Dean Reeds Tod: Was in seinem Abschiedsbrief wirklich stand
Rätsel um den roten ElvisDean Reeds Tod in der DDR – Stasi-Mord oder persönliches Drama?

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Der US-amerikanische Sänger und Schauspieler Dean Reed lebte bis 1986 in der DDR.
Er war der amerikanische Superstar der DDR, ein Cowboy im Sozialismus. Sein Tod am 13. Juni 1986 ist bis heute ein Mysterium. Jetzt enthüllt ein lange verschollener Brief die tragische Wahrheit hinter dem Drama um Dean Reed.
Mit seinem Aussehen – groß, athletisch und voller Charisma – hätte er glatt als Marlboro-Mann durchgehen können. Stattdessen wandte sich Dean Reed von den Vereinigten Staaten ab und avancierte in Ostdeutschland zu einer Kultfigur. Auch 40 Jahre nach seinem Ableben am 13. Juni 1986 gilt der „Rote Elvis“ als eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten aus der Ära des Kalten Krieges.
Bis heute kursiert das Gerücht, die Stasi habe seinen Tod inszeniert, obwohl es offiziell als Suizid im Jahr 1986 gilt. Dieser Theorie erteilt der DDR-Historiker Stefan Wolle jedoch eine klare Absage. „Das traue ich der Stasi nicht zu. Das ist einfach nicht der Stil gewesen“, so die Einschätzung des wissenschaftlichen Beraters vom DDR-Museum gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Aufstieg zum Star im Osten
Der 1938 in Denver, Colorado, geborene Reed erlangte zunächst in Lateinamerika als Rock’n’Roll-Musiker Bekanntheit. Sein politisches Engagement wuchs in den 1960er- und 70er-Jahren, als er sich gegen den Krieg in Vietnam und die amerikanische Außenpolitik aussprach. Er knüpfte Kontakte zu international bekannten linken Persönlichkeiten, darunter der chilenische Präsident Salvador Allende und Palästinenserführer Jassir Arafat.
Eine entscheidende Wende nahm sein Leben Anfang der 70er-Jahre. Er lernte 1971 auf dem Dokumentarfilmfest in Leipzig die Lehrerin Wiebke Dorndeck kennen, heiratete sie und machte die DDR zu seiner neuen Heimat, wo er zu einem gefeierten Star aufstieg.
Der Ami-Star im sozialistischen Deutschland
Im „Arbeiter- und Bauernstaat“ wurde Reed zur Figur des singenden Cowboys. Seine Auftritte umfassten Lieder auf Deutsch, Englisch und Spanisch, zudem war er als Schauspieler in Filmen aktiv, häufig in der Rolle des Westernhelden. Die Führung der DDR nutzte ihn als Paradebeispiel eines geläuterten US-Bürgers, der sich willentlich für den Sozialismus entschieden habe.
Historiker Wolle erläutert die Bedeutung Reeds für das Regime: „Die Tatsache, dass er aus den USA kam und schon als Rock’n’Roll-Sänger und als Schauspieler bekannt war, war schon etwas Besonderes. Da war die DDR auch stolz darauf und propagierte das dementsprechend groß“.
Mehr als nur ein politisches Aushängeschild
Reed war jedoch nicht bloß ein Propagandainstrument. Man beschrieb ihn als gewinnend, nahbar und gesprächig – ein Unterhaltungskünstler mit Draht zu den Menschen. Laut Wolle hielt er sich mit eindeutigen ideologischen Statements meist zurück. Er positionierte sich zwar gegen den Imperialismus der USA, aber eine eindeutige Zustimmung zum politischen Apparat der DDR äußerte er nicht.
Für die Mächtigen in der DDR war das ausreichend, wie Wolle erklärt: „Allein die Tatsache, dass er in der DDR präsent war, reichte politisch“. Wolle fügt hinzu: „Er war für den Frieden, für die Gerechtigkeit, für die Freiheit und die Demokratie. Aber genauer gesagt hat er das nie. Das musste er ja als Schlagersänger auch nicht.“
Der Historiker charakterisiert Reed als „sehr sympathischen, auch klugen und intelligenten Mann, der aber ein hohes Maß an Naivität besaß und deswegen den eigentlichen politischen Widersprüchen dann auch aus dem Weg gegangen ist“.
Laut Wolle befand sich Reed in einem ständigen inneren Zwiespalt: „Auf der einen Seite konnte er als US-Bürger durch die Welt reisen, wie er wollte. Und gleichzeitig akzeptierte er ja die Tatsache, dass das für die große Zahl, also für die ganz überwiegende Zahl, 99,9 Prozent der DDR-Bürger nicht so galt“.
