Abo

NRW-GAMING-GIGANT GREIFT ANMerkur will mit Tausenden Automaten die USA fluten

Merkur-Spielothek

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa

Es geht um reinen Zufall: Habe ich in einer Reihe nur Pflaumen, Zitronen oder Kirschen?

Ein Glücksspiel-Imperium aus Ostwestfalen nimmt Kurs auf Nordamerika. Der Plan: Tausende neue Spielgeräte für die Casinos in den USA und Kanada.

Deutschlands führender Glücksspiel-Anbieter Merkur hat ein gewaltiges Vorhaben: Der Konzern aus Ostwestfalen plant den Export von Tausenden Spielgeräten nach Nordamerika. Nachdem man durch den Kauf eines kleinen US-Unternehmens im Vorjahr den Einstieg schaffte, werden bereits in diesem Jahr 800 bis 1000 Geräte in die USA und nach Kanada geliefert, wie Vorstandschef Lars Felderhoff erklärt. «In drei Jahren sollen es pro Jahr 5000 sein und danach noch mehr.»

Die Produktion der Geräte findet vollständig im Werk in Lübbecke statt, das sich nahe des Hauptsitzes in Espelkamp befindet. «Wir sind jetzt im amerikanischen Markt und wollen dort stark wachsen.» Das Unternehmen, das bis 2024 als Gauselmann bekannt war, wurde kürzlich umbenannt.

Der US-Markt ist riesig, mit schätzungsweise einer Million Geldspielgeräten, von denen viele in Las Vegas (Nevada) blinken. Dort ist auch die Firma Gaming Arts ansässig, die mit ihren rund 60 Mitarbeitenden kürzlich von Merkur übernommen wurde. Gaming Arts wird sich künftig auf die Software-Entwicklung konzentrieren, während die Hardware – die Automaten selbst – aus Ostwestfalen kommt.

Laut Unternehmensangaben sind global bereits mehr als 100.000 Spielautomaten von Merkur im Einsatz, für die der Konzern Miete oder Umsatzbeteiligungen erhält. Durch die Expansion in die USA soll diese Zahl in Zukunft erheblich anwachsen.

Merkur-Chefs Stoffers und Felderhoff

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa

Das Merkur-Führungsduo: Firmenchef Lars Felderhoff (rechts) und Vizechef Manfred Stoffers (links).

Deutscher Zwerg fordert die US-Giganten heraus

Felderhoff sieht eine große Chance, da der US-Markt von wenigen Anbietern beherrscht wird. „Aus etwa zehn Automaten-Anbietern sind nur noch drei Wesentliche geworden, die Vielfältigkeit hat abgenommen“, so der Manager laut Deutscher Presse-Agentur. „Die Casino-Betreiber lechzen nach anderen Anbietern, um nicht nur von diesen wenigen Großen abhängig zu sein.“

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Manfred Stoffers beschreibt die Lage als Kampf von David gegen Goliath. „Die Amerikaner kämpfen gegen die Uniformität und Eintönigkeit des heimischen Automatenmarktes - das ist unsere Chance.“ Die Goliaths auf dem US-Markt sind Firmen wie Aristocrat Gaming, IGT und Light & Wonder. Zusätzlich zum Geräteverkauf will Merkur auch mit virtuellen Spielen für Online-Plattformen und Casino-Automaten in den USA wachsen.

Dies ist allerdings nicht der erste Anlauf des Unternehmens aus Espelkamp auf dem amerikanischen Kontinent. Bereits 1998 erhielt eine Tochtergesellschaft in Nevada eine Lizenz als Hersteller. Der Durchbruch blieb jedoch aus, und die Tochter wurde 2008 an einen amerikanischen Wettbewerber veräußert.

Merkur-Spielothek

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa

Ein Mann geht in eine Merkur-Spielothek, die sich Casino nennt.

Milliarden-Umsatz und neue Ziele

Finanziell läuft es für die Merkur AG rund: Im letzten Jahr wurde ein Umsatz von 2,1 Milliarden Euro erzielt, was einem Zuwachs von 7,5 Prozent entspricht. Das Unternehmen beschäftigt etwa 15.300 Menschen, wobei Großbritannien nach Deutschland der bisher bedeutendste Markt ist. Über den Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. Merkur ist in den Bereichen Spielhallen, Spielbanken, Automatenherstellung, Spieleentwicklung und Sportwetten aktiv.

Der Anteil des Online-Geschäfts am Umsatz beträgt derzeit elf Prozent und soll weiter ausgebaut werden. Nach 68 Jahren an der Spitze hat Gründer Paul Gauselmann die Leitung im Herbst 2024 an den externen Manager Felderhoff übergeben, woraufhin die Umbenennung in Merkur erfolgte.

Felderhoff hat eine klare Vision: «Die Firma war ein starkes deutsches Familienunternehmen. Unsere Aufgabe ist es nun, Merkur als internationalen Konzern aufzustellen und zukunftssicher zu machen: Dazu gehört, das Online-Geschäft auszubauen.» Bis 2026 soll der Umsatz des Konzerns um zehn Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro klettern. Dabei soll auch der Anteil des Auslandsgeschäfts, der 2019 bei 40 Prozent lag und im Vorjahr 45 Prozent erreichte, weiter steigen.

Ein wichtiger Wettbewerber für Merkur ist der österreichische Konzern Novomatic, dessen deutsche Tochterfirma Löwen heißt. Novomatic erwirtschaftete 2023 Einnahmen von 3,45 Milliarden Euro, was 0,2 Milliarden mehr als im Vorjahr waren. Neuere Zahlen sind bisher nicht publiziert worden.

Kritik aus der Politik: Warnung vor Spielsucht

Doch die Expansionsfreude hat eine Kehrseite. In Deutschland steht das Glücksspielgeschäft politisch in der Kritik. Anbieter müssen sich an strenge staatliche Regeln halten, um Spieler zu schützen und Suchtverhalten zu verhindern. Darauf macht auch Sebastian Fiedler, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, aufmerksam. Er verweist auf Studien, laut denen in Deutschland zwischen zwei und drei Millionen Menschen ernsthafte Probleme mit dem Glücksspiel haben. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Geschäftsschließung im Einzelhandel

Schock-Prognose für unsere Innenstädte

Tausende Läden vor dem Aus – „So darf es nicht weitergehen“