Riskanter Corona-Plan für NRW Herr Laschet, das ist ein einziges Desaster!

Armin_Laschet_Kommentar

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, erklärte am Mittwoch die Maßnahmen für das Land.

Köln – Am Mittwoch hat die Bundesregierung die ersten vorsichtigen Schritte hinaus aus der Corona-Krise verkündet. Es gibt weiterhin strikte Kontaktbeschränkungen, in einzelnen Bereichen soll es aber behutsame Lockerungen geben. In vielen Punkten sind sich Bund und Länder einig, eigentlich sollen Schulen erst ab 4. Mai wieder schrittweise öffnen. Nur NRW geht einen anderen Weg: Ab kommender Woche können Prüfungen und Vorbereitungen der Abschlussklassen in NRW wieder stattfinden, erklärte Armin Laschet (hier lesen Sie mehr). Wie genau das stattfinden soll, weiß niemand. Eltern, Lehrer und Schüler sind verunsichert. Ein kommunikatives Desaster, findet unser Autor. Ein Kommentar.

Eines steht fest: Die neuen Maßnahmen der Bundesregierung lassen keinen Spielraum zu. Gar keinen. Das hat auch Angela Merkel am Mittwoch mit einer beeindruckenden Rechnung dargelegt.

Derzeit gibt es einen Reproduktionsfaktor von eins – eine Person steckt im Durchschnitt eine weitere an. „Doch schon wenn wir darauf kommen, dass jeder 1,1 Menschen ansteckt, dann sind wir im Oktober wieder an der Leistungsgrenze unseres Gesundheitssystems mit den angenommenen Intensivbetten“, sagte die Kanzlerin. Der geplante Weg, er ist also eine ganz enge Kiste.

Und Nordrhein-Westfalen? Geht den noch riskanteren Weg.

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Das nach Bayern am zweitstärksten vom Coronavirus betroffene Bundesland will so schnell wie möglich wieder in den Normalbetrieb übergehen. Und setzt für nächste Woche Prüfungsvorbereitungen in den Schulen an.

In wenigen Tagen schon, ab kommenden Donnerstag soll es losgehen. So lautete Armin Laschets Ansage in einer Pressekonferenz, kurz nachdem Merkel eingängig das Risiko beschrieben hatte.

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Laschet hat mit seiner Ansage die Schüler, Lehrer und auch Eltern in NRW völlig verunsichert. Denn die wichtigsten Fragen waren zum Zeitpunkt der Verkündung noch offen:

Wie sollen die Hygiene-Bestimmungen eingehalten werden?

Wie soll es ablaufen, wenn 30 Schüler in einem engen Unterrichtsraum sitzen sollen?

Was ist mit den vielerorts desaströsen Schultoiletten, scheitert der ambitionierte Laschet-Plan nicht schon an der fehlenden Seife?

Was ist mit den Lehrern, die zur Risikogruppe gehören – in NRW sind das immerhin rund 30 Prozent?

Und dann sind da noch die fehlenden Masken und Desinfektionsmittel.

Riskanter Plan in NRW: Schüler fragen sich, was passiert, wenn sie Eltern anstecken

Statt auf Besonnenheit zu setzen und die genauen Abläufe zusammen mit den Schulen zu planen, die genügend Vorlaufzeit benötigen, prescht Laschet nach vorn. Und stößt damit allen vor den Kopf, die sich tapfer wochenlang an die strikten Maßnahmen der Regierung gehalten haben, um auch die Mitmenschen zu schützen. Nicht nur Lehrer, auch Schüler fühlen sich wie Versuchskaninchen.

Hier lesen Sie mehr: Was ist erlaubt, was nicht? Alle Corona-Maßnahmen auf einen Blick

In den sozialen Netzwerken machte sich nach Laschets Ansage große Sorge breit (hier lesen Sie mehr): Schüler fragen, was wohl passiert, wenn sie sich in den Klassen anstecken. Und anschließend in den eigenen vier Wänden die kranke Mutter oder den Vater anstecken, der zur Risikogruppe gehört.

Andere erklärten, zur Not dem Unterricht fernzubleiben. „Ich werde auf jeden Fall nicht in die Schule gehen, bis sich die Lage gebessert hat. Ich will nicht dafür Schuld sein, dass meine vorerkrankte Mutter bald in der Intensiv liegt, nur weil der Laschet meint, die Schulen wären wichtiger. Von mir aus nehme ich 500 Fehlstunden in Kauf“, heißt es etwa auf Twitter. Eine Meinung, die viele teilen dürften.

Corona-Plan in NRW: Sorgen der Verbände wurden knallhart ignoriert

Schon im Vorfeld forderten Eltern- und Lehrerverbände sowie Gewerkschaften in NRW eine Absage der Abitur-Prüfungen.

„Unter diesen Umständen am Abitur festzuhalten ist absolut falsch und lässt zu, dass Schüler von der Krise extrem benachteiligt werden“, erklärte die Bildungsgewerkschaft GEW in NRW im „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Alle Prüfungen sollten ausfallen, Abschlüsse auf der Grundlage bisheriger Leistungen vergeben werden.

Die Sorgen wurden von der Landesregierung anscheinend völlig ignoriert. Statt auf eine bundesweit einheitliche Regelung, die Laschet zuvor selbst propagiert hat, folgt nun sein überraschender Alleingang. Damit riskiert er eine Katastrophe, sollte der Plan nicht aufgehen.

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