Ein Leben voller Gegensätze
Diese Zerrissenheit bestimmte sein gesamtes Dasein. In der Öffentlichkeit gab er den DDR-Sympathisanten, doch im Privaten kämpfte er mit Unsicherheiten und inneren Konflikten. „Dieser Widerspruch ist so offensichtlich, an dem führt kein Weg vorbei“, stellt der Historiker fest.
Die Ehe mit Wiebke Dorndeck scheiterte, und im Jahr 1981 gab er der Schauspielerin Renate Blume das Jawort. Berichte von Zeitgenossen deuten auf zunehmende Reibereien und Auseinandersetzungen hin. Ein Vorfall aus dem Jahr 1982 ist bezeichnend: Als ihn Volkspolizisten wegen überhöhter Geschwindigkeit stoppten, fuhr er sie laut Aktenvermerk der Beamten an: „Die Staatslimousinen, die mich gerade mit 160 Kilometer pro Stunde überholt haben, schreibt ihr nicht auf. Das ist ja wie ein faschistischer Staat hier. Ich habe das langsam wie die meisten der 17 Millionen in diesem Land bis hierher satt!“
Der mysteriöse Abschiedsbrief
Reed befand sich in einer tiefen Krise, da seine Popularität als Sänger sowie Darsteller in der DDR spürbar nachließ. Dann, am 13. Juni 1986, war er auf einmal wie vom Erdboden verschluckt. In der Dokumentation „Der rote Elvis“ schildert seine Witwe Renate Blume die letzten Momente: „Er packte seine Tasche und sagte, er gehe zu den Menschen, die ihn lieben. Dabei gab er jedoch kein konkretes Reiseziel an.“
Nur wenige Tage darauf fand man Reeds Leiche am Ufer des Zeuthener Sees in der Nähe von Berlin. Ein von ihm verfasster, 15 Seiten langer Abschiedsbrief wurde von der Stasi unter Verschluss gehalten und tauchte erst nach dem Mauerfall wieder auf.
„Mein Tod hat nichts mit Politik zu tun“, stand in dem Brief des „singenden Cowboys“. Doch sein Ableben wurde sofort zu einer hochpolitischen Angelegenheit. Erich Honecker, der Chef der SED, den Reed in seinem Schreiben explizit grüßen ließ, ordnete an, von einem tragischen Unfall zu sprechen. Währenddessen keimte im Westen der Verdacht auf, die Staatssicherheit habe Reed aus dem Weg geräumt, da er eine Rückkehr in die Vereinigten Staaten erwogen haben soll. Es gibt bis in die Gegenwart Spekulationen, der Brief sei eine Fälschung der Stasi.
Historiker Wolle vermutet private Gründe hinter der Tat: „Er hatte sich furchtbar mit seiner Frau gestritten und das hat ihn alles so niedergedrückt und fertig gemacht und vielleicht kam die etwas schwierige politische Situation hinzu.“ Er fügt hinzu: „Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die Stasi ihre Finger im Spiel hatte. Das ist wohl tatsächlich persönlich motiviert gewesen.“
Im Jahr 2004 brachte die „Bild“-Zeitung den lange geheim gehaltenen Abschiedsbrief an die Öffentlichkeit. Laut dem Artikel sei das Schreiben in „einem Berliner Archiv“ aufgetaucht, wobei weitere Details fehlten. Der Zeitung wurde das Dokument als Kopie übermittelt.
Museum sucht nach weiteren Andenken
Die Umstände seines Todes wurden zu einem Politikum. Während die Staatsführung der DDR von einem Unfall ausging, stellten Kritiker im Westen eine Verbindung zu Reeds wachsender Unzufriedenheit und seinen Ausreiseplänen her. In seinem Abschiedsbrief steht jedoch der Satz, dass sein Ableben „nichts mit Politik zu tun“ habe.
Das Bundesarchiv bewahrt den Brief heute auf, wie Simone Uthleb, die Sprecherin des DDR-Museums, mitteilt. Das Museum selbst verwahrt einige Stücke aus Reeds Nachlass in den eigenen Depoträumen, beispielsweise eine Fotografie von seiner Hochzeit und eine seiner Platten. Man ist offen für weitere Stücke, wie Uthleb betont: „Wenn jemand Objekte oder eine ganze Sammlung hat und diese in gute Hände geben möchte, übernehmen wir sie gern.“ (dpa/red)
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