Wahl-Hammer: Konservative brauchen nun Rechtspopulisten
Politisches Beben in SpanienKonservative verlieren Mehrheit und sind auf Rechtspopulisten angewiesen

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Die konservative Volkspartei PP hat bei der Regionalwahl in Andalusien ihre absolute Mehrheit verloren und ist in der bevölkerungsreichsten Region Spaniens künftig auf die rechtspopulistische Vox angewiesen.
Ein politischer Hammer im sonnigen Süden Spaniens! Die konservative Volkspartei (PP) hat bei der Regionalwahl in Andalusien ihre absolute Mehrheit verloren. Um weiter regieren zu können, ist sie nun ausgerechnet auf die rechtspopulistische Vox angewiesen.
Für die Konservativen ist das Ergebnis ein herber Dämpfer. Die PP unter ihrem Spitzenkandidaten, dem Regionalregierungschef Juanma Moreno, kam laut Wahlkommission nur noch auf 53 Sitze im Parlament in Sevilla. Das sind fünf weniger als vor vier Jahren – und zwei zu wenig für die absolute Mehrheit von 55 Abgeordneten.
Großer Gewinner des Abends ist die rechtspopulistische Vox, die einen Sitz hinzugewann und künftig 15 Abgeordnete stellt. Ein Debakel erlebten hingegen die Sozialisten (PSOE) des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez: In ihrer einstigen Hochburg stürzten sie auf nur noch 28 Sitze ab – ein noch schlechteres Ergebnis als bei der historischen Pleite 2022.
PP auch in anderen Regionen auf Vox angewiesen
Der Verlust der absoluten Mehrheit ist ein persönlicher Rückschlag für Moreno, der eigentlich für einen weniger konfrontativen Kurs als die nationale PP bekannt ist. Doch nun ist auch er in der bevölkerungsreichsten Region Spaniens auf die Rechtspopulisten angewiesen, um eine Regierung zu bilden.
Damit wiederholt sich ein Muster, das sich bereits in anderen Regionen zeigte. Auch in der Extremadura, in Aragón und in Kastilien und León wurde die PP zwar stärkste Kraft, ist aber für eine Mehrheit auf die Stimmen von Vox angewiesen. Eine große Koalition zwischen PP und PSOE gilt in Spanien wegen der tiefen Gräben zwischen den Parteien als extrem unwahrscheinlich.
Inflation und Arbeitslosigkeit prägten den Wahlkampf
Im Wahlkampf ging es um die Sorgen, die die Menschen im Alltag bewegen: die wieder steigende Inflation, auch infolge des Iran-Krieges, Mängel im Gesundheitssystem und die hohe Arbeitslosigkeit. Mit knapp 15 Prozent liegt die Quote in Andalusien deutlich über dem spanischen Durchschnitt. Auch fehlender Wohnraum und die Einwanderung über das Mittelmeer waren zentrale Themen.
Andalusien ist mit über zehn Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste autonome Gemeinschaft Spaniens, wirtschaftlich aber schwächer als der Rest des Landes. Tourismus und Landwirtschaft sind die wichtigsten Säulen, doch auch Industrie und die Erzeugung von Sonnenstrom gewinnen an Bedeutung. Kulturell prägt die Region mit Flamenco, Stierkampf und dem maurischen Erbe wie der Alhambra in Granada das Bild Spaniens in der Welt. (dpa/red)
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