Familiennachzug: Wer wirklich kommt, ist eine Überraschung.
Nur 13 Prozent GeflüchteteNeue Zahlen zum Familiennachzug widerlegen gängige Annahmen

Copyright: Bernd von Jutrczenka/dpa
Über den Familiennachzug für Geflüchtete wird seit Jahren gestritten. (Archivfoto)
Beim Thema Familiennachzug wird heftig gestritten. Doch wer kommt da eigentlich wirklich nach Deutschland? Aktuelle Zahlen der Bundesregierung bringen jetzt Licht ins Dunkel – und das Ergebnis ist für viele eine Überraschung.
In der hitzigen politischen Auseinandersetzung steht der Familiennachzug oft im Mittelpunkt. Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion enthüllt aber: Nur ein kleiner Teil der Personen, die auf diesem Weg nach Deutschland gelangen, sind Verwandte von Schutzsuchenden.
Im Zeitraum von Anfang 2025 bis zum 23. April dieses Jahres wurden 177.382 Entscheidungen über Visa zur Familienzusammenführung gefällt. Davon entfielen nur etwa 13 Prozent (23.273) auf den Nachzug zu Menschen mit einem Schutzstatus, wie Flüchtlingen oder Asylberechtigten.
Wer kommt stattdessen nach Deutschland?
Den größten Anteil machten mit 67.097 Fällen die Ehepartner von Ausländern aus, die bereits in Deutschland mit einem anderen Titel leben, etwa als Fachkräfte. Hinzu kamen rund 27.000 Visa für Ehegatten von deutschen Staatsangehörigen.
Um bei ihren Partnern zu sein, die in Deutschland nicht als Flüchtlinge leben, kamen im genannten Zeitraum beispielsweise circa 9.000 Ehepartner aus Indien und über 9.800 Personen aus der Türkei. Ein anderer Teil der Visa wurde für Kinder von Ausländern ausgestellt, die nicht aus Fluchtgründen nach Deutschland eingereist waren.
Harte Regelung für viele Syrer
Für eine bestimmte Gruppe wurde die Familienzusammenführung Ende Juli des letzten Jahres für die Dauer von zwei Jahren gestoppt. Das betrifft Menschen mit dem sogenannten subsidiären Schutz. Darunter fallen viele Personen aus Syrien, die keine individuelle Verfolgung belegen können, denen in ihrer Heimat aber eine allgemeine Gefahr für Leib und Leben droht.
Nur in absoluten „Härtefällen“ ist es ihnen gestattet, ihre engste Familie nachzuholen. Und hier kommt der Hammer: Bis zum Stichtag am 15. Mai wurden gerade einmal sieben Visa über diese Härtefall-Regelung ausgestellt. 285 weitere Fälle werden derzeit noch eingehend geprüft.
Linken-Politikerin beklagt „alarmistische Debatten“
Clara Bünger, Innenexpertin der Linken, findet für die öffentliche Wahrnehmung deutliche Worte. „Der Familiennachzug zu Geflüchteten macht nur einen kleinen Anteil am Familiennachzug insgesamt aus“, erklärt sie. Dennoch seien in der Vergangenheit wiederholt „alarmistische Debatten“ darüber geführt worden, die dann zur Rechtfertigung von Gesetzesverschärfungen herangezogen wurden.
Für viele Familien hat das eine Trennung auf unbestimmte Zeit zur Folge. In einigen Herkunftsländern müssen Angehörige momentan mehr als ein Jahr warten, nur um überhaupt einen Antragstermin zu erhalten. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
