Karl Lauterbach Gesundheitsminister warnt vor dramatischen Rekord-Werten – neue Testregeln geplant 

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, äußert sich in der Bundespressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage. Foto vom 14. Januar 2022.

Karl Lauterbach rechnet nächsten Monat mit Hunderttausenden Corona-Neuinfektionen pro Tag. Bestimmte Gruppen will er bei der PCR-Testung priorisieren. Foto vom 14. Januar 2022.

Die Corona-Zahlen steigen rasant. Gesundheitsminister Karl Lauterbach ließ nun durchblicken, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht sei. Und spricht von besonderen Maßnahmen.

Nahezu täglich knacken die Corona-Zahlen neue Rekorde. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (58) rechnet bis Mitte Februar mit mehreren Hunderttausend Corona-Neuinfektionen am Tag.

Es sei mit Blick auf realistische Szenarien davon auszugehen, „dass die Welle Mitte Februar ungefähr ihren Höhepunkt haben wird und dass wir dann mehrere Hunderttausend Fälle pro Tag erwarten müssen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend (19. Januar 2022) in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Es sei nicht gesagt, dass es zu den Szenarien komme, aber „die haben die größte Wahrscheinlichkeit“.

Dabei gebe es Länder, die solche Zahlen auch mit Blick auf die Intensivstationen verkraften könnten, in Deutschland sei die Lage jedoch eine andere. „Da wir in Deutschland eine hohe Zahl von Ungeimpften bei den Älteren haben, kann es bei uns ganz anders ausgehen als beispielsweise in Italien, Frankreich oder England“, sagte Lauterbach.

Karl Lauterbach: „Das wird die Belastungsprobe sein“

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In England liege etwa die Zahl der Ungeimpften in der Gruppe der über 50-Jährigen bei ein bis zwei Prozent. „Das sind Werte, an die wir nicht herankommen“.

In Deutschland übermittelten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut am Mittwoch (19. Januar 2022) erstmals mehr als 100 000 Neuinfektionen. Am Donnerstag (20. Januar 2022) meldete das RKI über 133 000 Infektionen.

Bislang spiegelt sich die von der Virusvariante Omikron ausgelöste Welle jedoch nicht auf den Intensivstationen. Dort ist die Zahl der Corona-Patienten laut Medizinervereinigung „Divi“ seit der ersten Dezemberhälfte von rund 5000 auf zuletzt 2664 gesunken. Momentan infizieren sich vergleichsweise wenig Ältere, die besonders anfällig für schwere Verläufe sind.

Lauterbach sagte zu der sinkenden Hospitalisierungsrate, dies sei eine „irrelevante Momentaufnahme“, da die Welle, die aktuell in England und Frankreich laufe, in Deutschland erst noch komme. „Die richtige Belastung auf den Intensivstationen würde ich Mitte, Ende Februar erwarten, das ist noch ein Monat hin und dann hoffe ich, dass es dann noch gut aussieht“, sagte Lauterbach. „Das wird die Belastungsprobe sein, nicht das, was wir jetzt sehen.“

In den vergangenen Wochen stiegen die Fallzahlen etwa in Frankreich rasant an. Am Dienstag meldete das Land etwa knapp 465 000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Zuletzt lag der Inzidenzwert, also die Zahl der Ansteckungen auf 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb einer Woche, landesweit bei 3063.

Auch in Großbritannien überschritt die Inzidenz zeitweise die Marke von 2000. Mittlerweile gehen dort die Zahlen jedoch wieder zurück.

Lauterbach will bestimmte Gruppen bei PCR-Testung priorisieren

Angesichts knapper werdender PCR-Tests will Lauterbach Beschäftigte in sensiblen Gesundheitseinrichtungen bei der Laborauswertung bevorzugen. „Wir werden tatsächlich so hohe Fallzahlen bekommen, dass wir die PCR verteilen müssen, priorisieren müssen, dazu werde ich am Wochenende einen Vorschlag vorlegen, wie das passieren soll“, kündigte Lauterbach an Mittwochabend an. Die Beschlussvorlage soll laut Lauterbach am Montag bei erneuten Beratungen von Bund und Länder beschlossen werden.

„Ganz klar ist, dass hier die Krankenhausbeschäftigten, die Pflegebeschäftigten, die Menschen der Eingliederungshilfe, der Behindertenpflege, dass die besonders berücksichtigt werden müssen“, sagte Lauterbach. Insbesondere müsse zudem sichergestellt werden, dass diejenigen, die aus Isolation zurückkehren, nicht mehr ansteckend seien.

Die SPD-Fraktion will sich derweil bei ihrer Klausurtagung am Donnerstag (20. Januar 2022) für eine zügige Entscheidung im Bundestag über die Impfpflicht stark machen. Die Überwindung der Corona-Pandemie habe „absoluten Vorrang“, heißt es in dem Entwurf der Fraktionsführung für ein Arbeitsprogramm, das bei der Tagung beschlossen werden soll. „Die parlamentarischen Beratungen zur Impfpflicht werden wir zügig und mit der gebotenen Sorgfalt voranbringen.“ Ein Zeitplan wird in dem Papier allerdings nicht genannt.

Geplant ist aber, dass nach einer „Orientierungsdebatte“ in der kommenden Woche aus den Reihen der Fraktion Eckpunkte für einen Gesetzentwurf vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage soll dann mit Parlamentariern anderer Fraktionen über einen gemeinsamen Gruppenantrag beraten werden, über den möglichst bis Ende März abgestimmt werden soll. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich für ein Inkrafttreten im April oder Mai ausgesprochen.

Corona: Über Impfpflicht soll bald entschieden werden

Deutsche Kliniken drängen unterdessen in der Impfpflicht-Debatte auf mehr Tempo. „Wir haben die große Sorge, dass die Politik den richtigen Zeitpunkt für eine Impfpflicht verpasst und wir bei der nächsten Variante wieder vor den gleichen Problemen in den Krankenhäusern stehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft (DKG) Gerald Gaß (59) der „Augsburger Allgemeinen“.

Auch Bundesjustizminister Marco Buschmann (44) spricht sich für eine „zügige Entscheidung“ aus. Die Frage müsse aber vorher im Parlament sorgfältig diskutiert werden. „Der Bundestag hat allerdings wiederholt gezeigt, dass er in der Lage ist, Tempo und Sorgfalt miteinander zu verbinden“, sagte der FDP-Politiker der „Passauer Neuen Presse“. (dpa)

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