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Estland warnt vor russischen Kämpfern„Früher oder später kommt das Problem zu euch“

Russische Wehrpflichtige, die zum Militärdienst einberufen wurden, steigen vor den Toren Moskaus in einen Bus ein.

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Russische Wehrpflichtige, die zum Militärdienst einberufen wurden, steigen vor den Toren Moskaus in einen Bus ein.

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Joosep Kaasik kennt die Bedrohung aus nächster Nähe. Estlands Sicherheitschef fordert: kein Schengen-Visum für russische Kampfveteranen. Europa müsse aufwachen, bevor es zu spät ist.

Estland sieht ein Problem heranrollen, das Europa noch nicht richtig verstanden hat. Während die Ukraine weiter um ihre Existenz kämpft, laufen Tausende russischer Kriegsveteranen herum – in Europa. Sie reisen, sie studieren, sie genießen die Sonne in Nizza oder anderswo.

Estlands stellvertretender Staatssekretär für Innere Sicherheit, Joosep Kaasik, warnt: Das sei „sehr naiv“.

„Druck auf russische Gesellschaft muss ausgeweitet werden“

Sein eigenes Land hat bereits etwa 3.100 dieser russischen Ex-Kämpfer mit Einreiseverboten belegt. Jetzt drängt Estland die Europäische Union, es Estland gleichzutun. Das Land bemüht sich, ehemaligen russischen Kämpfern die Einreise in den Schengen-Raum zu verbieten. Doch viele EU-Länder argumentieren, dass Russen in Europa die Demokratie kennenlernen könnten und diese Werte später nach Russland zurückbringen würden.

Kaasik antwortet in einem Interview mit „Radio Free Liberty“ deutlich: „Wenn ich auf die letzten 200 Jahre schaue, sehe ich keinen Zeitraum, in dem die russische Gesellschaft wirklich funktional demokratisch war. Deshalb glaube ich persönlich nicht, dass das plötzlich in der Zukunft passieren wird.“ Er verstehe, dass es Russen gebe, die anderer Meinung sind, die Putin nicht unterstützen. „Aber solange dieser Krieg andauert, muss der Druck auch auf die russische Gesellschaft insgesamt ausgeweitet werden.“

Russische Schießübungen in Grenznähe

Wie bedrohlich der russische Nachbar sein kann, zeigte sich erst vor einigen Wochen: Einen Tag nach dem NATO-Gipfel Anfang Juli hat Russland unangekündigte Schießübungen auf dem Peipussee durchgeführt, wenige Kilometer von Estlands Grenze entfernt. Das sei Teil von Moskaus System.

Joosep Kaasik (damals noch Innenminister von Estland) zusammen mit Amtskollegin Yvette Cooper im März 2025 in London.

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Joosep Kaasik (damals noch Innenminister von Estland) zusammen mit Amtskollegin Yvette Cooper im März 2025 in London.

Kaasik erklärt: „Wenn wir uns Russlands bisheriges Handeln ansehen, denke ich, dass sie stets signalisiert haben, dass ihnen alles egal ist. Ihnen ist alles gleichgültig, und sie werden alles tun, was sie für nötig halten – vor allem, um in den Nachbarländern Verwirrung zu stiften.“

Ein weiteres Problem: Die russischen Ex-Kämpfer stehen weiterhin im Fokus der russischen Geheimdienste. Sie haben Kampferfahrung. Sie sind einfach zu rekrutieren. Kaasik warnt: „Sie sind eine Zielgruppe für die Rekrutierung und werden wahrscheinlich den Anweisungen von Russlands Geheimdiensten und Sicherheitsdiensten befolgen.“ Genau darin sehe Estland eine Gefahr: „Sie könnten sich künftig an verschiedenen Anschlägen in ganz Europa beteiligen und uns große Probleme bereiten.“

„Es geht auch um zivile Vorbereitung“

Estlands Sorgen beschränken sich nicht auf die Kriegsveteranen. Das Land bereitet sich auf etwas Größeres vor: auf die Resilienz einer ganzen Gesellschaft. Kaasik erklärt, ein Krieg werde nicht nur auf dem Schlachtfeld gewonnen. Auch das lehrte Russlands Krieg gegen die Ukraine. Es gehe auch um die Gesellschaft, wie sie damit umgeht, wie vorbereitet sie ist. Kaasik betont: „Es geht nicht nur um militärische Fähigkeiten. Es geht auch um zivile Vorbereitung – wie Menschen reagieren, wenn es keinen Strom, kein Wasser gibt oder Häuser zerstört sind.“

Grenzübergang nach Russland bei Narwa: Narva ist die russischsprachigste Stadt in der EU.

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Grenzübergang nach Russland bei Narwa: Narva ist die russischsprachigste Stadt in der EU.

Russland mische sich überall ein, auch in Europa. Und nicht nur militärisch. Kaasik erklärt das System: „Ihr bevorzugter Ansatz ist es, die politische Entscheidungsfindung zu beeinflussen. Sie versuchen, bestimmte Ideen in unseren Gesellschaften zu etablieren. Sie versuchen, Einwohner so zu beeinflussen, dass sie Dinge glauben, die für Russland am nützlichsten sind.“ Seit Jahren will Russland europäische Länder destabilisieren – mithilfe von Mediennetzwerken, Fake-Accounts, orchestrierten Kampagnen.

Warnung an Westeuropa

Kaasik hat eine Warnung für westeuropäische Länder: „Ich würde sagen, dass dieses Problem früher oder später auch bei euch auftreten wird, und dann könnte es bereits zu spät sein. Wir versuchen, zukünftige Vorfälle zu verhindern.“

Estland weiß, wovon es spricht: Das Land grenzt direkt an Russland. Dort ist die Bedrohung allgegenwärtig. Westeuropa dagegen ist weit weg. Menschen dort erleben sie nicht unmittelbar – „oder verstehen sie nicht vollständig“, so Kaasik. Sie fühlten sich sicherer. Kaasik argumentiert mit klarer Logik: „Prävention ist immer die günstigste und effektivste Methode, um Probleme zu vermeiden.“ Wenn die EU jetzt handelt, wenn sie russischen Kriegsveteranen Einreiseverbot erteilt, dann könnten viele Probleme erspart bleiben. Europa müsse sich dem veränderten Sicherheitsumfeld schnellstmöglich anpassen.

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