Eine Hackergruppe veröffentlicht Screenshots eines mutmaßlichen Sberbank-Papiers. Darin stehen acht Szenarien für das Ende des Krieges. Am wahrscheinlichsten gilt eine Vereinbarung unter Vermittlung von Donald Trump.
Russisches GeheimdokumentWie wahrscheinlich ist ein Sieg Putins wirklich?

Copyright: IMAGO/ITAR-TASS
German Gref, Chef der russischen Sberbank (links), neben Präsident Wladimir Putin in Moskau (im November 2025).
Aktualisiert:
Die Hackergruppe Black Mirror hat Screenshots eines mutmaßlichen Analysepapiers der russischen Sberbank veröffentlicht. Das Dokument trägt das Datum April 2026. Es soll acht mögliche Szenarien für das Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine beschreiben.
Die Echtheit ist nicht bestätigt. Nach Angaben der Hacker stammt das Papier aus einem Schriftwechsel von Sberbank-Chef German Gref mit einem unbekannten Gesprächspartner. Die Bank äußerte sich bisher nicht. Ein Insider vermutet laut dem russischen Online-Portal „Meduza“ zudem, dass ein Programm mit künstlicher Intelligenz den Text erstellt haben könnte.
Ein russischer Sieg gilt als „wenig wahrscheinlich“
Das erste Szenario beschreibt, wie wahrscheinlich es ist, dass Russland den Krieg für sich entscheidet. Die Wahrscheinlichkeit liegt laut Papier bei sieben Prozent. Russland müsste dafür die vollständige Kontrolle über Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson in deren Verwaltungsgrenzen übernehmen. Charkiw wird als politisches Symbol genannt. Eine Einnahme Kiews sei nicht nötig.
Russland müsste dafür die Ukraine aus einer Position völliger militärischer Überlegenheit an den Verhandlungstisch zwingen. Dafür wäre laut Analyse eine zweite Mobilisierungswelle mit 300.000 bis 500.000 Soldaten nötig. Außerdem bräuchte Russland mehr Luftunterstützung und bessere Drohnenschwärme. Die Angriffe der Ukraine auf Öl- und Militärziele könnten die Kosten eines solchen Vormarsches sonst zu hoch treiben. Das Memo schätzt die russischen Militärverluste zudem auf 20.000 bis 25.000 Soldaten pro Monat.
Mehr News für dich
Nach Dolly Partons Tod
Ivanka Trumps Nachruf löst Wut-Welle aus
Vereinbarung unter Trump gilt als „wahrscheinlichstes“ Szenario
Die Analysten stufen ein Abkommen mit Trump zur Einfrierung des Krieges mit 32 Prozent als „wahrscheinlichstes“ Szenario ein. Der Konflikt würde eingefroren, vermutlich ohne formellen Friedensvertrag. Die Ukraine würde der NATO nicht beitreten. Ein Teil der US-Sanktionen gegen Russland würde fallen.
Die USA könnten die russische Kontrolle über vier ukrainische Gebiete faktisch akzeptieren, während sie völkerrechtlich weiter die Grenzen der Ukraine von 1991 anerkennen. Die Europäische Union würde die neuen Grenzen hingegen nicht anerkennen. Laut Analyse könnte Donald Trump noch vor den Zwischenwahlen im November 2026 auf eine Vereinbarung drängen. Beendet wäre der Krieg damit aber nicht. Auf lange Sicht stünde die Vereinbarung auf wackeligen Füßen, weil beide Seiten den Zusagen misstrauen würden.
Einfrieren des Krieges – ohne Abkommen
Als anderes Szenario sieht das Einfrieren des Krieges ohne Abkommen vor, ähnlich wie im Koreakonflikt. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 22 Prozent. Keine Seite erzielt einen entscheidenden Durchbruch. Die Front stabilisiert sich, die Kämpfe nehmen ab. Der Drohnenkrieg aber geht weiter. Ein formelles Abkommen gibt es nicht.
Dieses Szenario könnte eintreten, wenn Trump das Interesse an der Ukraine verliert und sich anderen Themen zuwendet. Die Europäische Union müsste dann den größten Teil der Unterstützung übernehmen. Russland bekäme eine wirtschaftliche Atempause. Beide Seiten könnten die nächsten drei bis fünf Jahre für eine umfassende Aufrüstung nutzen.
Der Krieg könnte noch jahrelang weitergehen
Könnte der Krieg noch jahrelang weitergehen? Diese Möglichkeit sieht ein weiteres Szenario vor, die Wahrscheinlichkeit hierfür beträgt 15 Prozent. Die Kämpfe würden weitere zwei bis drei Jahre mit ähnlichen Verlusten und langsamen russischen Geländegewinnen weitergehen. Eine Einigung oder ein Durchbruch bliebe aus.
Für die Ukraine würde das laut Analyse eine humanitäre Katastrophe und einen demografischen Einbruch bedeuten. Russland müsste wirtschaftlich an seine Grenzen gehen. Die Zustimmung der Bevölkerung zu Wladimir Putin könnte unter 50 Prozent sinken. Bei einem deutlichen Verlust des Lebensstandards könnte die Wut der Bevölkerung noch weiter steigen. Gleichzeitig würden die Sanktionen des Westens gegen Russland zunehmen. Der Handel mit China, Indien und anderen Staaten würde jedoch weiterlaufen. (mg)

