabs sieht Apetito auf Wachstumskurs.
Jede fünfte deutsche Kita wird von Apetito beliefert
Die Fertigung im Tiefkühl-Sektor erfolgt im großen Stil. An jedem Arbeitstag stellt Apetito in Rheine bis zu 270 Tonnen an Lebensmitteln her, wofür Kessel mit 1600 Litern Fassungsvermögen zum Einsatz kommen. In dieser Großküche sehen die Menschen neben den gewaltigen Behältern verblüffend klein aus, während Erbsen, Kartoffeln und andere Zutaten in riesigen Mengen angeliefert und verarbeitet werden.
Das Unternehmen beliefert außerdem Kindertagesstätten und Schulen. Laut eigenen Angaben erhalten ungefähr 12.000 Kitas in Deutschland gefrorene Gerichte von Apetito, die dann vor Ort nur noch erhitzt werden. Das macht circa jede fünfte Kita in der Bundesrepublik aus.
Rund 12.800 Menschen arbeiten für das Unternehmen, das auch international wächst. In England errichtet Apetito gerade eine neue Fabrik, um die dortige Produktionskapazität zu verdoppeln. Laut Manager Laabs sind auch Werke in den USA, die bisher aus Kanada versorgt werden, sowie in Spanien denkbar. «Spanien beliefern wir im Moment aus unserem Stammsitz in Rheine - das ist ein weiter Weg, der bis auf die Kanarischen Inseln führt.»

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Kein Gericht verkauft Apetito in Kantinen häufiger als dieses: Spaghetti Bolognese.
Fachkräftemangel ist Rückenwind für Tiefkühl-Geschäft
Ein zusätzlicher Faktor, der das Wachstum von Apetito antreibt, ist der Mangel an Fachkräften: Seniorenheime, Kliniken und große Schulen haben zunehmend Probleme, Köche für ihre eigenen Küchen zu finden. «Am Arbeitsmarkt gibt es einen Notstand an Köchen, der in den nächsten Jahren noch größer wird», stellt Laabs fest. «Apetito löst dieses Problem: Wir ermöglichen Küchenbetrieb ohne Fachpersonal.»
Das Unternehmen selbst habe aber genug Köche, da man vergleichsweise wenige benötige. «Ein Koch kocht bei uns tonnenweise Essen - mit wenigen Köchen haben wir also viel Ergebnis.» Außerdem betreibe man eine engagierte Nachwuchsförderung für Köche, was sich ein Krankenhausbetreiber nicht leisten könne.
Laabs hebt außerdem hervor, dass Träger von Kliniken und Seniorenheimen oft die millionenschweren Ausgaben für eine große Küche mit eigenem Personal scheuen. Dies sei ein Bereich, in dem solche Betreiber nur wenig Expertise besäßen. Eine Aufwärmküche für Tiefkühlgerichte sei dagegen wesentlich billiger und kleiner. «Und man muss keine Rundum-Besetzung mit Köchen gewährleisten, die auch mal krank sein können und ausfallen.»
Apetito betreibt als Catering-Unternehmen auch Kantinen für Firmen. An einigen Standorten bekomme Apetito den Fachkräftemangel zu spüren, räumte Laabs ein. Als großer Konzern könne man aber gut gegensteuern.
Ungefähr 60 Prozent seiner Einnahmen erzielt das Familienunternehmen in Deutschland. Der Markt mit der zweitgrößten Bedeutung ist Großbritannien, worauf Dänemark und Kanada folgen. Spanien, die Niederlande und Österreich stellen weitere wichtige Absatzregionen dar.

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Vegetarische Linsensuppe im Betriebsrestaurant von Apetito - dieses Gericht wird oft in Kindergärten gegessen.
Der Deutsche will es billig
Nach Darstellung von Laabs hat die Essensverpflegung in den Staaten einen unterschiedlichen Stellenwert. So blicke man in Deutschland sehr stark auf den Preis, im Ausland sei die Zahlungsbereitschaft hingegen höher. «In Deutschland haben Sie Hybrid-Shopper: Der Fahrer eines teuren Sportwagens gibt an der Tankstelle viel Geld fürs Tanken aus, und danach fährt er zum Discounter, um möglichst wenig Geld für Fleisch auszugeben.»
Verkaufsgespräche mit Kindergartenträgern verliefen stets ähnlich. «Die erste Frage lautet immer, "Was ist das günstigste?" Dann kommen die Elternvertreter und sagen, "es kann auch ein bisschen mehr sein - was kostet Bio?"», sagt Laabs. Im Schnitt koste eine Kindergartenverpflegung 3,50 Euro pro Kopf, in Bio seien es 4,50 Euro. «Dann kommen auch die Elternvertreter ins Grübeln und eine Woche später heißt es, doch kein Bio, wir nehmen das Standardgericht für 3,50 Euro.»
Die Niederländer zahlten fast zwei Euro mehr für die Kinderversorgung und in Dänemark sei Bio-Essen an Kindergärten Pflicht, sagt Laabs. In Spanien wiederum sei die Krankenhausverpflegung deutlich attraktiver, dort gebe es oft zwei warme Gerichte pro Mahlzeit. So werde gutem Essen ein höherer Stellenwert eingeräumt bei der Frage, wie Kranke am besten genesen können. «Wir sind in Deutschland sehr fokussiert darauf, möglichst günstiges Essen zu haben.» (dpa/red)
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