Beim OMR-Festival in Hamburg spricht der bekannte Investor Klartext.
„Braucht sehr viel Hilfe“Maschmeyer ätzt gegen Merz

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Carsten Maschmeyer wird bei einer Frage zu Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich. (Archivbild)
Eigentlich sollte es um Innovationen gehen, doch dann teilt der bekannte Investor auf dem OMR-Festival in Hamburg kräftig aus. Seine Kritik an der Regierungspolitik hat es in sich.
Eigentlich war Carsten Maschmeyer (66) auf dem OMR Digital-Festival in Hamburg, um über Start-ups und neue Ideen zu reden. Aber dann wurde es im „MayWay“-Podcast an der Seite von Tanja May plötzlich knallhart politisch. Der bekannte Geldgeber aus „Die Höhle der Löwen“ zeigte sich wegen Deutschlands Absturz in globalen Wirtschafts-Rankings zutiefst besorgt über die Zukunft des Landes.
Maschmeyer schockiert über digitale Ahnungslosigkeit in Berlin
Dem Investor stößt vor allem die fehlende digitale Kompetenz der politischen Spitze sauer auf. Für ihn ist Künstliche Intelligenz (KI) wie eine „dritte Gehirnhälfte“. Doch dieses mächtige Werkzeug werde hierzulande kaum eingesetzt, da in Berlin niemand Ahnung habe. Seine herausfordernde Frage: „Viele wissen nicht, wie man einen Laptop auflädt oder einschaltet. Und die sollen uns in die digitale Zukunft führen?“
Auch von Diskussionen über eine angebliche „Faulheit“ der Bevölkerung oder weniger Feiertage will er nichts hören. Klar, es gäbe „Drückeberger“, aber das eigentliche Problem sieht er woanders. Seine unmissverständliche Forderung: „Die meisten Menschen in Deutschland müssen nicht mehr arbeiten. Politiker müssen besser arbeiten.“
Was Maschmeyer Bundeskanzler Merz raten würde
Als er gefragt wurde, was er bei einem Anruf von Bundeskanzler Friedrich Merz (70) machen würde, der um Rat bittet, kam die prompte Antwort: „Das wäre ein langes Gespräch.“ Maschmeyer sieht bei dem Politiker einen gewaltigen Aufholbedarf. Das Urteil des Investors ist vernichtend: „Er braucht sehr viel Hilfe“.
Er betonte zwar, dass seine Expertise nur in Wirtschaft und Innovation liege. Aber genau das sei die Schwachstelle des Landes. Während große Unternehmen in Bürokratie untergehen, ruht seine ganze Hoffnung auf jungen, kreativen Gründern. „Wenn ich da mithelfen kann, dass ein neuer Marktführer entsteht, macht mich das stolz.“
Private Beichte: Die schmerzhafte Lektion des Erfolgs
Abseits der harten Politik-Kritik gewährte der 66-Jährige aber auch einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. Er sprach über seine Zeit als Workaholic sowie die bitteren Konsequenzen für seine Gesundheit. Vor 18 Jahren erlitt er einen Burn-out, der 2010 seinen schlimmsten Punkt erreichte und ihn zwang, sein Leben zu ändern. „Ich hatte den Höhepunkt meiner Erkrankung 2010. Damals war dies viel mehr tabuisiert. Ich habe es daher lange nicht zugegeben.“
Beruflichen Erfolg betrachtet er heute mit anderen Augen. Jemand, der im Job ein „Profi“ ist, riskiert, im Privatleben ein „Amateur“ zu werden. Er gibt zu, dass er für seine Kinder zu wenig Zeit hatte. Diesen Fehler will er nun bei den drei Enkelkindern korrigieren. „Ich habe meinen Kindern versprochen: Ich werde ein besserer Opa.“ (jag)
